soziales_kapital  
Ernest Aigner, Hanna Lichtenberger, Judith Ranfler, Sonja Schmeißl „Es ist wie in einer Sauna“ Die  
Betroffenheit armutsbetroffener Kinder und ihrer Familien durch die Klimakrise und sozialpolitische  
Antworten. soziales_kapital, Bd. 27 (2023). Rubrik: Sozialarbeitswissenschaf.  ien. Printversion:  
27. Ausgabe 2023  
Akademisierung Sozialer Arbeit  
„Es ist wie in einer Sauna“  
Die Betroffenheit armutsbetroffener Kinder und  
ihrer Familien durch die Klimakrise und  
sozialpolitische Antworten  
Ernest Aigner, Hanna Lichtenberger, Judith Ranftler & Sonja Schmeißl  
Zusammenfassung  
Die spezifischen Belastungen armutsbetroffener Kinder durch die Klimakrise in Ländern mit  
hohem Durchschnittseinkommen sind bisher kaum Thema der Forschung gewesen. Im Folgenden  
werden diese durch die Zusammenführung von zwei explorativen Befragungen mit Fokus auf  
die Dimensionen Gesundheit, Materielles und Teilhabe untersucht. Es zeigt sich, dass in allen  
drei Bereichen durch die Klimakrise bestehende Ungleichheiten vertieft werden bzw. neue  
Herausforderungen entstehen. Dargestellt werden die unterschiedlichen Strategien der Familien,  
um ihre Kinder vor Hitze zu schützen, die jedoch abhängig von den strukturellen und individuellen  
Handlungsspielräumen sind. Deutlich wird, dass Betroffene neben technischen Hilfsmitteln bzw.  
Strategien in der Wohnung auch kompensatorische Netzwerke und die vorhandene öffentliche  
Infrastruktur zum Schutz vor Hitze nutzen. Zugleich finden sich gerade in diesen Bereichen auch  
Bedarfe.HierauswerdensozialpolitischeAbleitungengetroffen,diestrukturellgegendiespezifischen  
Belastungen armutsbetroffener Kinder und Jugendlicher wirken können. Abschließend wird nach  
den Möglichkeiten und Aufgaben des politischen Mandats der Sozialen Arbeit hinsichtlich der  
sozialökologischen Transformation von Gesellschaft gefragt.  
Schlagworte: Klimakrise, Sozialpolitik, Kinderarmut, Infrastruktur, Klimawandelanpassung, Teil-  
habe, Green Social Work  
Abstract  
Poverty-stricken children and their challenges resulting from the effects of the climate crisis in  
high-income countries have not yet received sufficient attention in research. Our contribution draws  
on two exploratory surveys (quantitative and qualitative) with special focus on health, material  
conditions, and participation. The findings illustrate several burdens faced by families in all three  
categories, underscoring that the climate crisis exacerbates pre-existing inequalities or creates  
new challenges. Families use various strategies to protect their children from heat, relying on the  
available individual and structural options. Such strategies include technical devices and home  
strategies, as well as compensatory networks and public infrastructure. However, there are specific  
requirements that need to be addressed in these areas. Consequently, we present social policy  
conclusions to mitigate the specific hardships experienced by children and adolescents affected  
by poverty. Finally, the paper explores the political mandate of social work with regard to the socio-  
ecological transformation of society.  
Keywords: Climate Crisis, Social Policy, Child poverty, Social Infrastructure, Climate Change  
Adaptation, Green Social Work  
1
Einleitung  
DieweltweitenAuswirkungenderKlimakrisesindauchinÖsterreichlängstspürbar.DieBedingungen,  
unter denen kommende Generationen auf diesem Planeten leben, hängen von entschlossenen  
Maßnahmen gegen die Erderhitzung ab, die bisher jedoch auf sich warten lassen. Die Kinder von  
heute werden länger mit den Folgen der Klimakrise und einer enormen Zunahme an Hitzeperioden  
leben (vgl. IPCC 2023). Die negativen Folgen treffen aber nicht alle gleich: Jene, die am meisten  
CO2 emittieren, sind weniger stark von den Auswirkungen betroffen bzw. verfügen über die meisten  
Möglichkeiten, sich vor den zunehmend gefährlichen Umweltbedingungen zu schützen – das  
gilt sowohl für das Gefälle zwischen globalem Norden und globalem Süden als auch zwischen  
Einkommensgruppen innerhalb von Regionen und Ländern (vgl. Armutskonferenz/Attac/Beigewum  
2021).  
ArmutisteinerderRisikofaktorenfüreinestärkereBetroffenheitvondenFolgenderKlimakrise.  
In Österreich waren 2022 mehr als 1,3 Millionen Menschen von Armut gefährdet, unter ihnen rund  
316.000 Kinder (vgl. Statistik Austria 2023; vgl. zur Definition der Armutsgefährdungsschwelle Till/  
Till-Tentschert 2014). Besonders stark armutsgefährdet sind im österreichischen Wohlfahrtsregime,  
das auf den Säulen Lohnarbeit und Familie aufbaut (vgl. Talós 2006), Menschen, deren Einkommen  
zum größeren Teil aus Transferleistungen besteht, Ein-Eltern-Haushalte, alleinlebende Menschen,  
Menschen, die eine Drittstaaten-Staatsbürger:innenschaft besitzen und Haushalte, in denen  
Menschen mit Behinderung leben (vgl. Statistik Austria 2023). Ein Aufwachsen in Armut bedeutet  
viele Benachteiligungen und Hürden in allen Bereichen, die insbesondere die Kinder ein Leben lang  
begleiten (vgl. Laubstein/Sthamer/Volf 2019).  
Wie sich Kinderarmut vor dem Hintergrund der Klimakrise darstellt, ist Gegenstand dieses  
Textes.MittelsBefundenausdemKontextderSozialenArbeitwerdenspezifischeHerausforderungen  
armutsbetroffener Kinder und ihrer Familien in der Klimakrise herausgearbeitet und wird nach  
sozialpolitischen Antworten darauf gesucht. Wir gehen davon aus, dass sich Belastungen und  
(eingeschränkte)HandlungsspielräumewechselseitigverstärkenundaufdieBedarfederBetroffenen  
wirken (siehe Abbildung 1). Die Soziale Arbeit ist selbst mit klimainduzierten Herausforderungen  
konfrontiert: zunehmende Gesundheitsfolgen, besonders für vulnerable Gruppen, die mangelnde  
Vorbereitung auf Katastrophen in Einrichtungen der Sozialen Arbeit, zunehmend erschwerte  
Arbeitsbedingungen durch neue Krankheitsbilder, veränderte Wirksamkeit von Medikamenten,  
Hitze und damit einhergehende Anstrengungen und die Bedrohung durch langsame, oft nicht  
wahrgenommene Katastrophen (z.B. Hitze, Krankheiten). Angesichts der Verletzung grundlegender  
Menschenrechte durch die Folgen der Klimakrise ist deren Thematisierung in der Sozialen Arbeit  
heute unumgänglich (vgl. Dörfler 2022; Dominelli 2012). Zusätzlich erhält die Frage eines aktiv  
verstandenen, klimasozialen politischen Mandats der Sozialen Arbeit Relevanz.  
