Amelie Schönhaar, Katharina Hesse, Birgit Hoinle. Räumliches (Dis-)Empowerment als Analyseperspek-tive für eine klimagerechte
Soziale Arbeit. Impulse aus der transformativen Forschung. soziales_kapital, Bd. 31 (2025). Rubrik: Sozialarbeitswissenschaſt. Wien.
31. Ausgabe, 2025
Geschlechtergerechtigkeit
Räumliches (Dis-)Empowerment als Analyseperspektive
für eine klimagerechte Soziale Arbeit
Impulse aus der transformativen Forschung
Amelie Schönhaar, Katharina Hesse, Birgit Hoinle
Zusammenfassung
Der Artikel stellt das Konzept des räumlichen (Dis-)Empowerments als Analyseinstrument für eine
klimagerechte Soziale Arbeit vor. Dafür werden die Kritische Theorie gesellschaftlicher Naturver-
hältnisse aus der Politischen Ökologie und der Sozialraumdiskurs der Sozialen Arbeit miteinander
verbunden: Raum wird als sozial produziert und von Machtverhältnissen durchzogen verstanden.
Das Konzept des räumlichen (Dis-)Empowerments ermöglicht es, strukturelle Diskriminierungen
und sozialräumliche Ausschlüsse zu analysieren und aufzuzeigen, wie durch die Schaffung von
Empowerment-Räumen Handlungsmacht erweitert werden kann. Durch die Klimakrise stellen sich
neue Fragen für die Soziale Arbeit, insbesondere ob und wie sie aktiv für Klimagerechtigkeit eintre-
ten und an sozial-ökologischen Transformationsprozessen mitwirken kann. Darüber hinaus zeigen
sich aber auch die Notwendigkeit und Chancen von neuer inter- bzw. transdisziplinärer Zusammen-
arbeit.
Schlagworte: Transdisziplinarität, sozial-ökologische Transformation, kritische Geographie, sozial-
räumliche Soziale Arbeit, Klimagerechtigkeits-Bewegung, partizipative Aktionsforschung, räumli-
ches Empowerment, Disempowerment
Abstract
The article introduces the concept of spatial (dis)empowerment as an analytical tool for climate-
just social work. To this end, it combines theories from the fields of political ecology and the social
space discourse, particularly the theory of social relations with nature. Consequently, space is con-
ceptualized as a socially constructed entity, inherently characterized by power relations. The con-
cept of spatial (dis)empowerment enables the analysis of structural discrimination and socio-spatial
exclusion, thereby demonstrating how the creation of spaces of empowerment can expand agency.
The climate crisis prompts novel inquiries within the domain of social work. The question of whether
and how it can advocate for climate justice and engage in socio-ecological transformation proces-
ses is of utmost importance. Concurrently, the necessity and opportunities for new interdisciplinary
and transdisciplinary cooperation are becoming apparent.
Keywords: transdisciplinarity, sustainability transformation, radical geography, spatial social work,
climate justice movement, participatory action research, spatial empowerment, disempowerment
1
Einleitung
In Band 29 von soziales_kapital (2024) rückte das Thema Klimagerechtigkeit und Soziale Arbeit in
den Fokus. Betont wird im Editorial die Dringlichkeit der Auseinandersetzung mit den vielfältigen
Auswirkungen der Klimakrise, insbesondere angesichts sozialer Ungleichheiten, die sich weltweit
verschärfen. Gleichermaßen sei die Debatte um das Verhältnis von Klimagerechtigkeit und
Sozialer Arbeit erst wenige Jahre alt und wird divers geführt (vgl. Diebäcker 2024: 1). Dabei stehen
sowohl Problemlagen und Unterstützungsbedarfe von Adressat*innen als auch die strukturelle
und widersprüchliche Konstitution Sozialer Arbeit im globalen Kapitalismus im Fokus. Genau hier
setzen wir mit dem vorliegenden Artikel an, u.a. indem wir „etablierte Paradigmen […] hinterfragen
und als professionalisierte soziale Praxis nach Umsetzungsmöglichkeiten […] suchen“ (ebd.).
„Wir“, das sind Katharina Hesse und Amelie Schönhaar (Absolventinnen des Masterstudiengangs
„Klinische und sozialraumorientierte Soziale Arbeit“ an der FH Campus Wien) sowie Birgit Hoinle
(kritisch-feministische Geographin, Bildungspraktikerin und Wissenschaftlerin an der Universität
Hohenheim). Uns sind bestimmte Privilegien (z.B. Zugang zu Bildung, Wissen) gemein, die unsere
Sozialisation, aber auch unsere Perspektive als Sozialarbeiter*innen und Forscher*innen präg(t)en.
In diesem Beitrag bringen wir unsere Abschluss- und Promotionsarbeiten in Dialog miteinander, um
gemeinsam Bezüge zwischen kritischer, feministischer Geographie, Politischer Ökologie und der
Sozialen Arbeit zu untersuchen.
