Joana Müller. Partizipative (eater-)Projekte als Hort der Macht Potenziale des Konzepts der Subalternen Artikulation als Reflexions-  
Tool für eine macht- und diskriminierungskritische, interventionistische Praxis der sozialräumlichen Sozialen Arbeit . soziales_ka-  
pital, Bd. 31 (2025). Rubrik: Junge Wissenschaſt. Wien. Printversion: http://www.soziales-kapital.at/index.php/sozialeskapital/article/  
31. Ausgabe, 2025  
Geschlechtergerechtigkeit  
Partizipative (Theater-)Projekte als Hort der Macht  
Potenziale des Konzepts der Subalternen Artikulation als  
Reflexions-Toolfüreinemacht-unddiskriminierungskritische,  
interventionistische Praxis der sozialräumlichen  
Sozialen Arbeit  
Joana Müller  
Zusammenfassung  
Der Artikel beschäftigt sich aus einer postkolonialen Perspektive mit partizipativen (Theater-)Pro-  
jekten am Beispiel des ästhetischen Forschungsprojekts Warum erben manche ein Schloss und  
andere Schulden?, welches mit Kindern im Alter von 7 bis 13 Jahren von Februar bis Oktober  
2022 in Wien durchgeführt wurde. In einem ersten Schritt werden das Theorienkonzept der Sub-  
alternen Artikulation nach Gayatri Chakravorty Spivak sowie das Modell der Bürger:innenbühne als  
methodische Grundlagen skizziert. Anschließend werden jene Dynamiken, Rahmenbedingungen  
und Arbeitsweisen diskutiert, welche die Reproduktion von epistemischen Machtstrukturen im Pro-  
jekt nicht nur begünstigten, sondern Partizipation in die Legitimierung hegemonialer Verhältnisse  
einbinden können. Abschließend wird ein Tool zur machtkritischen Interventionspraxis skizziert,  
welches Prozesse des Verlernens in den Mittelpunkt stellt. Es kann als Empfehlung und Anstoß für  
weitere Diskurse um die notwendige Entwicklung macht- und diskriminierungskritischer Praxen an  
der Schnittstelle von Kunst, Sozialer Arbeit und Politik verstanden werden.  
Schlagworte: Partizipation, Theater, Bürger:innenbühne, postkoloniale Theorie, subaltern, sub-  
alterne Artikulation, machtkritische Interventionspraxis  
Abstract  
This article explores the potential of participatory (theatre) projects from a postcolonial perspective.  
Therefore, it illuminates the aesthetic research project Warum erben manche ein Schloss und ande-  
re Schulden? [Why do some inherit a castle and others debts?], conducted with a group of children  
between the age of 7 and 13 from February to October of 2022 in Vienna. Firstly, the theoretical  
concept of subaltern articulation, delineated by Gayatri Chakravorty Spivak, and the model of the  
citizens‘ stage are elucidated as methodological foundations. Subsequently, dynamics, framework  
conditions, and working methods, that not only favored the reproduction of (epistemic) power struc-  
tures in the project, but also used participation to legitimize hegemonic conditions are discussed.  
Finally, a tool for power-critical intervention practice is presented. The tool emphasizes processes  
of unlearning and offers both a recommendation and encouragement for further discussions re-  
garding the necessary development of practices that are critical of power and discrimination at the  
intersection of art, social work, and politics.  
Keywords: participation, theater, citizen stage, postcolonial theory, subaltern, subaltern articula-  
tion, power-critical practice of intervention  
1
Einleitung  
Partizipation gilt als Erfolgsmodell in Sozialer Arbeit, Kunst, Stadtplanung, Politik und darüber  
hinaus – sie ermöglicht Beteiligung, Mitbestimmung, Transformation und Innovation. Zudem  
verspricht sie die Zentrierung mehrfachmarginalisierter Akteur:innen, deren Perspektiven in  
regulären Entscheidungsprozessen oft unterrepräsentiert oder komplett ausgeschlossen sind.  
Durch Partizipation soll ihr Wissen in wichtige Gestaltungsprozesse sowie gesellschaftliche  
Diskurse einbezogen werden. Doch partizipative Projekte finden innerhalb machtvoll strukturierter  
Gesellschaften und einer postkolonialen Welt statt. Die postkoloniale Theoretikerin Gayatri  
Chakravorty Spivak geht davon aus, dass die Subalternen angesichts dieser machtvollen Strukturen  
nicht sprechen können, da ihre Äußerungen unter anderem durch das hegemonial strukturierte  
Hörverständnis ihrer Adressat:innen verzerrt oder exkludiert werden (vgl. Spivak 2008b: 126).  