Abb. 1: Belastungen, Handlungsstrategien und Bedarfe armutsbetroffener Familien  
bei Hitzewellen (eigene Darstellung).  
Für die Analyse von Belastungen, Strategien und Bedarfen diskutieren wir die Ergebnisse der  
folgenden drei Studien vor dem Hintergrund aktueller Literatur im Themenkomplex Klimakrise und  
armutsbetroffene Kinder:  
Studie 1: Eine fragebogengeleitete Befragung von 99 armutsbetroffenen Haushalten  
mit 190 Kindern zwischen null und zehn Jahren durch Sozialarbeiter:innen mit  
Blick auf Belastungen, Strategien und Bedarfe im Kontext von Hitzewellen. Die  
Befragung wurde mit deskriptiven Methoden ausgewertet und mithilfe von  
meteorologischen Daten validiert. Die hier diskutierten Ergebnisse wurden bereits in  
Aigner, Lichtenberger, Brugger & Schmidt (2023) veröffentlicht.  
Studie 2: Eine qualitative Befragung von 359 armutsbetroffenen Eltern zur Hitze-  
belastung. Die Einstiegsfrage zur Narration: „Ist Ihre Wohnung im Sommer so  
heiß, dass Sie sich nicht oder ungern darin aufhalten?“ Die Erzählungen wurden  
methodisch entlang der fokussierten Inhaltsanalyse ausgewertet (vgl. Kuckartz  
Rädiker 2020). Abgesehen von bereits veröffentlichten Ergebnissen einer kleineren  
Stichprobe (vgl. Lichtenberger/Ranftler 2022a) werden im Folgenden erstmals die  
Ergebnisse dieser Studie präsentiert.  
Studie 3: Zusätzlich greifen wir auf bisher unveröffentlichte Ergebnisse einer  
quantitativen Befragung von 564 Fachkräften der Sozialen Arbeit zurück, die von der  
Volkshilfe Österreich 2022 durchgeführt wurde.  
Im Folgenden werden die Ergebnisse zuerst mit Blick auf materielle, gesundheitliche und soziale  
Belastungen, Strategien sowie Bedarfe besprochen. Anschließend werden sozialpolitische  
Ableitungen dargelegt, um in einem letzten Schritt Anforderungen an ein sozial-ökologisches  
politisches Mandat der Sozialen Arbeit zu reflektieren.  
2
Belastungen durch die Klimakrise  
2.1 Gesundheitliche Dimension  
2.1.1 Aktuelle Literatur  
IndergesundheitlichenDimensionzeigensichzahlreicheUngleichheiten,mitdenenarmutsbetroffene  
Kinder und Jugendliche konfrontiert sein können. Die Datenerhebung der Studie zur Gesundheit  
von Kindern und Jugendlichen in Deutschland (vgl. KiGGS Welle 2), die vom deutschen Robert-  
Koch-Institut in den Jahren 2014 bis 2017 durchgeführt wurde, zeigt einen deutlichen Einfluss  
des sozioökonomischen Status (SES) der Eltern auf den allgemeinen Gesundheitszustand (vgl.  
Lampert/Hoebel/Kuntz/Müters/Kroll 2018), die Ernährung (vgl. WHO 2020; Lichtenberger/Ranftler  
2022b), die Zahn-/Mundgesundheit (vgl. Krause/Kuntz/Schenk/Knopf 2018) oder etwa auch die  
Möglichkeiten von Sport und Bewegung (vgl. Kuntz et al. 2018). Auch im Bereich der physischen  
Gesundheit zeigten sich in KIGGS Welle 2 bei Mädchen deutliche sozioökonomische Unterschiede  
(vgl. Fendt/Hölling/Lampert/Waldhauer 2023).  
Aus der Intersektion Alter und Armut im Kontext der Klimakrise resultieren zahlreiche Risiken  
für eine verstärkte gesundheitliche Belastung armutsbetroffener Kinder und Jugendlicher. So wird  
ein Anstieg der hitzebedingten Krankenhauseinweisungen von Kindern während Hitzewellen  
beobachtet (vgl. Brugger/Schmidt/Delcour 2022). Insbesondere Kleinkinder unter fünf Jahren gelten  
als gefährdete Gruppe, was unter anderem am höheren Risiko der Austrocknung und der noch  
nicht ausgereiften Fähigkeit zur Temperaturregulierung des kindlichen Körpers liegt sowie an der  
höheren Belastung durch Luftverschmutzung aufgrund der weniger entwickelten Atemwege. Auch  
Fieber oder Durchfall treten bei Kindern während Hitzewellen häufiger auf (vgl. BMSGPK 2021: 42;  
Böse-O’Reilly/O’Reilly/Roeßler 2023). Bereits vor der Geburt, d.h. in der Schwangerschaft, kann  
Hitze zu Komplikationen führen (vgl. Lorenz et al. 2023). Seebauer et al. betonen in ihrer Studie im  
Auftrag des Sozialministeriums (vgl. BMSGPK 2021: 21), dass Kinder mit Atemwegserkrankungen  
durch Hitzewellen besonders gefährdet sind, da die Pollenbelastung durch die Hitze und stärkere  
Gewitter steigt (vgl. auch Luschkova/Traidl-Hoffmann/Ludwig 2022). Hier kann ein Bezug zu sozialen  
Ungleichheiten hergestellt werden, denn hinsichtlich der Prävalenz von Asthma wurde bereits ein  
Einfluss des sozioökonomischen Status der Eltern festgestellt (vgl. Thamm/Roethko-Müller/Hüther/  
Thamm 2018: 6).  
Hitze in den Wohnungen führt also bei Kindern zu physischen und psychischen Belastungen,  
etwa hinsichtlich der Schlafqualität, des Wohlbefindens, der Bewegungsintensität. Auch hier fallen  
negative gesundheitliche Effekte durch ein Aufwachsen in Armut und die verstärkte Betroffenheit  
während Hitzeperioden zusammen. Diese ist laut der HBSC-Studie bei Schüler:innen aus der  
niedrigsten Wohlstandsgruppe deutlich stärker (vgl. Felder-Puig/Teutsch/Winkler 2023a; 2023b). Die  
Schlafschwierigkeiten werden von den Familien auch explizit erwähnt: „Tagsüber wars schon sehr  
heiß und nachts auch – so heiß, dass die Kinder kaum schlafen konnten tageweise“ (IV/2208/10).  
2.1.2 Gesundheitliche Belastungen aus Sicht aktueller Studien  
Studie 1 und Studie 2 zeigen, dass Gesundheitsfolgen für armutsbetroffene Kinder bereits  
beobachtet werden können. Neben einer eigenen sehr starken oder starken Belastung durch Hitze,  
beobachten Eltern in Studie 1 auch konkrete gesundheitliche Veränderungen in Hitzephasen bei  
ihren Kindern:  
mehr Durst (85%)  
schlechteres Schlafen (67%)  
Unruhe, Unwohlsein und vermehrtes Weinen (62%)  
geringere Motivation, sich zu bewegen (54%)  
aggressives Verhalten (51%)  
über 40 Prozent beschreiben Übelkeit, Ausschlag, Kopfschmerzen und Schwindel  
(45%) oder einen Rückzug der Kinder (43%)  
Ein Abgleich der Daten mit tatsächlich beobachteter Hitze an den jeweiligen Orten zeigt einen  
signifikanten Zusammenhang mit der Nennung dieser Hitzefolgen und der 2022 beobachteten  
Anzahl von Hitzetagen am jeweiligen Wohnort – was die Einschätzung der Eltern validiert.  