In einem ersten Schritt stellen wir Beziehungen zwischen den unterschiedlichen
Diskursströmungen, Theorien und Ansätzen her, mit denen wir arbeiten sowie dem Begriff der
Klimagerechtigkeit (Kapitel 2). Dadurch wollen wir, anknüpfend an Thiessen (2025: 2), einen
kleinen Beitrag zur Schließung des von ihm als „Theorie-Transformation-Gap“ (ebd.) bezeichneten
Desiderates in der Sozialen Arbeit leisten und ein Stück weit über den disziplinären Tellerrand
blicken. Ähnlich wie Gregor Husi (2024) sehen wir vielfältige Anknüpfungspunkte in der Kritischen
Theorie gesellschaftlicher Naturverhältnisse. Unter dem Stichwort „Aneignung der Natur“ (vgl.
Sander/Becker 2022) findet sich dort Anschluss zu räumlichen Fragestellungen, die gerade auch
für den Sozialraum-Diskurs in der Sozialen Arbeit relevant sind. An Fragen der Raumaneignung
schließt auch die wissenschaftliche Arbeit von Birgit Hoinle (2020) an. In ihrer Dissertation
entwickelte sie ein Konzept, das uns (A. Schönhaar und K. Hesse) für unsere Masterarbeiten
inspiriert hat (Kapitel 3). Hoinles Konzept des räumlichen (Dis-)Empowerments entstand im Rahmen
partizipativer Aktionsforschung. Da sich dahinter ein sozial-ökologisch transformatorischer Ansatz
verbirgt, sehen wir in ihm ein großes Potenzial für die Soziale Arbeit in Wissenschaft und Praxis.
Entsprechend fragen wir (Kapitel 4), inwiefern das Konzept des räumlichen (Dis-)Empowerments
neue Perspektiven für eine klimagerechte Soziale Arbeit eröffnen kann und welche Impulse
transdisziplinäre Forschungsansätze für die Weiterentwicklung der Profession bieten. Zentrale
Erkenntnisse führen wir in Kapitel 5 zusammen und runden mit einem Fazit ab.
2
Klimagerechtigkeit, Soziale Arbeit, Soziale Bewegungen
Climate Justice now! – dieser Ruf der Klimagerechtigkeitsbewegungen macht deutlich, dass der
menschengemachte Klimawandeli nicht länger als rein ökologisches, sondern ebenso als soziales
Problem verstanden werden muss (vgl. Etzkorn/Tröger/Reese 2022: 3). Das naturwissenschaftliche
Phänomen Klimawandel ist mittlerweile gut erforscht: Bereits in den 1970er Jahren wurde modelliert,
wie Bevölkerungswachstum, Industrialisierung und Ressourcenverbrauch planetare Grenzen
überschreiten. Limits of Growth (1972) gilt als eines der einflussreichsten Umweltwerke (vgl. Nicoll
2022: 12). Trotz größerem Bewusstsein werden diese Grenzen bis heute überschritten, vor allem
durch wohlhabende Industrienationen (vgl. Etzkorn et al. 2022: 5). Die Externalisierung ökologischer
und sozialer Kosten in den Globalen Süden führt dazu, dass Wohlstand vielfach auf Ausbeutung
beruht – ein Muster, das Brand und Wissen (2022) als imperiale Lebensweise bezeichnen. Besonders
betroffen sind jene, die am wenigsten zur Klimakrise beitragen.
Ein Beispiel für die frühe politische Fokussierung sozialer Ungleichheiten im Kontext der
KlimakriseistdieEnvironmental-Justice-Bewegungder1980erJahreindenUSA.Dieseformiertesich
damals als „Reaktion auf die sozial ungleiche Verteilung von toxischen Lasten umweltschädigender
Produktions- und Konsumweisen“ (Bellina 2022: 63). Ursprung war ein Konflikt um eine Mülldeponie
und die damit einhergehende „disproportionale Belastung von Afroamerikanischen Communities
durch Toxine“ (ebd.). Diese Belastungen und übermäßige Benachteiligung von durch Armut
betroffene Communities und insbesondere Black, Indigenous, People of Colour (BIPoC) wurde
von den meisten weißen Umweltschutzorganisationen nicht thematisiert (vgl. ebd.: 64). Durch die
Environmental-Justice-Bewegung wurde der Umwelt-Begriff so erweitert, „dass dieser nicht nur
die nicht-menschliche Natur, sondern auch ‚wo wir leben, arbeiten und spielen‘ (Alston, zit. n. UCC
2021: o.S.) einschließt“ (ebd.).
Im Diskurs um Klimagerechtigkeit werden globale Krisen heute als Ergebnis kapitalistischer,
rassistischer und kolonialer Machtverhältnisse verstanden (vgl. Etzkorn et al. 2022: 3). Diese
sind historisch tief verankert und werden durch Klimafolgen wie Hitze, Überschwemmungen
und Ernährungsunsicherheit verschärft. Ungleiche Schutz- und Bewältigungsmöglichkeiten
betreffen zentrale Lebensbereiche – und damit die Soziale Arbeit (vgl. ebd.: 6), die hier an ihre
menschenrechtliche Tradition anknüpft (vgl. Diebäcker 2024). An dieser Schnittstelle setzte auch
Amelie Schönhaar in ihrer Masterarbeit Räume für [studentisches] Empowerment (2024) an, in der sie
die bislang wenig verknüpften Diskurse zu Nachhaltigkeit, Transformation und Sozialraum in Dialog
setzte. Dabei stieß sie auf die Kritische Theorie gesellschaftlicher Naturverhältnisse der Politischen
Ökologie (PÖ) – ein vielversprechender, bislang wenig genutzter theoretischer Bezugsrahmen für
eine klimagerechte Soziale Arbeit. Da auch Husi (2024) und Hoinle (2020) hierauf aufbauen, vertiefen
wir diese Perspektive.
