soziales_kapital

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wissenschaftliches journal österreichischer fachhochschul-studiengänge soziale arbeit
Nr. 18 (2017) / Rubrik "Rezensionen" / Standort Graz
Printversion: http://www.soziales-kapital.at/index.php/sozialeskapital/article/viewFile/540/957.pdf


Klaus Posch:

Unbewusste Zeitgeschichte – „Das höchste was man erreichen kann, ist zu wissen und auszuhalten, dass es so und nicht anders gewesen ist.“ (Hannah Arendt)

Rezensionsessay zum Buch von Karl Fallend (2016): Unbewusste Zeitgeschichte. Psychoanalyse – Nationalsozialismus – Folgen. Wien: Erhard Löcker Verlag.


Bis heute gibt es wenig historische Forschung über das Fürsorgewesen in Österreich in den Jahren 1933 bis 1938 („Austrofaschismus“) und in den Jahren der nationalsozialistischen Diktatur 1938 bis 1945. Über die Wiener Jugendwohlfahrt publizierte Gudrun Wolfgruber (2013) eine ausgezeichnete Monographie. Aber als das Amt für Jugend und Familie Graz 2017 seinen 100. Geburtstag feierte, wurde „100 Jahre Miteinander“ als Grundthema gewählt. Darüber erschien jüngst im SiÖ ein Jubiläumsbeitrag, in dem mit keinem Wort auf den Umgang mit Kindern und Jugendlichen in den Jahren 1938 bis 1945 eingegangen wird (vgl. Argyropoulos 2017). In der Arbeit von Oelschläger, Danzinger und Benzenhöfer (2015) über die Ermordung psychiatrischer Patienten aus der Steiermark in der NS-Zeit werden 19 Minderjährige und deren Schicksal angeführt, die als so genannte „Reichsausschuss-Minderjährige“ in der NS-Zeit im psychiatrischen Krankenhaus „Feldhof“ in Graz ermordet wurden. Das ging nicht ohne Mitwirkung von Fürsorger_Innen und dem Fürsorgesystem der Steiermark. Wie kann man von „100 Jahre Miteinander“ sprechen, ohne auch über die Geschichte der Verbrechen der Fürsorger_Innen und des Fürsorgewesens an Kindern und Jugendlichen zu sprechen? Eine „geschichtslose Sozialarbeit“ bleibt eine „gesichtslose Sozialarbeit“, solange nicht ihre „verborgenen Geschichten“ erzählt werden.

Karl Fallend erzählt in seinem jüngst erschienenen Buch solche „verborgenen Geschichten“, die auch nach Jahrzehnten bis heute wirksam sind. Im Zentrum des Buches stehen Psychoanalyse und Nationalsozialismus, einerseits methodisch als Analyse des Witzes und der Sprache bis hin zur Erfassung von Lebensgeschichten ehemaliger Zwangsarbeiter andrerseits wissenschaftshistorisch mit der Frage, was in Wien zwischen 1938 und 1945 geschah, nachdem Sigmund Freud flüchten musste. Fallends Studien zur unbewussten Zeitgeschichte „erwecken die Gegenwart zum Leben“ (F. Nietzsche).


„Tauchgänge“ und „Persönliche Gefühlserbschaften“

Helmut Dahmer wählte in seiner Einführung zu Karl Fallends Untersuchungen zur unbewussten Zeitgeschichte das Bild der „Tauchgänge“ – eine vieldeutige Metapher für Fallends Forschungsarbeit: „Wir heutigen leben auf dem Schindanger des barbarischen 20. Jahrhunderts.“ (Dahmer zit. nach Fallend 2016: 9) Die dabei erfahrene Grenze der analytischen Reflexion mahnt Fallend heute zu Bescheidenheit. Es geht um Unbewältigtes und Unbewältigbares, z. B. um die „lingua tertii imperii“1 (Fallend 2016: 15) die unbewältigte Sprache des Dritten Reiches. Fallend schreibt in Ich-Form über seine Forschungsprozesse und analysiert die persönliche Wahl des Forschungsgegenstandes – was selten genug geschieht, obwohl oder vielleicht weil es um „persönliche Gefühlserbschaft“ (Freud) geht:

„Mein Name ist Karl Fallend. Ich wusste lange nicht warum, bis ich erst vor kurzem erfuhr, dass noch jemand diesen Namen trug: Karl Fallend, mein Onkel, von dem ich nichts weiß, außer, dass er als 18-Jähriger freiwillig eingerückt (mein Vater war damals 12 Jahre alt) in Russland umkam. Durch mich konnte er ein Stück weiterleben.“ (Fallend 2016: 45)