Auch in der qualitativen Studie 2 sind gesundheitliche Belastungen Thema: „Unsere  
Wohnung ist sehr, sehr heiß. Wir haben einen kleinen Ventilator, der verteilt nur die heiße Luft. Alles  
andere wäre zu teuer. Eines der Kinder hatte bereits einen Hitzeschlag.“ (IV/1107/1a) Aber nicht nur  
für die Kinder, auch für die Eltern führt Hitze zu Herausforderungen. Eine Mutter erzählt: „Ich leide  
an Migräne, die durch die Hitze verstärkt wird.“ (IV/2107/3)  
Um die gesundheitlichen Belastungen zu mindern, werden in den Familien Strategien in der  
materiellen als auch der sozialen Dimension angewandt und Bedarfe in diesen beiden Bereichen  
artikuliert, wie im Folgenden vorgestellt wird.  
2.2 Materielle Dimension  
2.2.1 Aktuelle Literatur  
Neben der Ernährung und der Bekleidung zeigt sich in der materiellen Dimension, dass auch die  
Wohnverhältnisse armutsbetroffener Kinder häufiger prekär sind. 2022 lebten 254.000 Kinder  
und Jugendliche bis 17 Jahre – das heißt jedes dritte armutsgefährdete Kind – in überbelegten  
Wohnungen, 175.000 Kinder und Jugendliche in feuchten Wohnungen, 263.000 in lauten  
Wohnverhältnissen (vgl. Statistik Austria 2023). In Folge fehlt es an geeigneten Plätzen, um die  
Hausübungen zu erledigen, und Orten des Rückzugs. Zusätzlich wird für das Wohnen in dieser  
Gruppe anteilig mehr ausgegeben.  
Untersuchungenzeigendeutlich,dassgeradeimBereichderWohnbedingungenhinsichtlich  
der Gebäudequalität, Wohngegend, Lärmbelastung, verfügbaren Freiflächen und der Lage der  
Wohnung –Verschränkungen zwischen Armut und Hitzebelastungen vorliegen (vgl. Seebauer/  
Friesenecker/Eisfeld 2019). Dabei fehlen den Familien die rechtlichen und/oder die finanziellen  
Möglichkeiten, sich vor der Hitze durch bauliche Veränderungen oder Anschaffungen im Wohnraum  
zu schützen (vgl. BMSGPK 2021). Die Haushalte mit geringen finanziellen Ressourcen können die  
baulichen Schutzmaßnahmen oder Instandsetzungen von Schäden nach Unwetterereignissen nicht  
finanzieren (vgl. Cutter/Boruff/Shirley 2003; BMSGPK 2021: 3; APCC 2018: 285). Kann aufgrund  
der Hitze in den Wohnungen nicht mehr der ganze (kleine) Wohnraum genutzt werden, fehlt es an  
Spiel- bzw. Rückzugsmöglichkeiten, die für Kinder eine wichtige Rolle spielen und die auch bei der  
Bewertung der Wohnqualität von Kindern und Jugendlichen in der Literatur als relevant erachtet  
werden (vgl. Butterwegge 2017: 13).  
2.2.2 Belastungen aus Sicht aktueller Studien  
Die Studien zeigen, dass Hitze im Wohnraum stark belastend wahrgenommen wird. So halten  
sich insgesamt ca. 45% der Respondent:innen der Studie 1 bei Hitze nur ungern in der Wohnung  
auf (30% ungern und 15% eher ungern). Auf die gleichlautende Eingangsfrage der qualitativen  
Befragung in Studie 2 antworten 98 Befragte mit „Nein“, 50 mit „Eher nein“, also 148 der 359  
Familien (41,23%). 136 Familien antworten mit Ja (37,88%) und 66 mit „Eher ja“ (18,38%), das sind  
zusammen 56,27%. Die anderen Befragten wollten/konnten keine Angaben machen.  
Es gibt zahlreiche unterschiedliche Belastungsfaktoren. In 53 von 71 relevanten Fragmenten  
der qualitativen Studie 2 werden diverse Wohnprobleme thematisiert:  
Dachgeschosswohnungen oder höhere Etagen, die sich stark aufheizen, oder  
die südseitige Ausrichtung der Wohnungen  
bauliche Probleme: fehlende Isolierung und undichte Fenster, die im Sommer dazu  
führen, dass sich die Wohnung aufheizt, und im Winter die Kälte eindringen  
lassen: „Wir wohnen im Altbau, der nicht isoliert ist. Es wird sehr warm, im  
Winter ist es kalt.“ (IV/1710/5)  
Überbelag als belastender Faktor während Hitzeperioden: „Wir haben keinen  
auf den wir ausweichen können. Wenn ich koche, heizt sich die Wohnküche noch  
mehr auf. Die Wohnung ist eigentlich zu klein und zu eng und dadurch auch zu  
heiß, aber wir können uns gerade nichts Größeres leisten.“ (IV/2007/1)  
fehlende, nicht leistbare oder defekte Abkühlungsmöglichkeiten wie Klimaanlagen  
oder Ventilatoren  
hohe Wohnkosten, die dazu führen, dass ein Umzug keine Handlungsoption ist  
Kühle Wohnräume (z.B. im ersten Stock oder im Erdgeschoss) als auch persönliche Präferenzen – „I  
love summer. I don’t love winter.“ (IV/3009/2) – werden als mindernde Faktoren bei Hitzebelastung  
beschrieben. Auch die Wohnumgebung ist Thema: Einige Familien berichten, dass sie vor allem  
nachts oder in den frühen Morgenstunden lüften, dann aber z.B. mit Luftverschmutzung oder  
Lärm kämpfen: „In der Wohnung ist es sehr heiß. Wir wohnen am Gürtel, weshalb es beim Lüften  
außerdem sehr laut wird.“ (IV/1309/1)  
2.2.3 Strategien und Bedarfe  
Um sich insbesondere im Bereich Wohnen vor der Hitze zu schützen, setzen die Familien eine Reihe  
von Maßnahmen:  
Lüften: 9 von 10 befragten Familien (91%) in der Studie 1 geben an, die Wohnung zu  
lüften, um weniger stark durch Hitze belastet zu sein.  
Abdunkeln: 7 von 10 Befragten dunkeln ihre Wohnungen ab, um das Aufheizen des  
Wohnraums zu mildern, weniger als einem Fünftel (19%) stehen Außenrollos zur  
Verfügung, deutlich mehr Familien haben Innenjalousien (71%) (vgl. Aigner et al.  
2023).  
Umbau: In den qualitativen Interviews berichtet z.B. ein Vater über seinen Versuch,  
die Hitze mit einer „Standwand vom Flohmarkt, die die Hitze ein bisschen abhält“  
aus der Wohnung zu halten, „aber es bringt nicht sehr viel“ (IV/2607/1).  