2.1 Kritische Theorie gesellschaftlicher Naturverhältnisse
Die deutschsprachige Soziale Ökologie (SÖ) bzw. PÖii entstand ab den 1970er und -80er Jahren
am Frankfurter Institut für sozial-ökologische Forschung (vgl. Husi 2024). Die PÖ fristete lange
ein Nischendasein, da Umweltprobleme und ihre Bearbeitung im vorherrschenden Diskurs
eher technisch und zum Teil isoliert von sozialen Ursachen und gesellschaftlichen Strukturen
betrachtet wurden (vgl. Brand/Görg 2022: 38). PÖ versteht sich selbst als „Wissenschaft von den
gesellschaftlichen Naturverhältnissen“ (Husi 2024: 91), in der der Begriff der gesellschaftlichen
Naturverhältnisse eine integrative Perspektive auf Umwelt, Natur oder Ökologie erlaubt. Damit wird
betont, dass Macht- und Herrschaftsfragen „eng […] mit der tiefen gesellschaftlichen Verankerung
von Nicht-Nachhaltigkeit verbunden sind“ (Brand/Görg 2022: 38). Ebenso wie in dieser Strömung
sozial-ökologische Problematiken und Herausforderungen erforscht wurden, wurden auch radikale
Alternativen erarbeitet bzw. thematisiert (vgl. ebd.).
Über die Jahre wurde im Anschluss an die Kritische Theorie „der älteren Frankfurter Schule
Horkheimers und Adornos“ (Brand/Görg 2022: 38) eine dezidiert Kritische Theorie gesellschaftlicher
Naturverhältnisse mit vielen Facetteniii ausgearbeitet. Deren Komplexität macht zunehmend die
inter- und transdisziplinäre Zusammenarbeit in Wissenschaft und Praxis erforderlich (vgl. ebd.).
Kern ist die „Analyse sozial-ökologischer Systeme als Versorgungssysteme“ (Husi 2024: 99).
Aus dieser Perspektive wird Natur als Voraussetzung und planetare Rahmung gesellschaftlicher
Existenz und Aktivitäten gefasst. Deutlich wird durch dieses Verständnis auch die Abhängigkeit
der Gesellschaft und Lebewesen von Natur. Letztere ist zwar teilweise gestaltbar, wird jedoch nie
umfassend kontrollierbar sein. Um zu überleben, müssen sich Lebewesen Natur aneignen und sich
damit sozial und ökologisch organisieren (vgl. Brand/Görg 2022: 28). In kapitalistischen Systemen
führt dies allerdings zu einer übermäßigen Aneignung natürlicher Ressourcen und zur Verstärkung
sozial-ökologischer Ungleichheiten. Dies wiederum hat sowohl zeitliche als auch (sozial-)räumliche
Implikationen (vgl. Husi 2024: 103).
2.2 (Sozial-)Räumliche Implikationen
„Gesellschaftliche Verhältnisse und die gesellschaftliche Aneignung [von] Natur
sind notwendig mit der Frage des Raums verknüpft. Diese Erkenntnis ist jedoch
in vielen sozialwissenschaftlichen Ansätzen nicht selbstverständlich. Oft wurde die
Raumdimension theoretisch geringgeschätzt und analytisch vernachlässigt. Das
hat sich mit dem spatial turn in den Sozialwissenschaften verändert.“ (Sander/
Becker 2022: 265)
Diese Feststellung trifft auch auf die Soziale Arbeit zu. Mit dem ab den 2000er Jahren einsetzenden
spatial turn entwickelte sich hier der Sozialraum-Diskurs (vgl. Kessl/Reutlinger 2007: 7f.), begleitet
von einer zunehmenden transdisziplinären Ausdifferenzierung. Der spatial turn markiert eine Ver-
schiebung hin zu räumlichen Analysekategorien, die für das Verständnis gesellschaftlicher Phäno-
mene zentral sind.
Historisch existieren unterschiedliche Raumkonzepte (vgl. Weichhart 2018). Glasze und
Mattissek (2009: 39) unterscheiden eine struktur- und eine handlungstheoretische Perspektive.
Erstere steht in der Tradition Lefebvres (1974) und versteht Raum als soziales Produkt kapitalistischer
Strategien und Machtverhältnisse, die ungleiche Zugänge und Ausschlüsse hervorbringen. Die
handlungstheoretische Strömung (vgl. u.a. Werlen 2008) betont dagegen die alltägliche (Re-)
Produktion von Raum durch Akteur*innen und die daraus entstehenden sozialen Wirklichkeiten.
Feministische Geographien zeigen zudem, wie Geschlechternormen räumliches Handeln formen
und Ausschlüsse erzeugen (vgl. Autorinnenkollektiv 2021).