Das Individuelle und das Gesellschaftliche sind untrennbar miteinander verwoben: Österreich ist ein „unheimliches“ Land. Im Wort „unheimlich“ steckt einerseits „heimlich“ – also verborgen, vertraut – andererseits deutet die Vorsilbe „un-“ das gleichzeitige Gegenteil an. Sigmund Freud brachte eine solche Stimmung folgendermaßen auf den Punkt: „Unheimlich sei alles, was ein Geheimnis betrifft, das im Verborgenen bleiben sollte und hervorgetreten ist.“ (Freud zit. nach Fallend 2016) In Österreich ist der Nationalsozialismus keine verdrängte Geschichte, sie war und ist eine mit großen emotionalen Aufwand unterdrückte Geschichte, ständig latent und kontinuierlich präsent.


„Es ist ja nur ein Witz!“

Was ist ein Witz? Was geht vor, wenn wir Witze anhören, sie weitererzählen und vergessen? 1905 schrieb Freud:

„Wir wissen nicht, worüber wir lachen. (…) Dieses Lachen ist eben das Ergebnis eines automatischen Vorganges, der erst durch die Fernhaltung unserer bewussten Aufmerksamkeit ermöglicht wurde.“ (Freud zit. nach Fallend 2016: 61)

Mit Martin Grotjahn (zit. nach Fallend 2016: 68) gesprochen ist das Anhören von Witzen ein passives Erlebnis und das Weitererzählen von Witzen ist ein Willensakt, der eine strengere Zensur erfordert. Im Augenblick des Lachens beim Anhören eines Witzes erfolgt die Eruption des Verdrängten, durch das anschließende Vergessen des Witzes wird das „Verbrechen“ des Weitererzählens verhindert. Indem wir den Witz vergessen, entgehen wir der Schuld, an einer – wie gut auch immer getarnten – Aggression beteiligt zu sein. Im Witz tritt das Unbewusste in Erscheinung. Auch das eigene Unbewusste ist etwas Fremdes. Über „Fremdartigkeit“ schrieb Otto Fenichel (zit. nach Fallend 2016: 85): „Fremdartigkeit ist die Qualität, welche die Juden und die eigenen Triebe gemeinsam haben.“ Auch der Witz gehört zu den „Königswegen“, Unbewusstes – vor allem unbewusste Aggression – zu erkennen. Der Weg, den Fallend geht, um sich der unbewussten Zeitgeschichte zu nähern, führt über Witze. Damit geraten auch wir als Leser_Innen allerdings „in gleichsam familiäre Nähe zur Unmenschlichkeit.“ Wenn wir das bemerken, bleibt das Lachen „im Hals stecken“.

An einem Beispiel gezeigt:

„Einmal nachgefragt, erfuhr ich, dass dieses liebliche „Bumstinazi“ aus den 30er Jahren in Erinnerung ist, als man auf diese Weise Sprengstoffattentate der illegalen Nationalsozialistinnen leicht verschlüsselt, zustimmend kommentierte. Eine Zustimmung die sich in kindlicher Sprache konserviert und entfremdet erhalten konnte.“ (Fallend 2016: 58)


Anhaltende Vertreibung der Psychoanalyse

Es gab kaum eine andere wissenschaftliche Disziplin, die von den Nationalsozialisten so vollständig und nachhaltig entwurzelt und in ihrer Existenz bedroht war, wie die Psychoanalyse. Nach dem März 1938 verließen circa 100 Psychoanalytiker und Ausbildungskandidaten Wien. Einige wurden ermordet, wenige wie August Aichhorn blieben. Was konnte von der Psychoanalyse, was von der psychoanalytischen Sozialarbeit bleiben?

Hans Füchtner schrieb über psychoanalytische Prozesse in Diktaturen:

„Darüber hinaus wird der Analytiker selber im Verlauf der Analyse für den Analysanden manchmal zum folternden Polizisten und auch umgekehrt. In Phasen negativer Übertragung muss der Analytiker fürchten denunziert zu werden und der Analysand muss sich jemandem anvertrauen, den er nicht wirklich kennt.“ (Füchtner zit. nach Fallend 2016: 113)

Die Politische Realität bleibt nicht äußerlich. Sie ist verinnerlicht, „ragt in die Realität der psychischen Auseinandersetzung hinein, beziehungsweise ist mit dieser verschränkt.“ (ebd.: 125) Wer sprach mit wem worüber? „Es bleiben Rätsel, die nicht mehr zu lösen sein werden.“ (ebd.)