Hilfsgeräte: Ventilatoren werden von vielen Familien als Entlastung erlebt, von  
anderen weniger: „Wir haben einen Ventilator. Aber der bläst nur die warme Luft  
herum.“ (IV/3009/5)  
Anschaffungskosten&rechtlicheBarrieren:HinsichtlichKlimagerätwirdsowohldie  
Anschaffung als auch der Betrieb von Familien als nicht finanzierbar beschrieben:  
„Eine Klimaanlage wäre sowieso nicht leistbar. Da ist es wichtiger, Lebensmittel und  
Kleidung zu sichern.“ (IV/1509/3)  
Hinsichtlich der Veränderungen im Bereich Materielles zeigen sich verschiedene Bedarfe der  
Familien:  
Im Bereich des Wohnens braucht es neben leistbarem Wohnraum eine Verbesserung  
der Bausubstanz, die Möglichkeit zur Verdunkelung, die Erneuerung der Fenster und  
Ähnliches. Aber auch die (Nicht-)Verfügbarkeit von kühlen (Miet-)Wohnungen wird  
häufig genannt, wie dieses Beispiel zeigt: „Ich suche nun eine Wohnung, die im  
Sommer nicht so heiß wird, das ist sehr ausschlaggebend bei der nächsten  
Wohnungssuche.“ (IV/3009/1) Auch wird explizit der Wunsch nach einer Wohnung  
im öffentlichen Wohnbau angesprochen: „Wir bitten die Stadt Graz um eine  
Gemeindewohnung.“ (IV/0408/1) Auch Wohnungen mit Freiflächen werden von den  
Familien genannt: „Ich hätte gerne einen Balkon, um auch ein Kinderplanschbecken  
aufstellen zu können.“ (IV/0707/1)  
Klimafreundliche Kühlmethoden, wie etwa Außenrollos oder Kältepumpen, sind für  
die Familien nicht leistbar. So geben 30% der Familien bei der Studie 1 an, dem  
Bedarf nach Außenrollos (30%) aus finanziellen Gründen nicht nachzukommen.  
Hinsichtlich größerer Veränderungen und Investitionen kommt dazu, dass  
armutsbetroffene Familien meist in Mietverhältnissen sind und somit auch nicht die  
rechtlichen Möglichkeiten dafür hätten.  
2.3 Soziale Dimension  
2.3.1 Aktuelle Literatur  
Mit Blick auf die soziale Dimension von Kinderarmut wird in der Literatur häufig auf die stärkere  
Isolation sowie Mobbing- und Gewalterfahrungen verwiesen (vgl. Holz/Laubstein/Seddig 2016).  
Die vergleichsweise eher mittleren bis kleinen Freundschaftsnetzwerke können zu geringerem  
Selbstbewusstsein führen (vgl. Butterwegge/Holm/Imholz/Klundt/Michels 2003) und hängen  
mitunter an der Reziprozität von Einladungen. 103.000 Kinder und Jugendliche (7%) konnten sich  
2022 die Teilnahme an mit Kosten verbundenen Freizeitaktivitäten nicht leisten (vgl. Statistik Austria  
2023: 106). Bei der Befragung der Studie 3 geben 81,73% der Sozialarbeitenden an, dass sich eine  
mangelnde soziale Teilhabe bereits in der frühen Kindheit (unter sechs Jahre) bemerkbar macht. Auf  
die Frage, in welchen Bereichen der sozialen Teilhabe armutsbetroffener Kinder und Jugendlicher  
die größten Einschränkungen wahrgenommen werden, sagen bei Mehrfachauswahl 72,1% der  
Befragten, dass insbesondere die mit Kosten verbundenen Freizeitaktivitäten relevant sind. 51,0%  
geben an, dass armutsbetroffene Kinder weniger Entscheidungsfreiheit in der Freizeit haben, dass  
sie also besonders auf öffentliche Infrastruktur und Angebote angewiesen sind.  
Hitze hat auch einen wesentlichen Einfluss auf die Nutzung unterschiedlicher Räume und in  
Folge auch unterschiedlicher sozialer Räume – etwa Hitzeinseln wie z.B. Betonwüsten ohne Schatten  
(vgl. APCC 2018), die gemieden werden, oder Freibäder, die im Sommer stark frequentiert werden.  
Forschung dazu, wie sich die soziale Teilhabe armutsbetroffener Kinder während Hitzeperioden  
verändert, ist den Autor:innen nicht bekannt.  
2.3.2 Belastungen aus Sicht aktueller Studien  
Die Studien zeigen, dass Hitze von armutsbetroffenen Familien und insbesondere den Kindern  
als Belastung auch außerhalb der Wohnung wahrgenommen wird, weshalb sie bestimmte soziale  
Räume meiden. 36% der Kinder der befragten Eltern klagen über Hitze im öffentlichen Raum, wie  
etwa auf dem Spielplatz oder im Park (36%), auf der Straße oder während der Erledigungen mit  
Eltern (24%). Mehr als die Hälfte der befragten Familien sucht öffentliche Orte wie beispielsweise  
Einkaufszentren auf (56%), um sich vor Hitze zu schützen. 45% der Haushalte sagen, dass sie mit  
Kosten verbundene Freizeitaktivitäten wie etwa den Besuch eines Schwimmbades oder auch einen  
Ausflug zu einem See gerne machen würden, das aber zum Zeitpunkt der Befragung nicht leistbar  
ist. Zugleich geben 16% der Befragten an, aufgrund von Hitze die Wohnung nicht zu verlassen,  
weitere 4% geben an, aus diesem Grund teilweise auf soziale Kontakte zu verzichten. Ein ähnlich  
geringer Anteil (5%) gibt an, aufgrund von Hitze andere Personen besucht zu haben.  
Für die Kinder fällt die Hitzeperiode häufig mit den Sommerferien zusammen, in denen keine  
oderdeutlichwenigerreguläreaußerhäuslicheBetreuungstattfindet.DerBesuchdesSchwimmbads,  
aber auch Urlaube oder die Teilnahme an einem Sommercamp sind Formen sozialer Teilhabe, die  
kostenintensiv sind. In Zeiten der Klimakrise werden sie besonders wichtig, wenn im öffentlichen  
Raum zu wenig Trinkwasser, Schatten, Wasserspiele und Möglichkeiten der körperlichen Abkühlung  
vorhanden sind. Ein:e Sozialarbeitende:r der Studie 3 erzählt hinsichtlich der Folgen fehlender  
sozialer Teilhabe: „Urlaube sind finanziell kaum möglich – Kinder werden noch immer in der Schule  
vor allen anderen gefragt, was sie in den Ferien/am Wochenende unternommen haben...Druck und  
Scham wird erzeugt, wenn nichts spannendes zu erzählen da ist.“ (A2/87) Armutsbetroffene Kinder  
sind von der wohnortnahen, leistbaren und kindgerechten sozialen Infrastruktur abhängig, wenn es  
darum geht, sich von der Hitze im Wohnraum zu erholen.  