Für die Soziale Arbeit wird deutlich: Die Integration raumtheoretischer Perspektiven in
Verbindung mit Klimagerechtigkeit und Politischer Ökologie bleibt herausfordernd, eröffnet jedoch
vielfältige Erkenntnismöglichkeiten. Der spatial turn in Geographie, Sozialwissenschaften und
Sozialer Arbeit markiert eine Abkehr von absoluten und naturdeterministischen Raumkonzepten hin
zu einem Verständnis von Raum als relational und sozial produzierter Entität (vgl. Kessl/Reutlinger
2007; Weichhart 2018). Sozialraum wird dabei als „ständig (re-)produzierendes Gewebe sozialer
Praktiken“ gefasst (Kessl/Reutlinger 2022: 7). Massey (1992: 80) beschreibt Raum als komplexes
Geflecht lokaler bis globaler Beziehungen. Dies verweist auf die diskursive, institutionelle und
materielleDimensionsozialerRaumproduktion,dieimmerauchingesellschaftlicheNaturverhältnisse
eingebettet ist. Um diese Zusammenhänge und ihre Anknüpfungspunkte für eine klimagerechte
Soziale Arbeit sichtbar zu machen, arbeiteten wir für diesen Beitrag eine Matrix der Diskursstränge
heraus (Abb. 1). Teil der Matrix sind auch Elemente von Hoinles Konzept räumlichen (Dis-)
Empowerments, welches im folgenden Kapitel eingeführt wird.
Abb. 1: Matrix der verschiedenen Diskursstränge (eigene Darstellung,
vgl. dazu auch Hoinle 2020: 92; Husi 2024; Brand/Görg 2022)
3
Räumliches (Dis-)Empowerment
In der Sozialen Arbeit ist Empowerment ein weit verbreiteter Ansatz, Macht bildet sein „rootconcept“
(Rowlands1997:9).HoinleverstehtMachtalsrelationalen,multidimensionalenundprozessorientierten
Begriff. In Anlehnung an Lukes (1974) lässt sich Macht weiter ausdifferenzieren in power over, power
from, power with und power to (vgl. Hoinle 2020: 110). Ausgangspunkt eines jeden Empowerment-
Prozesses ist eine Situation des Disempowerments, verbunden mit einer ‚Alltagswahrnehmung
erlernter Hilflosigkeit‘ (Elsen 2005: 68). Nach dem Konzept des transformativen Lernens (Pedagogia
do oprimido) nach Paulo Freire (1970) kann die Bewusstwerdung über gesellschaftliche Strukturen
der Unterdrückung der Ausgangspunkt für Empowerment-Prozesse sein. Kerngedanke seiner in
Alphabetisierungskursen entwickelten Pädagogik der Unterdrückten ist der Erfahrungsaustausch
Lernender, die in Dialog mit Personen in ähnlichen Lebenssituationen treten. Dadurch werden
sie von Objekten bzw. passiven Wissensempfänger*innen zu Subjekten, die in einem kollektiven
Prozess Wissen aufbauen (vgl. Hoinle 2020: 117). So findet eine Rollentransformation statt: Die
Lernenden setzen sich mit gesellschaftlichen Strukturen auseinander, die ihre Lebenswelt prägen,
und erkennen alltägliche Diskriminierungen. Empowerment-Prozesse erstrecken sich folglich
von individuellen Bewusstwerdungsprozessen bis hin zu kollektiven Kämpfen und strukturellen
Transformationen.
Die räumliche Komponente von Empowerment ist bislang eher unterbelichtet (vgl. ebd.: 120).
Im Rahmen einer Studie zu Solidarischer Ökonomie in Rio de Janeiro ist Hoinle auf die räumliche
Dimension (vgl. Abb. 2) aufmerksam geworden. Sie stellte fest, dass sich marginalisierte Frauen*
durch die Organisierung in Kooperativen neue Aktionsräume angeeignet haben.
Abb. 2: Vier Dimensionen von Empowerment im Kontext Solidarischer Ökonomie
(eigene Darstellung, nach Hoinle 121f.)
Die Überlegungen zu Raum als eine von vier Empowerment-Dimensionen entwickelte sie während
der Promotion weiter. Dazu führte sie zwischen 2015 und 2017 eine qualitative Studie zu urbaner
Landwirtschaft in Bogotá durch und entwickelte im Rahmen ihrer partizipativ durchgeführten
Aktionsforschung induktiv das Konzept des räumlichen (Dis-)Empowerments. Teil des Konzepts
ist die Beschreibung von räumlichem Disempowerment durch eine intersektionale Analyse
hegemonialer Machtverhältnisse, die gesellschaftlich produziert und räumlich manifestiert
sind (Kap. 3.1). Teil des Konzeptes ist zudem die Beschreibung bzw. Gestaltung räumlichen
EmpowermentsalseinemProzess, derausVerhältnissenräumlichenDisempowermentshinausweist
(emanzipatorische Raumaneignungen). Diesem Prozess wohnen sozial-ökologisch-ökonomische
Transformationspotenziale inne, die wir (A. Schönhaar und K. Hesse) für eine machtkritische
Untersuchung von Klimagerechtigkeitsfragen in der (sozialräumlichen) Sozialen Arbeit nutzbar
machen wollen.