Umso bedeutsamer sind Fallends Recherchearbeiten und ihre Präsentation in Kurzbiographien über Alfred von Auersperg, Gottfriede Aufreiter-Zwickl, Johann Aufreiter, Ferdinand Birnbaum, Hedwig Bolterauer, Lambert Bolterauer, Igor A. Caruso, Paris Constantinides, Viktor Freiherr von Gebsattel, Elfrieda Hon, Friedrich Hon, Polynikis Ikonomu, Heinrich von Kogerer, Ella Lingens (geborene Reiner), Emmy Miklas, Karl von Motesiczky, Alois Nentwich, Karl Nowotny, Barbara Scharmann, Theodor Scharmann, Wilhelm Solms-Rödlheim, Theon Spanudis, Oskar Spiel, Hans Suchner und Norbert Thumb.

Eine Recherche geriet ausführlicher, die über Emmy Miklas, die ab September 1946 in Graz die Erziehungsberatung aufbaute. Fallend und Ulrike Körbitz recherchierten und erzählen Emmy Miklas Leben zwischen Sozialismus, Philosophie, Psychoanalyse und Sozialer Fürsorge. Wer von den in der Steiermark lebenden Sozialarbeiter_Innen wusste vor dieser Publikation etwas über Emmy Miklas?

Was bedeutet Vergessen, was das Schweigen, das nach der Niederlage des Nationalsozialismus bis heute anhält? Vieles, unter anderem auch:

„Die Wahrheit war nicht mehr zu sagen, um den erlittenen Leiden nicht noch mehr Schmerz hinzuzufügen. Durch Selbstschutz sollten auch andere geschützt werden und in der Spannung zwischen traumatischem Bruch und ersehnter Kontinuität scheint auch die Kraft des Schweigens verborgen zu liegen.“ (Brief von Anna Freud an Ruth Eissler, März 1946, zit. nach ebd.: 106)


„Absperrungen“

In den Auseinandersetzungen zwischen Carusos2 Erben um dessen Erzählung über seine Tätigkeit an der „Kinderfachabteilung“ „Am Spiegelgrund“ im Jahre 1942 kamen die Abwehrmechanismen der „Absperrung“ zutage: „Das habe ich eigentlich immer gewusst, nur nicht daran gedacht.“ Indem man das Gewusste nicht denkt, sperrt man es vom Fluss des Lebens ab. Wer auf das Denken verzichtet, kann sich somit auch das Vergessen ersparen. Zwei Fliegen auf einem Schlag: Man kann die Mühsal des Denkens ebenso vermeiden wie den psychischen Aufwand des Vergessens beziehungsweise Verdrängens. Dagegen sind Erinnern, Wiederholen, Durcharbeiten die Aufgaben psychoanalytischen Arbeitens – das schrieb Freud 1914 am Anfang des 1. Weltkriegs. Es gelingt auch heute selten, aber die Zeit heilt keine Wunden.

In Fallends biographischen Forschungen zur Zwangsarbeit zeigt sich, was Günther Anders über die Forschung über die Ermordung von Juden schrieb:

„Sechs Millionen bleiben für uns eine Ziffer, während die Rede von zehn Ermordeten vielleicht doch irgendwie in uns anzuklingen vermag und uns ein einziger Ermordeter mit Grauen erfüllt.“ (Anders zit. nach Fallend 2016: 226)

Für Fallend bedeutete das:

„In der Konfrontation mit Extremtraumatisierungen werden jeglicher Empathie Grenzen gesetzt. Hier lässt sich aus dem Reservoir eigener Erfahrungen nicht mehr schöpfen und alle Kraft ist notwendig für die nicht zu unterschätzende Aufgabe, die ich mir einzig gestellt habe: Zuhören.“ (Fallend 2016: 229)

Für die Interviewpartner unter den VOEST-Arbeitern bedeuteten die Interviews die Infragestellung der Identifikation mit der Institution.