2.3.3 Strategien und Bedarfe hinsichtlich sozialer Teilhabe  
Um sich vor der Hitze zu schützen, weichen Familien in den öffentlichen Raum aus. Genannt werden  
insbesondere folgende Orte:  
Parks & Spielplätze: Die Flucht aus der heißen Wohnung führt viele Familien  
in nahegelegene Parks und auf Spielplätze: „Ich gehe mit den Kindern oft raus,  
spazieren im Schatten oder in Parks mit Bäumen zum Spielen“ (IV/1710/2). Besonders  
SpielplätzemitWasserspielmöglichkeitenwerdenvonFamilien, diedieseInfrastruktur  
in der Nähe haben, gerne genutzt.  
Schwimmbäder: Schwimmbad-Besuche sind für einige Familien ebenfalls eine  
willkommene Abkühlung: „Im Sommer gehen wir gerne ins Schwimmbad oder in den  
Park. In der Wohnung kann man nicht bleiben.“ (IV/3009/5) Hinsichtlich der Bedarfe  
im Bereich der öffentlichen Infrastruktur zur Umsetzung von sozialer Teilhabe haben  
die Studien 1 und 2 folgende Ergebnisse gebracht:  
Drei von vier Haushalten benötigen Abkühlplätze mit Wasser. Etwa ein Drittel  
der Befragten führt Bedarf nach leistbaren (66%) oder kostenlosen (63%) Schwimm-  
bzw. Bademöglichkeiten oder Wasserspielplätzen (62%) an.  
Auch ein Bedarf an gekühlten Innenräumen wie Einkaufszentren, Geschäften  
(30%) oder auch Cafés (14%) wird in Studie 1 angemerkt, ebenso ein Bedarf an  
konsumfreien geschlossenen Räumen wie Büchereien, Gemeindezentren oder  
Vereinsräumlichkeiten (unter 10%) (vgl. Aigner et al. 2023).  
Wünsche für soziale Infrastruktur werden nur selten erwähnt, leiten sich aber  
indirekt aus der Verneinung von Leistbarkeit ab: „Ich kann in der Freizeit nicht viel  
rausgehen. IchkannnuraufdenSpielplatzgehen, daichmirandereFreizeitaktivitäten  
nicht leisten kann.“ (IV/1307/4) Interessant war hier auch eine Beobachtung, die eine  
Familie teilte: „Im [Name des Bezirks; Streichung H.L.] gibt es einen Wasserpark, in  
dem sich die Kinder manchmal abkühlen. Früher hatte er bis 19 Uhr geöffnet, jetzt  
nur noch bis 17 Uhr. Ich glaube, dass die Stadt Wien sparen möchte.“ (IV/1807/9)  
Hier wird explizit die städtische Infrastruktur angesprochen, die von den Kindern zur  
Abkühlung genutzt wird.  
Eintritt: Für viele Familien sind (regelmäßige) Besuche in Schwimmbädern, die  
nicht frei zugänglich sind, finanziell nicht möglich, wie das Zitat einer Mutter zeigt:  
Tagsüber kühlt sich meine Tochter manchmal bei einer Wasserstelle am Spielplatz  
ab. Besuche im Schwimmbad können wir uns derzeit nicht leisten.“ (IV/1107/4)  
3
Sozialpolitische Ableitungen  
Sozialpolitisch ergeben sich aus den Belastungen und Strategien folgende Ableitungen: Vor dem  
Hintergrund der dargestellten spezifischen Belastungen aufgrund von Einkommensarmut muss die  
Überwindung von Familienarmut vor der verbesserten finanziellen Absicherung sozialpolitische  
Priorität haben, um die Familien in der Klimakrise zu stärken bzw. damit diese weniger vulnerabel  
für die Effekte der Klimakrise sind.  
Auch die Dringlichkeit wohnpolitischer Maßnahmen ist zu unterstreichen – hinsichtlich der  
Verfügbarkeit von öffentlichem, leistbarem und klimafittem Wohnraum sowie der Umsetzung von  
Maßnahmen zur thermischen Sanierung, die nicht den Mieter:innen zur Last gelegt werden. Dass  
zahlreiche Fragmente zu hohe Mieten und Wohnprobleme thematisieren, kann mit Blick auf die  
Entwicklungen des Wohnungsmarktes insgesamt mit Butterwegge (2020) kontextualisiert werden:  
„Um die Jahrtausendwende haben viele Großstädte ihren Kommunalen  
Wohnungsbestand, dem neoliberalen Zeitgeist gehorchend, zu Spottpreisen an  
private Investoren verkauft, die damit hohe Profite erzielen, und sich auf diese  
Weise selbst der Möglichkeit beraubt, eine zielgerichtete Stadtentwicklungspolitik  
zu machen und die Wohnungsversorgung einkommensschwacher Bevölkerungs-  
gruppen zu sichern.“ (Butterwegge 2020: 281)  
Die lokale Infrastruktur beeinflusst auch die Gesundheit armutsbetroffener Kinder. Relevant  
sind etwa die Beschattung von Spielflächen im öffentlichen Raum oder bei Freiflächen von  
Kinderbildungseinrichtungen. Grünräume in Städten fördern die körperliche und kognitive  
Entwicklung von Kindern und tragen zum sozialen Austausch bei, sofern sie für alle sozialen Milieus  
zugänglich sind (vgl. Nesshöver et al. 2017; APCC 2018).  
Auch die Gesundheitsversorgung steht vor neuen Herausforderungen. Im Bereich der  
Kindergesundheit gibt es Handlungsbedarf, etwa bei der Versorgung in der niedergelassenen,  
kassenvertraglichen Kinder- und Jugendheilkunde, aber auch hinsichtlich der psychischen  
Gesundheit von Kindern und Jugendlichen (vgl. Culen 2022). Zudem bedarf es zusätzlicher  
Maßnahmen, um die Gesundheit von Kindern vor den Folgen der Hitzebelastung zu schützen  
(vgl. z.B. aus pädiatrischer Perspektive Böse-O’Reilly et al. 2023: 128). Eine Wahrnehmung von  
Hitze als gesundheitliche Bedrohung legt nahe, auch konsumfreie Innenräume (z.B. Bibliotheken,  
Museen, Vereinsräumlichkeiten, Nachbarschaftszentren) mit entsprechender Temperaturregulierung  
öffentlich und für armutsbetroffene Familien ansprechend zur Verfügung zu stellen. Dies umfasst  
auch Bildungseinrichtungen (z.B. Schulen, Kindergarten). Wesentlich ist hierbei, bei der Planung  
und Umsetzung zunehmende Hitze(wellen) mitzubedenken und die Angebote frei von direkten und  
indirekten Kosten anzubieten.  
Sozialpolitisch ist aus den Belastungen, Strategien und Bedarfen der Familien abzuleiten,  
dass die lokale Infrastruktur ein essentieller Bestandteil für soziale Teilhabe ist. Spätestens seit der  
austeritätspolitischen Ausrichtung von Städten und Gemeinden ist teilhaberelevante Infrastruktur  
kommodifiziert, eingeschränkt oder gestrichen worden. Dies trifft jene besonders stark, die auf  
sozialstaatliche Infrastruktur angewiesen sind (zur Bedeutung lokaler Infrastruktur für Kinder  
und Jugendliche vgl. Baum 2020: 311). Es gilt, „lebensweltnahe, attraktive Freizeit-, Förder-,  
und Bildungsangebote [zu] entwickeln, mit denen die Kinder erreicht werden können, die von  
den herkömmlichen Vereinen und kommerziellen Angeboten keinen Gebrauch machen können“  
(Chassé/Zander/Rasch 2007: 342–343).  