3.1 Intersektionale Analyse räumlichen Disempowerments
UmeinVerständnisvonräumlichemDisempowermentzubekommen,müssenzunächstintersektional
jene Faktoren erfasst werden, die strukturell für Exklusionserfahrungen sorgen (vgl. Winker/Degele
2011). Die Bezeichnung ‚Intersektionalität‘ beschreibt die Verschränkung von Komponenten (u.a.
class, race, gender), die für Diskriminierung und gesellschaftliche Ausschlüsse auf verschiedenen
Handlungsebenen sorgen (ebd.). Chahrour et al. (2024) beschreiben zum Beispiel für den Kontext
Klimakrise und Soziale Arbeit, wie Familien, die in Österreich von Armutserfahrungen betroffen sind,
„unter anderem aufgrund des geringen finanziellen Spielraums“ (ebd.: 27) weniger Möglichkeiten
haben, sich adäquat vor den Folgen der Klimakrise zu schützen. Analytisch beziehen sie sich auf
drei Studien, die insbesondere die Situation von Kindern, als besonders vulnerable Gruppe, in
den Blick nehmen. Im Vordergrund des Beitrags von Chahrour et al. steht dabei die Frage, wie
Beteiligungsprozesse im Globalen Norden armutssensibel und empowernd gestaltet werden
können.
In Hoinles Studie wurde eine intersektionale Analyseperspektive angewandt, um die
Erfahrungen von Frauen* aus den urbanen Peripherien in Bogotá nachvollziehen zu können: So
kann die Herkunft aus dem ländlichen Raum oder der Status als Vertriebene für Stigmatisierungen
sorgen. Auch der Wohnort in einem barrio popular (Unterschichtsviertel) beeinflusst den Zugang
zu Bildung, Gesundheit und öffentlicher Infrastruktur. Aufgrund patriarchaler Vorstellungen von
Geschlechterrollen ist der Aktionsradius vieler Frauen* oftmals eng auf das eigene Viertel bzw.
den Haushalt eingegrenzt. In ihrer Studie arbeitete Hoinle u.a. mit der Methode des kollektiven
kritischen Kartierens. Hierbei handelt es sich um eine sozialräumliche Methode, die als Teil politisch-
transformativer Bildungsarbeit nach dem Vorbild von Paulo Freires von Akteur*innen wie dem
Orangotango Kollektiv durchgeführt wird (vgl. Orangotango Kollektiv o.J.).
Teil von Hoinles Konzept ist das räumliche Disempowerment, welches sich durch die
BegrenzungderalltäglichenAktionsräumeeinerseitsunddersozialzugewiesenenRollenund(privaten)
Räume andererseits äußert. Außerdem zeigt es sich in einer geringen Entscheidungsautonomie
hinsichtlich alltäglicher Handlungsräume und Zeitorganisation.
3.2 Transformationspotenzial räumlichen Empowerments
RäumlichesEmpowermentwirdvonHoinle(2020:434)definiertalsAusweitungvonHandlungsmacht
auf neue Rollen und Räume, von denen Akteur*innen bislang ausgeschlossen waren. Chahrour
et al. (2024: 31) beschreiben hierzu Beteiligungsformate als eine Möglichkeit der Sozialen Arbeit,
Verfahrens- und Anerkennungsgerechtigkeit durch die Einmischung in öffentliche Diskurse und die
Mitgestaltung sozial-ökologischer Transformation auf struktureller Ebene zu realisieren. Bei Hoinle
steht die Selbstorganisation der Frauen* in den (peri-)urbanen Stadtgärten Bogotás im Fokus.
Räumliches Empowerment kann sich gemäß dem von ihr entwickelten Konzept in vier Dimensionen
äußern (vgl. Abb. 3).
Abb. 3: Räumliches Empowerment als multidimensionaler Prozess
mit Transformationspotenzial (Hoinle 2020: 383)
Die erste Komponente ist die materielle Raumaneignung. Durch die Nutzung konkreter Orte
(z.B. Stadtgärten) im öffentlichen Raum können Akteur*innen Sichtbarkeit erlangen und sich
selbst als wirksame Gestalter*innen und Teil ihrer Umgebung wahrnehmen. Gleichzeitig können
solche Raumaneignungen Ausgangspunkt sein, dass sich Akteur*innen, zweitens, in öffentliche
Diskursräume einbringen, wie etwa in Veranstaltungen und Medien. Gerade das oftmals
geringgeschätzte aber gleichermaßen wichtige Erfahrungswissen aus dem Alltag (z.B. im Hinblick
auf Gartenpraktiken oder Rezepte) erfährt Aufmerksamkeit und ihm wird Bedeutung zugemessen.