„Der Sinn des Ganzen droht zu schwinden. Das Bedürfnis nach Flucht, Abwehr, Verdrängung ist groß und vielfach verständlich – aber ohne Chance. Ohne Erinnerung gibt es keine Trauer. Es geht dabei um die langsame Ablösung von Verlusten, von verlorenen Beziehungen, sei es von Menschen oder Idealen. Misslingt dieser Prozess, dann ist die unbewusste Weiterwirkung des Verlorenen, der Menschen und Ideale prologiert.“ (ebd.: 234)

Für die ehemaligen Zwangsarbeiter – Fallend führte über dreißig lebensgeschichtliche Gespräche mit ehemaligen Zwangsarbeitern und Zwangsarbeiterinnen der ehemaligen Hermann-Göring-Werke in Linz – bedeuteten die Gespräche große Belastungen und Möglichkeiten, „Abgesperrtes“ zu erzählen: „Linz, das war noch Gold, das war noch Eden.“ Oder: „Ganz unten gab es immer auch ein oben.“ Die Schrecken traumatischer Kinderwelten treten schemenhaft zutage, wenn Sisow Nicolai, Martin Wachtel, Franceso Massina, Oledij Derid, Frau T., Vera Malinovska, Lina Rodgers und Mario Piccioli erzählen und Fallend ihnen zuhört.

Wie lassen sich diese Erzählungen an Dritte vermitteln? Fallend schrieb wissenschaftliche Texte und er schrieb darüber ein Theaterstück, welches am 13. Jänner 2002 am Landestheater Linz uraufgeführt wurde, sein Titel: „An wen soll ich schreiben? An Gott?“ Die Dramaturgin, Brigitte Heusinger, verfasste dazu Gedanken zum Thema Theater und Faschismus: „Theater ist möglicherweise eine kollektive Erinnerungsanstalt.“ (Heusinger zit. nach Fallend 2016: 241)


Wie lässt sich über Geschichte und Geschichten forschen?

Wie lässt sich in diesem Kontext über Geschichte und Geschichten forschen? Fallend greift auf die methodischen Überlegungen des französischen Ethnopsychoanalytikers George Devereux zurück:

„Die Daten der Forschung sind unter drei Gesichtspunkten aufzuschlüsseln: Erstens das Verhalten des Objekts, zweitens die ‚Störungen’, die durch die Existenz und durch die Tätigkeit des Beobachters hervorgerufen werden. Drittens das Verhalten des Beobachters: Seine Ängste, seine Abwehrmanöver, seine Forschungsstrategien, seine Entscheidungen (Das heißt, die Bedeutung die er seinen Beobachtungen zuschreibt).“ (Devereux 1973: 17ff)

Wir wissen schemenhaft, dass uns unsere Forschung bewegt, aber von wo wohin? Ähnlich wie Devereux, der anhand von „Fällen“ seine Konzeption von Forschungsmethodologie entfaltete, macht dies Fallend anhand von „Blitzlichtern“. Dazu einige Beispiele:

Blitzlicht 3:

„Eine Kollegin war bass erstaunt, als ein Interviewpartner eine Kirche als Ort des Gespräches wählte und noch mehr, als er dort mit einer Thermosflasche Kaffee, Brötchen und Kuchen erschien. Er fühlte sich dort zuhause. Die Kirche bot ihm am meisten Schutz und wie die Lebensgeschichte offenbarte, rettete sie dem Geflohenen einst das Leben. Allein die Information ‚Wie wohne ich’ enthält oft sehr wichtige Botschaften, die sich gar als Leitmotiv einer Lebensgeschichte zu erkennen geben können.“ (Fallend 2016: 257)

Blitzlicht 21: Beim Zuhören einer Erzählung eines Zwangsarbeiters über den Verdacht einer Zwangsarbeiterin, dass er ein Kollaborateur sei:

„Es ist möglich, dass sie in uns Kollaborateure sah. Sie konnte sich sicher nicht vorstellen wie es möglich war, dass ein tschechischer Knabe so lebt wie ein deutscher. Aber wir lebten wirklich fast wie Kollaborateure.“ (ebd.: 271)

In der Reflexion der Gegenübertragung zu dieser Erzählung entdeckt Fallend, dass auch er, der „antifaschistische Forscher“, als Kollaborateur erfahren werden kann! (vgl. ebd.)