Hierzu sind neben öffentlichen Abkühlungsmöglichkeiten im Freien auch konsumfreie  
öffentliche Innenräume zur Abkühlung essentiell. Museen, Bibliotheken oder Vereinsräumlichkeiten  
könnten kinderfreundlich gestaltet werden und so nicht nur im Sommer vor Hitze, sondern auch  
im Winter vor Kälte schützen (vgl. auch Aigner et al. 2023). Dafür müssen diese nicht nur auf  
ihre finanziellen, sondern auch auf ihre kulturellen und sozialen Hürden hin reflektiert werden,  
um als armutssensibel gelten zu können, u.a. im Hinblick auf die Faktoren Zeit (Öffnungszeiten,  
Anfahrten, organisatorische Hürden) und familiäre Ressourcen. Aus der Forschung ist bekannt,  
dass Kulturangebote von nicht armutsbetroffenen Kindern weitaus öfter besucht werden, während  
Armutsbetroffene eher kostenfreie Angebote nutzen (vgl. Richter 2000). Neben finanziellen  
Gründen führen auch Erfahrungen sozialer Stigmatisierung und Ausgrenzung zu einer verringerten  
Inanspruchnahme der Angebote. Ein:e Respondent:in der Studie 3 meint dazu: „Kein Geld bedeutet  
weniger Teilnahme an kostenpflichtigen Veranstaltungen und auch weniger cooles Gewand und  
Ausrüstung, selbst wenn ein Angebot nichts kostet. Daher Schamgefühl und dadurch weniger  
Teilnahme auch bei kostenlosen Veranstaltungen.“ (A227) Gerade wenn Hitze zu weiteren  
Einschränkungen der Nutzung privater und öffentlicher Infrastruktur führt, müssen aktuelle Angebote  
neu reflektiert werden.  
4
Politisches Mandat der Sozialen Arbeit in der Klimakrise  
Die Soziale Arbeit wird in den Studien im Kontext der Bedarfe kaum thematisiert. Studie 1 zeigt, dass  
nur 2% der Befragten von der Sozialen Arbeit mit Informationen zu gesundheitlichen Hitzerisiken  
von Kindern erreicht wurden. Manche Respondent:innen der Studie 2 beziehen sich indirekt auf die  
Soziale Arbeit: „Wir haben ein paar Mal bezüglich Ventilatoren nachgefragt, leider standen im [Name  
der Einrichtung; Streichung H.L.] keine zur Verfügung.“ (IV/1509/3) Eine andere Familie erwähnt  
materielle Sicherung als Teil der Sozialen Arbeit: „Wir haben überall diese Rollos, die wir uns mithilfe  
der [Name des Geschäfts; Streichung H.L.]-Gutscheine der Volkshilfe kaufen konnten. Die helfen  
dabei, die Wohnung halbwegs erträglich kühl zu halten.“ (IV/1708/8) Professionsbezogene Debatten  
über die praxisbezogenen Möglichkeiten der Sozialen Arbeit im Kontext Armut und Klimakrise  
müssen noch gestärkt werden.  
Vor dem Hintergrund der Klimakrise gewinnen Debatten zum politischen Mandat der Sozialen  
Arbeit in vielerlei Hinsicht wieder an Bedeutung. Die Repolitisierung der Sozialen Arbeit muss auch  
unter Einbezug von intersektionalen Ungleichheitsperspektiven in Wissenschaft und beruflicher  
Praxis gedacht werden (vgl. u.a. Bütow/Chassé/Lindner 2014). Denn die negativen Effekte der  
Klimakrise und ihre sozialen Folgen treffen die Adressat:innen Sozialer Arbeit besonders stark.  
Soziale Arbeit ist dabei gefordert, darauf zu verweisen und ihre Klient:innen zu stärken, sich selbst  
zu vertreten. Auch das Einfordern des Einbezugs der Adressat:innen, wenn es um die Planung  
und Priorisierung von Prozessen der Transformation hin zu klimafreundlichen Strukturen geht,  
liegt im politischen Mandat der Sozialen Arbeit. Die Debatte über eine sozialökologisch-orientierte  
Soziale Arbeit, die ihr politisches Mandat auch dementsprechend versteht, setzt eine tiefgreifende  
Auseinandersetzung mit ihrer eigenen Rolle in der Reproduktion der imperialen Lebensweise voraus  
(vgl. Schmelz 2022; vgl. für den Begriff Brand/Wissen 2017).  
Liedholz appelliert an die Träger Sozialer Arbeit, Klimagerechtigkeit auch in ihren eigenen  
Organisationen umzusetzen. Und er fordert weiter:  
„Eine klimagerechte Soziale Arbeit müsste ihre gesellschaftspolitischen Handlungsspiel-  
räume ausloten, auch wenn dies herausfordernd erscheint. Sie könnte Kooperationen mit sozialen  
(Klima-)Bewegungen eingehen und sich in Klimawandelkonflikten einbringen. Sie könnte den  
Klimawandel als eine soziale Frage in die Öffentlichkeit tragen [...].“ (Liedholz 2023: 193)  
Dies könnte die Begleitung von Klient:innen bei Veränderungen in den Bereichen Wohnen,  
Mobilität, Ernährung und Arbeit umfassen oder auch die Unterstützung bei der Inanspruchnahme  
entsprechender Förderungen. Gesellschaftspolitisch muss eine solche Klimasoziale Arbeit unter  
anderem auf steigende Lebenskosten für Adressat:innen und deren geringe Anpassungs- und  
Handlungsmöglichkeiten hinweisen. Dominelli (2012) betont, dass Fachkräfte der Sozialen Arbeit  
hier über wesentliche Kompetenzen verfügen, etwa wenn es um die Einschätzung von Bedürfnissen,  
das Verständnis komplexer Machtbeziehungen, das Beraten, Mobilisieren und die Methoden und  
Erfahrungen gemeinwohlorientierter Sozialer Arbeit geht.  
Für die Soziale Arbeit mit armutsbetroffenen Kindern und Jugendlichen ist es aus unserer  
Perspektiverelevant,(a)diespezifischenBelastungenvordemHintergrundderExpertisederSozialen  
Arbeit herauszuarbeiten und einer Ausblendung der sozialen und altersbezogenen Dimension der  
Klimakrise vorzubeugen, (b) diese Belastungen öffentlich zu thematisieren, (c) der Artikulation  
von Forderungen und Wünschen Raum und Gehör zu geben und (d) die Involvierung von Kindern  
und Jugendlichen in die Planungsprozesse sozialer Infrastruktur einzufordern und zu begleiten  
(vgl. Nordström/Wales 2019). Dazu gehört auch die Kritik an Kürzungen sozialer Infrastruktur, an  
Projekten der Scheininvolvierung von Kindern und vor allem an zahnlosen Klimaschutzmaßnah-  
men.  
