Bedeutung und Gewicht protektiver Faktoren bei der Einschätzung des zukünftigen Gewaltrisikos im Maßnahmenvollzug gem. § 21 Abs.1 StGB

Petra Hillebrand-Wiesinger (Standort Wien)

Abstract


Dem grundsätzlichen Anliegen der Gesellschaft und infolge auch der Legislative, zukünftige Straf- und Gewalttaten zu verhindern, wird durch eine Vielzahl an präventiven Maßnahmen, im Besonderen durch die unbefristete Anhaltung von psychisch kranken RechtsbrecherInnen im Maßnahmenvollzug, zu entsprechen versucht. In dem Wunsch nach Sicherheit und Unversehrtheit der Gesellschaft muss kein Widerspruch zu dem Bestreben nach Reintegration und Resozialisierung von psychisch kranken RechtsbrecherInnen bestehen. Dringende Voraussetzung dafür ist allerdings eine möglichst reliable Gefährlichkeitseinschätzung und passgenaue individuelle Behandlungs- und Interventionsplanung für die Untergebrachten. Im forensisch psychiatrischen Maßnahmenbereich scheint es derzeit zu einem Paradigmenwechsel zu kommen. In der Risikoeinschätzung wird zunehmend auf eine ausreichende Balance in der Berücksichtigung von Risikofaktoren und protektiven Faktoren geachtet. Es stellt sich die Frage, inwiefern ein Wechsel in Richtung integrativer Perspektive, in der davon ausgegangen wird, dass Ursachen und Wirkungen nicht auf eine Ebene oder einen isolierten Faktor reduziert betrachtet werden können, ein sinnvoller Schritt im Bereich Risikoprognostik im Maßnahmenvollzug ist. Der vorliegende Artikel beschäftigt sich mit der Bedeutung von protektiven Faktoren in der Gefährlichkeitseinschätzung von Untergebrachten gem. §21 Abs.1 StGB, um gegebenenfalls einen Beitrag dazu zu leisten, ein Gleichgewicht in der Bedeutungszumessung beider Faktoren – der Risikofaktoren und der protektiven Faktoren – herzustellen.

Schlagworte: bio-psycho-sozial, forensische Psychiatrie, Klinische Sozialarbeit, Maßnahmenvollzug, protektive Faktoren, Risikoprognostik, Salutogenese

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The basic concern of society and consequently also of legislature, to prevent future criminal and violent acts, is accomplished by a large number of preventive measures, in particular by the indefinite arrest of mentally ill offenders. The desire of society for security and integrity does not necessarily contradict the endeavor to reintegrate and re-socialize mentally ill offenders. A strong prerequisite for this attempt is, however, a reliable risk assessment and individual treatments and interventions for these arrested offenders. In the forensic psychiatric field, there currently seems to be a shift in paradigms. Concerning risk assessment, more attention is paid to an adequate balance of considering risk factors as well as protective factors. The question arises whether a change towards an integrative perspective (i.e. assuming that causes and effects are not reduced to one level or an isolated factor) is a logical step for risk prognosis in enforcement of measures.
This article investigates the importance of protective factors during risk assessments of inmates according to section 21.1 of the Austrian Criminal Code in order to contribute to achieving an equilibrium in the importance of both factors, the risk factors and the protective factors.

Keywords: bio-psycho-social, forensic psychiatry, clinical social work, protective factors, risk analysis, salutogenic model

Schlagworte


bio-psycho-sozial, forensische Psychiatrie, Klinische Sozialarbeit, Maßnahmenvollzug, protektive Faktoren, Risikoprognostik, Salutogenese, bio-psycho-social, forensic psychiatry, clinical social work, protective factors, risk analysis, salutogenic model

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