So können entsprechende Räume auch einen horizontalen Austausch zwischen akademischem und
(alltags-)praktischem Wissen fördern, was sich u.a. in Workshops zu Saatgut von Stadtgärtner*innen
mit Studierenden in Bogotá zeigte. Die Möglichkeit der Mitgestaltung und Selbstorganisation kann
drittens zu Transformationen führen, indem Akteur*innen gesellschaftlich zugewiesene Rollen
überschreiten und sich neue Handlungsfelder aneignen. Dies zeigte sich am Fallbeispiel Bogotá
dadurch, dass Frauen* durch die Teilnahme an Märkten in der Rolle als Produzentin neue Sichtbarkeit
erfuhren und gleichzeitig ihre ökonomische Autonomie stärkten. Die vierte Komponente räumlichen
Empowerments bezieht sich auf territoriale Aneignungen, z.B. durch das Bezeichnen und Kartieren
von Orten. So tragen kollektive Kartierungsprozesse zu einer Auseinandersetzung mit hegemonialen
Raumproduktionen bei. Im Zuge des gemeinsamen Kartierens können die Nutzungsweise und
Zuschreibungen bestimmter Räume kritisch hinterfragt werden. Dies zeigte sich in der Studie u.a.
darin, dass koloniale Ortsbezeichnungen hinterfragt wurden und die Akteur*innen ihren Stadtgärten
indigene Namen gaben, um auf die früheren Ortsnamen aufmerksam zu machen.
Räumliche Empowerment-Prozesse sind vielschichtig. Im Fokus steht dabei die
Auseinandersetzung mit gesellschaftlichen Machtverhältnissen, deren sozialräumlichen
Implikationen, Emanzipation und Widerstand. Das Transformationspotenzial liegt gerade darin
begründet, dass die Erfahrung von Diskriminierung nicht als Einzelschicksal, sondern als Teil einer
Struktur begriffen werden. Die kritische Bewusstwerdung darüber ist der Ausgangspunkt für einen
kollektiven Prozess, der auf strukturelle Veränderungen abzielt. Wichtig sind dafür Strategien der
Sichtbarmachung und solidarischen Vernetzung.
4
Von der Analyse zur Anwendung: klimagerechte Wissenschaft und
Praxis Sozialer Arbeit
Was können wir von dem Ansatz räumlichen (Dis-)Empowerments für die Soziale Arbeit mitnehmen?
Welche Relevanz hat das Konzept für die aktuellen Auseinandersetzungen um Klimagerechtigkeit?
Diese Fragen begleiteten die Entstehung und Umsetzung unserer (K. Hesse und A. Schönhaar)
Masterprojekte. Die inhaltliche Auseinandersetzung mit der Arbeit von Birgit Hoinle und dem Ansatz
des räumlichen (Dis-)Empowerments war dabei in vielerlei Hinsicht inspirierend: zum einen mit
Blick auf die grundsätzliche Ausrichtung unserer Forschungsarbeiten, zum anderen für die kritische
Reflexion unserer eigenen Rolle im Forschungsprozess sowie als professionell Handelnde in der
sozialarbeiterischen und Bildungs-Praxis.
Für die aktuelle wissenschaftliche Auseinandersetzung mit Klimagerechtigkeit und Sozialer
Arbeit sind Überlegungen aus dem Kontext der Politischen Ökologie und kritisch-feministischen
Geographie höchst relevant. Letzterer kann auch das Konzept des räumlichen (Dis-)Empowerments
zugerechnet werden. Zum einen ist hier eine Offenheit für inter-, trans- bis postdisziplinäres
Denken und Zusammenarbeit gegeben, die für die Bearbeitung von komplexen, sozial-
ökologisch-ökonomischen Phänomenen notwendig ist. Zum anderen operieren diese Ansätze mit
forschungsethischen Grundsatzfragen, von denen ausgehend die gesellschaftliche Verantwortung
sowie das Verhältnis von Wissenschaft und Praxis neu in den Blick genommen werden kann. Eine
für uns offene Frage an die Sozialarbeitswissenschaft lautet: Inwiefern kann eine Forschung, die
sich als transformativ und partizipativ begreift, zusammen mit Praxis Räume für Empowerment
schaffen und durch ihr Handeln zu klimagerechteren Gesellschaften beitragen?
Aus- und Weiterbildung: Um Soziale Arbeit (in Wissenschaft und Praxis) systematisch
im Sinne der Klimagerechtigkeit auszurichten, braucht es Fachkräfte mit entsprechenden
Kompetenzen. Dazu gehört sowohl Wissen über sozial-ökologische Zusammenhänge als auch
über entsprechende transformative Methoden. (Sozialräumliche) Soziale Arbeit im Allgemeinen und
Gemeinwesenarbeit im Speziellen verfügt über emanzipatorische und partizipative „Ansätze mit
hoherBedeutung“(Elsen2018:1065). Dochwiekönnenwirdiesestärkernutzbarmachen, umRäume
zu kreieren, in denen sich die Menschen, mit denen wir (zusammen)arbeiten, als politisch wirksam
empfinden und sich mit Fragen der Klimagerechtigkeit auseinandersetzen? Welche Art der Lehre
und des Lernens brauchen wir, um uns entsprechendes Wissen und transformative Kompetenzen
aneignen zu können? Sozialarbeiterische Aus- und Weiterbildung sollte in jedem Fall mehr sein
als die akademische Vermittlung von Wissen. Sie sollte Raum geben für ganzheitliches Lernen mit
Kopf, Hand und Herz, das kritisches Hinterfragen und Kollektivierung im Sinne multidimensionaler
Empowerment-Prozesse fördert.