Literaturverzeichnis  
Aigner, Ernest/Lichtenberger, Hanna/Brugger, Katharina/Schmidt, Andrea (2023): Armutsgefährdete  
Kinder in der Klimakrise: Betroffene, Anpassung und soziale Infrastruktur. Endbericht von  
Start-Clim2022.A in StartClim2022: Schlüsselmaßnahmen, Messbarkeit und Notfallszenarien.  
Auftraggeber: BMK, BMWFW, Klima- und Energiefonds, Land Oberösterreich.  
APCC – Austrian Panel on Climate Change (2018): Österreichischer Special Report Gesundheit,  
Demographie und Klimawandel. Wien: Verlag der ÖAW.  
Armutskonferenz/Attac/Beigewum(Hg.)(2021):KlimasozialePolitik:Einegerechteundemissionsfreie  
Gesellschaft gestalten. Wien: bahoe books.  
Baum, Detlef (2020): Lokale Strategien und Handlungsoptionen im Umgang mit Kinderarmut – eine  
sozialräumliche Perspektive. In: Rahn, Peter/Chassé, Karl August (Hg.): Handbuch Kinderarmut.  
Opladen/Toronto: Barbara Budrich, S. 311–320.  
BMSGPK – Bundesministerium für Soziales, Gesundheit, Pflege und Konsumentenschutz (2021):  
Soziale Folgen des Klimawandels in Österreich. Wien: BMSGPK.  
Böse-O’Reilly, Stephan/O’Reilly, Fiona/Roeßler, Christian (2023): Hitzebelastung bei Kindern. In:  
Monatsschrift Kinderheilkunde, 171(2), S. 124–129. https://doi.org/10.1007/s00112-022-01682-7.  
Brand, Ulrich/Wissen, Markus (2017): Imperiale Lebensweise. Zur Ausbeutung von Mensch und  
Natur im globalen Kapitalismus. München: oekom.  
Brugger, Katharina/Schmidt, Andrea E./Delcour, Jennifer (2022): Krankenhausaufenthalte im  
direkten Zusammenhang mit Hitze und Sonnenlicht in Österreich (2002–2020). Factsheet. Wien:  
Gesundheit Österreich.  
Bütow, Birgit/Chassé, Karl August/Lindner, Werner (Hg.) (2014): Das Politische im Sozialen.  
Historische Linien und aktuelle Herausforderungen der Sozialen Arbeit. Opladen: Barbara Budrich.  
Butterwegge, Carolin (2017): Kinderarmut in Deutschland: mehrdimensionale Erscheinungsformen  
und sozialräumliche Ausprägungen. Düsseldorf: Forschungsinstitut für gesellschaftliche  
Weiterentwicklung e.V. (FGW).  
Butterwegge, Christoph (2020): Was gegen Kinderarmut in Deutschland zu tun ist. In: Rahn, Peter/  
Chassé, Karl August (Hg.): Handbuch Kinderarmut. Opladen/Toronto: Barbara Budrich, S. 275–283.  
Butterwegge, Christoph/Holm, Karin/Imholz, Barbara/Klundt, Martin/Michels, Caren (2003): Armut  
und Kindheit. Ein regionaler, nationaler und internationaler Vergleich. Opladen: Leske + Budrich.  
Chassé, Karl August/Zander, Margherita/Rasch, Konstanze (2007): Meine Familie ist arm. Wie  
Kinder im Grundschulalter Armut erleben und bewältigen. Wiesbaden: VS Verlag.  
Culen, Caroline (2022): „Mir geht’s nicht gut … ist da jemand?“ Kinder, Jugendliche und Psyche. In:  
Schenk, Martin/Wölfl, Hedwig (Hg.): Was Kindern jetzt gut tut. Gesundheit fördern in einer Welt im  
Umbruch. Wien: Ampuls Verlag, S. 31–44.  
Cutter, Susan L./Boruff, Bryan J./Shirley, W. L. (2003): Social Vulnerability to Environmental Hazards.  
In: Social Science Quarterly, 84(2), S. 242–261. https://doi.org/10.1111/1540-6237.8402002.  
Dominelli, Lena (2012): Green Social Work. From Environmental Crises to Environmental Justice.  
Cambridge: Polity Press.  
Dörfler, Lisa (2022): Soziale Arbeit als Menschenrechtsprofession im Kontext der Klimakrise. In:  
Pfaff, Tino/Schramkowski, Barbara/Lutz, Ronald (Hg.): Klimakrise, sozialökologischer Kollaps und  
Klimagerechtigkeit. Spannungsfelder für Soziale Arbeit. Weinheim/Basel: Beltz Juventa, S. 81–90.  
Felder-Puig, Rosemarie/Teutsch, Friedrich/Winkler, Roman (2023a): Psychische Gesundheit von  
österreichischen Jugendlichen. HBSC Factsheet 01 aus Erhebung 2021/22. Wien: BMSGPK.  
Felder-Puig, Rosemarie/Teutsch, Friedrich/Winkler, Roman (2023b): Gesundheit und  
Gesundheitsverhalten von österreichischen Schülerinnen und Schülern. Ergebnisse des WHO-  
HBSC-Survey 2021/22. Wien: BMSGPK.  
Fendt, Maren/Hölling, Heike/Lampert, Thomas/Waldhauer, Julia (2023): Die Bedeutung des  
sozioökonomischen Status für das Auftreten von psychischen Auffälligkeiten bei 11- bis  
17-jährigen Mädchen und Jungen in Deutschland. Ergebnisse der KiGGS-Welle 2 (2014–2017). In:  
Gesundheitswesen 85(05), S. 444–451. https://doi.org/10.1055/a-1916-9664.  
Holz, Gerda/Laubstein, Claudia/Seddig, Nadine (2016): Armutsfolgen für Kinder und Jugendliche.  
Erkenntnisse aus empirischen Studien in Deutschland. Gütersloh: Bertelsmann Stiftung.  
IPCC – Intergovernmental Panel on Climate Change (2023): Summary for Policymakers. In: Climate  
Change 2023: Synthesis Report. Contribution of Working Groups I, II and III to the Sixth Assessment  
Report of the Intergovernmental Panel on Climate Change, S. 1–34. https://doi.org/10.59327/IPCC/  
AR6-9789291691647.001.  
Krause, Laura/Kuntz, Benjamin/Schenk, Liane/Knopf, Hiltraud (2018): Mundgesundheitsverhalten  
von Kindern und Jugendlichen in Deutschland – Querschnittergebnisse aus KiGGS Welle 2 und  
Trends. In: Journal of Health Monitoring 3(4), S. 3–21.  
Kuckartz, Udo/Rädiker, Stefan (2020): Fokussierte Interviewanalyse mit MAXQDA. Schritt für Schritt.  
Springer: Wiesbaden.  
Kuntz, Benjamin/Rattay, Petra/Poethko-Müller, Christiane/Thamm, Roma/Hölling, Heike/Lampert,  
Thomas (2018): Soziale Unterschiede im Gesundheitszustand von Kindern und Jugendlichen in  
Deutschland – Querschnittergebnisse aus KiGGS Welle 2. Journal of Health Monitoring, 3(3), S.  