Blitzlicht 23: eine andere Irritation:

„(…) Trotzdem waren die Grenzen der Erzählung spürbar, indem ihr, der Erzählerin, eine ehemalige Zwangsarbeiterin, bei so intimen Themen wie Liebe, Ehe, Sexualität, Schwangerschaft, Abtreibung, und so weiter, mit mir und meinem Übersetzer zwei Männer gegenübersaßen.“ (ebd.: 271f)

Blitzlicht 33: Mario Piccioli überlebte das KZ Ebensee und das „Lager 3“ der Hermann-Göring-Werke. Bei seiner Befreiung wog er 31 Kilo. Mehrere Male fiel im Gespräch die Formulierung:

„Das können Sie nicht verstehen! Das können Sie nicht verstehen! Und er hatte Recht. Mit welchen Worten sollte er uns Hunger erklären, mit welchen Durst?“ (ebd.: 280)

Ein wichtiger Aspekt im Forschungsprozess ist die Transkription der Interviews:

„Die Transkription ist nicht nur eine akustische Erinnerung eines Interviews, sondern auch das wieder-erleben, einer kurzen intimen Zweier-Beziehung, deren Intensität oft nicht bewusst ist. Durch äußere Umstände kann eine solche Intensität durch das festgehaltene, am Leben erhaltene Wort eine enorme Steigerung erfahren. (…) Im qualitativen Forschungsprozess, im ständigen Wechsel der verschiedenen Ebenen des Verstehens ist dem Dilemma der Vagheit schwer zu entkommen.“ (ebd.: 273)


Lektüre – Gedanken

Aus Karl Fallends Forschungen zur unbewussten Zeitgeschichte des Nationalsozialismus entstand eine „kollektive Bibliothek“ (Bayard 2007), in diesem Fall eine „abgesperrte Bibliothek“. Im letzten Abschnitt des Buches durchbricht Fallend Absperrungen und spricht über Bücher aus dieser Bibliothek:

  • Grete Weil: Leb ich denn, wenn andere Leben (1998);
  • Grete Weil: Erlebnis einer Reise. Drei Begegnungen (1999);
  • Faye Schulmann: Die Schreie meines Volkes in mir. Wie ich als jüdische Partisanin den Holocaust überlebte (1998);
  • Bernd Kuschey: Die Ausnahme des Überlebens. Ernst und Hilde Federn. Eine biographische Studie und eine Analyse der Binnenstruktur des Konzentrationslagers (2003);
  • Ella Lingens: Gefangene der Angst. Ein Leben im Zeichen des Widerstandes (2003);
  • Johann Gross: Spiegelgrund. Leben in NS Erziehungsanstalten (2000).


Resümee

Karl Fallends Buch über „Unbewusste Zeitgeschichte“ soll ein Anstoß für die systematische Erforschung der unbewussten Zeitgeschichte von Fürsorge und Sozialarbeit in Österreich werden:

„Unter bestimmten Umständen, besonders wenn der Historiker dem Grauenhaften, der Grenzgestalt der Geschichte der Opfer, gegenübersteht, schlägt das Schuldverhältnis in die Pflicht des Nichtvergessens um.“ (Ricoeur 1990: 202)

Primo Levi erzählte in seinem Buch „So war Ausschwitz. Zeugnisse 1945-1986“ von einem immer wiederkehrenden Angsttraum in Ausschwitz: Er kommt nach Hause, erzählt vom Lager, aber niemand hört ihm zu.



Klaus Posch / klaus.posch@fh-joanneum.at

Verweise
1 Ein Begriff, der von Victor Klemperer eingeführt wurde: „Sprache des Dritten Reiches“.
2 Igor A. Caruso, 1914-1981


Literatur

Argyropoulos, Vasiliki (2017): 100 Jahre Miteinander. Das Amt für Jugend und Familie Graz feiert den 100. Geburtstag und bleibt forever young. In: Sozialarbeit in Österreich – SiÖ, 1/2017, S. 42.

Bayard, Pierre (2007): Wie man über Bücher spricht, die man nicht gelesen hat. München: Kunstmann.

Devereux, George (1973): Angst und Methode in den Verhaltenswissenschaften. Frankfurt am Main: Ullstein.

Fallend, Karl (2016): Unbewusste Zeitgeschichte. Psychoanalyse – Nationalsozialismus – Folgen. Wien: Erhard Löcker Verlag.

Oelschläger, Thomas / Danzinger, Rainer / Benzenhöfer, Udo (2015): Die Ermordung psychiatrischer Patienten aus der Steiermark in der NS-Zeit. Linz: pro mente edition.

Ricoeur, Paul (1990): Das Selbst als ein Anderer. München: Fink.

Wolfgruber Gudrun (2013): Von der Fürsorge zur Sozialarbeit. Wiener Jugendwohlfahrt im 20. Jahrhundert. Schriftenreihe zur Geschichte der Sozialarbeit und Sozialarbeitsforschung, Band 5. Wien, Löcker.





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