Institutionen und Handlungsfelder, strukturelle Rahmenbedingungen: Grundsätzlich sind
Teilhabe, Mitgestaltung und die Stärkung von Partizipation integraler Bestandteil Sozialer Arbeit;
durch ihre Handlungsfelder und Einrichtungen ist diese wiederum Teil gesellschaftlicher Infrastruktur.
Jedoch stoßen wir in Anbetracht struktureller Rahmenbedingungen tagtäglich an Grenzen. Hiermit
setzte sich Katharina Hesse in ihrer Masterarbeit über Selbstorganisation zwischen Empowerment
und Selbstausbeutung (2024) kritisch auseinander. Politisch sehen sich Institutionen Sozialer Arbeit
tagtäglich mit den Herausforderungen neoliberaler Steuerungslogiken konfrontiert. Wie kann mit
stark limitierten Mitteln und Ressourcen mehr als ‚nur‘ basale Versorgung gewährleistet werden,
wie können in Zeiten knapper kommunaler Mittel neue Strukturen aufgebaut werden, die der
Komplexität von Klimagerechtigkeit entsprechen? Gerade hier zeigt sich, wie wichtig Vernetzung
mit anderen Playern gesellschaftlicher Transformation, inter- bzw. transdisziplinäre Öffnung und ein
damit einhergehender Paradigmenwechsel sind.
Das Spannungsfeld zwischen professionellem Handeln und politischem Aktivismus:
Klimagerechtigkeitsfragen können neue Impulse für die Reflexion unseres professionellen
Handelns im sozialarbeiterischen Alltag setzen. Doch welche Möglichkeiten haben wir, uns an der
Weiterentwicklung Sozialer Arbeit als Klimagerechtigkeitsprofession mit transformativem Anspruch
zu beteiligen? Welche Spannungsfelder entstehen für uns, wenn wir anfangen, uns stärker für
Klimagerechtigkeit im Berufsalltag einzusetzen? Welches Mandat fokussiere ich und was sind die
Konsequenzen dieser Entscheidungen? Wie kann klimagerechte Sozialarbeit in einem patriarchal-
kapitalistischen System aussehen? Was ist hier unsere Rolle bzw. was kann unsere Rolle sein?
Letzteres erfordert in jedem Fall die kritische Reflexion derjenigen Aspekte, die wir durch unsere
Arbeit reproduzieren, da sie Teil des Systems ist.
Zentrale Arbeitsprinzipien der Sozialen Arbeit – Lebenswelt- und Sozialraumorientierung,
Empowerment, Partizipation – lassen sich direkt mit den normativen Zielen von „Nachhaltiger
Entwicklung“ verknüpfen (vgl. Husi 2024: 90). Sie eröffnen Möglichkeiten, Adressat*innen nicht
nur individuell zu begleiten, sondern kollektive Prozesse der Raumaneignung und Sichtbarkeit
zu stärken. Partizipative Methoden der GWA, Sozialraumanalysen oder kollektive Kartierungen
können Exklusionserfahrungen sichtbar machen und Handlungsspielräume erweitern. Damit geht
eine politische Verantwortung einher: Soziale Arbeit darf nicht allein auf individuelle Unterstützung
reduziert werden, sondern muss strukturelle Macht- und Ungleichheitsverhältnisse thematisieren
und aktiv auf Veränderungen hinwirken können. In Bündnissen mit Klimagerechtigkeits-Bewegungen
kann sie ihre anwaltschaftliche Rolle wahrnehmen und marginalisierten Stimmen Raum geben,
beispielsweise im Rahmen gesellschaftlicher Entscheidungsprozesse (vgl. Chahrour/Kerle/Larcher/
Lichtenberger 2024: 38f.).
Klimagerechte Soziale Arbeit verbindet methodische Professionalität mit politischer
Einflussnahme und versteht sich als transformativ wirkende Profession (vgl. Husi 2024). Dafür
braucht es Räume bzw. emanzipatorische Raumaneignungen, damit sich Akteur*innen Safe Spaces
eröffnen, in denen sie sich über Ohnmachtsgefühle aufgrund der Klimakrise austauschen und die
gleichzeitig neue Handlungsräume für sozialökologische Transformation eröffnen.