19–36.  
Lampert, Thomas/Hoebel, Jens/Kuntz, Benjamin/Müters, Stephan/Kroll, Lars Eric (2018): Messung  
des sozioökonomischen Status und des subjektiven sozialen Status in KiGGS Welle 2. In: Journal  
of Health Monitoring 3(1), S. 114–133.  
Laubstein, Claudia/Sthamer, Evelyn/Volf, Irina (2019): Wenn Kinderarmut erwachsen wird.  
Kurzfassung der Ergebnisse der AWO-ISS-Langzeitstudie zu (Langzeit-)Folgen von Armut im  
Lebensverlauf. Frankfurt am Main: Institut für Sozialarbeit und Sozialpädagogik.  
Lichtenberger, Hanna/Ranftler, Judith (2022a): Hitzebelastung armutsbetroffener Familien.  
Vorabauswertung aus dem Projekt Existenzsicherung 2022/2023. Wien: Volkshilfe Österreich.  
Lichtenberger, Hanna/Ranftler, Judith (2022b): Die Butter-Nudel-Woche. Zum Zusammenhang von  
Familienarmut und Kindergesundheit am Beispiel Ernährung. In: Österreichische Liga für Kinder-  
und Jugendgesundheit (Hg.): Bericht zur Lage der Kinder- und Jugendgesundheit in Österreich  
2022, S. 33–41.  
Liedholz, Yannick (2023): Klimagerechte Soziale Arbeit. Drei Schritte auf dem Weg dorthin. In:  
Armutskonferenz/Appel, Margit/Brenner-Skazedonig, Alexander/Fabris, Verena/Graf, Gunter/  
Knecht, Alban/Matzinger, Sandra/Rybaczek, Robert/Schenk, Martin (Hg.): Es brennt. Armut  
bekämpfen, Klima retten. Norderstedt: BoD-Verlag, S. 189–196.  
Lorenz, Stephanie/Krey, Illona/Harms, Frederike/Freiseis, Anja/Schid, Florian/Pokora, Roman/  
Stamos, Kristina/Kohlfürst, Daniela/Albertowski, Anne Sophie (2023): Klimawandel und  
Kindergesundheit – Ein Aufruf zum Handeln. In: Monatsschrift Kinderheilkunde, 171(1), S. 63–71.  
Luschkova, Daria/Traidl-Hoffmann, Claudia/Ludwig, Alika (2022): Climate change and allergies. In:  
Allergo. 31. Jg., S. 114–120. https://doi.org/10.1007/s40629-022-00212-x.  
Nesshöver, Carten/Assmuth, Timo/Irvine, Katherine N./Rusch, Graciela M./Waylen, Kerry A./  
Delbaere, Ben/Haase, Dagmar/Jones-Walters, Lawrence/Keune, Hans/Kovacs, Eszter/Krauze,  
Kinga Krauze/Külvik, Mart/Rey, Freddy/van Dijk, Jiska/Vistad, Odd Inge/Wilkinson, Mark E./Wittmer,  
Heidi (2017): The science, policy and practice of nature-based solutions: An interdisciplinary  
perspective. In: Science of The Total Environment, Nr. 579, S. 1215–1227. https://doi.org/10.1016/j.  
scitotenv.2016.11.106.  
Nordström, Maria/Wales, Mark (2019): Enhancing urban transformative capacity through children‘s  
participation in planning. In: Ambio, 48. Jg., S. 507–514.  
Richter, Antje (2000): Wie erleben und bewältigen Kinder Armut? Eine qualitative Studie über  
die Belastungen aus Unterversorgungslagen und ihre Bewältigung aus subjektiver Sicht von  
Grundschulkindern einer ländlichen Region. Aachen: Shaker.  
Schmelz, Andrea (2022): Greening Social Work im Anthropozän. In: Pfaff, Tino/Schramkowski,  
Barbara/Lutz, Ronald (Hg.): Klimakrise, sozialökologischer Kollaps und Klimagerechtigkeit.  
Spannungsfelder für Soziale Arbeit. Weinheim/Basel: Beltz Juventa, S. 22–36.  
Seebauer, Sebastian/Friesenecker, Michael/Eisfeld, Kristina (2019): Integrating climate and social  
housing policy to alleviate energy poverty: An analysis of targets and instruments in Austria. In:  
Energy Sources, Part B: Economics, Planning, and Policy. 14. Jg., S. 304–326. https://doi.org/10.1  
080/15567249.2019.1693665.  
Statistik Austria (2023): EU SILC. Community Statistics on Income and Living Conditions 2022.  
Wien: Statistik Austria.  
Tálos, Emmerich (2006): Sozialpolitik. Zwischen Expansion und Restriktion. In: Dachs, Herbert/  
Gerlich, Peter/Gottweis, Herbert/Kramer, Helmut/Lauber, Volkmar/Müller, Wolfgang C./Emmerich  
Tálos (Hg.): Politik in Österreich. Das Handbuch. Wien: Manz, S. 624–636.  
Thamm, Roma/Poethko-Müller, Christina/Hüther, Antje/Thamm, Michael (2018): Allergische  
Erkrankungen bei Kindern und Jugendlichen in Deutschland – Querschnittergebnisse aus KiGGS  
Welle 2 und Trends. In: Journal of Health Monitoring 2018 3(3), S. 3–18. DOI 10.17886/RKI-  
GBE-2018-075.  
Till, Matthias/Till-Tentschert, Ursula (2014): Armuts- und Ausgrenzungsgefährdung in Österreich. In:  
Dimmel, Nikolaus/Schenk, Martin/Stelzer-Orthofer, Christine (Hg.): Handbuch Armut in Österreich.  
Innsbruck: Studienverlag, S. 120–142.  
WHO – World Health Organization (2020): Health Behaviour in School-aged Children. Spotlight on  
adolescent health and wellbeing. Findings from the 2017/2018 Health Behaviour in School-Aged-  
Children (HBSC). Survey in Europe and Canada. Vol. 2. Key Data. International Report. Kopenhagen:  
World Health Organisation.  
Über die Autor_innen  
Ernest Aigner  
Ernest Aigner ist Sozioökonom und wissenschaftlicher Mitarbeiter des Kompetenzzentrums Klima  
und Gesundheit der Gesundheit Österreich GmbH. Er lehrt an der Wirtschaftsuniversität Wien.  
Hanna Lichtenberger  
Hanna Lichtenberger ist Sozialwissenschafterin und Historikerin. Sie forscht in der Volkshilfe  
Österreich zu den Themen Kinderarmut und Sozialpolitik. Sie lehrt an der Universität Wien, der FH  
Campus Wien und der FH Burgenland.  
Judith Ranftler  
Judith Ranftler ist Sozialarbeiterin und leitet den Bereich Kinderarmut, Asyl und Migration, Kinder  
und Jugend in der Volkshilfe Österreich.  
Sonja Schmeißl  
Sonja Schmeißl ist Politikwissenschafterin und absolviert derzeit den Masterstudiengang „Global  
Change and Sustainability“ an der Universität Wien.