5
Synthese und Fazit
Während der menschengemachte Klimawandel schon lange spürbarer Teil unseres Alltags ist,
reagieren politische Entscheidungsträger*innen nur schleppend – wie das unkonkrete Ergebnis der
KlimakonferenzinBelémdoParáimNovember2025eindrücklichzeigt.Dringenderdennjebenötigen
wir Lösungen, um die Auswirkungen klimaschädigender Industrien ernsthaft einzudämmen und die
von den Auswirkungen betroffenen Menschen (sowohl im Globalen Süden wie auch im Globalen
Norden) einzubeziehen. Eingangs haben wir festgestellt, dass die Auseinandersetzung mit Fragen
um Klimagerechtigkeit in der Sozialen Arbeit erst wenige Jahre alt ist. Der Ansatz des räumlichen
(Dis-)Empowerments hält neue Impulse für theoretische und konzeptionelle Weiterentwicklungen
einer klimagerechten Sozialen Arbeit bereit. Gleichzeitig kann an etablierte fachliche Stärken
angeschlossen werden (vgl. Elsen 2018). Soziale Arbeit verfügt bereits über ein breites Repertoire
an partizipativen, lebensweltorientierten und emanzipatorischen Ansätzen, die gleichermaßen
eine Grundlage für sozial-ökologische Transformationsprozesse bilden können. Das Konzept des
räumlichen (Dis-)Empowerments verdeutlicht, in welche Richtung diese Stärken weiterentwickelt
werden können: etwa wenn es um die Sichtbar-Machung räumlicher Ausschlüsse geht, die Stärkung
kollektiver Handlungsspielräume und die Einbringung marginalisierter Perspektiven in öffentliche
Aushandlungsprozesse. Der Ansatz des räumlichen Empowerments (materielle Raumaneignung,
Diskursbeteiligung, Rollentransformation und territoriale Praktiken) eröffnet konkrete methodische
Impulse für Forschung und Praxis. Gleichzeitig treten Spannungsfelder zwischen transformativem
Anspruch und institutionellen Rahmenbedingungen hervor, die eine reflektierte und strategische
Positionierung erfordern, ohne das professionelle Selbstverständnis zu unterminieren. Für die
Weiterentwicklung der Disziplin in Richtung einer klimagerechten Sozialen Arbeit sind jedenfalls
weitere empirische Forschung, curriculare Weiterentwicklung und inter- sowie transdisziplinäre
Kooperationen von Bedeutung. Auf dieser Grundlage kann die Profession ihre bestehende Expertise
einbringen, eigene Handlungsspielräume erweitern und als zentrale Akteurin sozial-ökologischer
Transformation wirksam werden (vgl. Husi 2024).
Verweise
i „Mit Klimawandel ist zunächst das physikalische Phänomen gemeint. Die Benutzung des Begriffs Klimakrise betont die sozialen Ursa-
chen bereits stattfindender klimatischer Veränderungen und mochte auf soziale Ungleichheiten in den Ursachen und Auswirkungen
dieser hinweisen.“ (Etzkorn/Tröger/Reese 2022: 5, Herv.i.O.)
ii Die Begrifflichkeiten werden z.T. synonym verwendet, weshalb wir im Folgenden nur noch von PÖ sprechen.
iii
Einblicke in die unterschiedlichen Aspekte (z.B. feministische, marxistische, diskurstheoretische, post- bzw. dekoloniale, mehr-als-
menschliche und relationale Theorien, Konzepte und Zugänge), Handlungs- und Konfliktfelder sowie Begriffe für die Analyse gesell-
schaftlicher Naturverhältnisse können im Handbuch Politische Ökologie nachgelesen werden (vgl. Gottschlich/Hackfort/Schmitt/von
Winterfeld 2022).
Literatur
Autor*innenkollektiv Geographie und Geschlecht (2021): Handbuch Feministische Geographien.
Arbeitsweisen und Konzepte. Opladen/Berlin/Toronto: Barbara Budrich.
Bellina, Leonie (2022): Environmental Justice. In: Gottschlich, Daniela/Hackfort, Sarah/Schmitt,
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Über die Autorinnen
Amelie Schönhaar, MA MA
Ist Geographin, Bildungspraktikerin und Sozialarbeiterin. Aktuell arbeitet sie als wissenschaftliche
Mitarbeiterin im Projekt „TREE – Transformation (er)leben und (er)lernen“ an der Universität
Hohenheim. Zu ihren derzeitigen Themenschwerpunkten zählen (Hochschul-)Bildung für
Nachhaltige Entwicklung, Globales und transformatives Lernen, sozial-ökologische Transformation
und Klimagerechtigkeit sowie (Dis-)Empowerment und Partizipation aus einer sozialräumlichen und
gemeinwesenorientierten Perspektive.
Katharina Hesse, MA
Katharina Hesse ist Sonderpädagogin und Sozialarbeiterin. Ihre Masterarbeit im Studiengang
Sozialraumorientierte Soziale Arbeit an der FH Campus Wien hat sie zum Thema Selbstorganisation
und Empowerment geschrieben. Im Moment betreut sie als Schulsozialarbeiterin zwei Schulen in
Wien.
Dr. Birgit Hoinle
Birgit Hoinle ist Geographin und arbeitet als wissenschaftliche Mitarbeiterin (Postdoc) am
Lehrstuhl Gesellschaftliche Transformation & Landwirtschaft der Universität Hohenheim. Ihre
Forschungsschwerpunkte liegen in den Bereichen nachhaltige Außer-Haus-Verpflegung, food
justice und dekoloniale Perspektiven. Sie hat an der Universität Hamburg promoviert zu urbaner
Landwirtschaft und Prozessen räumlichen Empowerments in Kolumbien. Sie ist ehrenamtlich im
Ernährungsrat Region Tübingen-Rottenburg engagiert und aktiv als Bildungsreferentin für Themen
des Globalen Lernens.