Wendet man Spivaks Konzept „Subalterner Artikulation“ auf die Soziale Arbeit an, dann muss  
gefragt werden, ob Professionist:innen ihre Klient:innen überhaupt verstehen können oder ob sie  
durch ihre Arbeit sogar zur Stabilisierung von machtvollen Herrschaftsverhältnissen beitragen.  
Besonders Tätigkeitsfelder, in denen die Sprechfähigkeit subalterner oder mehrfachmarginalisierter  
Personen in den Fokus gestellt wird, könnten vor diesem Hintergrund zu einem „Hort der Macht“  
(Steyerl 2008: 19) werden, in dem sich die (Re-)Produktion der Verhältnisse intensiviert.  
Im Rahmen des vorliegenden Artikels wird die Reproduktion von Machtstrukturen in  
partizipativen Projekten untersucht und gleichzeitig die Produktivität des Konzepts der Subalternen  
Artikulation als interventionistisches Reflexionstool für die Weiterentwicklung einer machtkritischen  
Praxis der Sozialen Arbeit hervorgehoben (vgl. Spivak 1988: 91). Ausgangspunkt für den Artikel ist  
eine explorative Forschung zum partizipativen Theaterprojekt Warum erben manche ein Schloss  
und andere Schulden?, welches an der Schnittstelle zur Sozialen Arbeit angesiedelt und von einem  
künstlerisch-pädagogischen Team in Kooperation mit der Volkshilfe Wien umgesetzt wurde.  
Im Zuge des Projekts, welches sich am Modell der Bürger:innenbühne orientierte,  
forschten armutsbetroffene Kinder im Alter von 7 bis 13 Jahren gemeinsam mit dem künstlerisch-  
pädagogischen Team über mehrere Monate hinweg mit ästhetischen, wissenschaftlichen und  
ortsspezifischen Methoden zu Fragen sozialer Gerechtigkeit und Kinderarmut. Zum Abschluss  
veröffentlichten sie ihre Forschungsergebnisse im Rahmen von drei Theateraufführungen vor einem  
Publikum aus Angehörigen und Fachkräften.  
Die empirische Umsetzung des Forschungsprojekts im Rahmen der Masterarbeit Eine  
Bürger:innenbühne für die Subalternen? (Müller 2023) war im Sinne der Grounded Theory zyklisch  
organisiert und erfolgte in vier Forschungs- und Reflexionsphasen im Zeitraum von April bis Oktober  
2022. Im Zuge von elf Probenbesuchen wurden von der Forscherin teilnehmende Beobachtungs-  
Protokolle (BP) und Raumbeschreibungen (RB) verfasst. Empirisches Sekundärmaterial in Form  
von Gesprächsprotokollen der Ästhetischen Forschung (GP.ÄF), Probenprotokollen (PP) sowie  
Theatertext-Fassung (TF), Projektübersicht (PÜ) und Projektkonzept (PK) wurden durch das  
künstlerisch-pädagogische Team zur Verfügung gestellt. Die Analyse der empirischen Daten erfolgte  
angelehnt an eine strukturierte Inhaltsanalyse nach Mayring (2010), wobei zentrale Kategorien aus  
Spivaks Text Can the Subaltern speak? abgeleitet wurden und eine dekonstruktivistische und  
interventionistische Forschungspraxis förderten (vgl. Mayring 2010:97ff.).  
Ausgehend von der kritischen Beforschung des Partizipationsprojekts konnte eine Vielzahl  
von Potenzialen identifiziert werden. Diese umfassen unter anderem Ansätze zur Demokratisierung  
von Wissensproduktionsprozessen, zur Intervention in epistemische Grenzen sowie zur  
Förderung von Selbstwirksamkeit, der Aneignung von (Hochkultur-)Räumen, der Erweiterung  
von Ausdrucksmöglichkeiten, der Bewusstmachung eigener Expertisen oder der Förderung  
widerständiger Praxen (vgl. Müller 2023: 97–100). Eine vertiefende Auseinandersetzung mit den  
Potenzialen partizipativer Theaterarbeit muss an dieser Stelle allerdings ausbleiben. Der in diesem  
Artikel gesetzte Fokus auf die Reproduktion von Machtstrukturen ergibt sich stattdessen aus der  
notwendigen Auseinandersetzung mit postkolonialer Theorie und der Anwendung des Konzepts  
der Subalternen Artikulation nach Spivak.  
Im Folgenden werden zunächst das Konzept der Subalternen Artikulation sowie die  
Arbeitsweise des beforschten partizipativen Theaterprojekts im Kontext des Bürger:innenbühnen-  
Modells skizziert. Darauf aufbauend wird herausgearbeitet, wie Machtstrukturen im Rahmen  
des Praxisprojekts reproduziert werden. Schlussendlich wird ein Tool vorgestellt, welches eine  
machtkritische Interventionspraxis für die Disziplin der Sozialen Arbeit sowie partizipative (Theater-)  
Projekte im Speziellen bereitstellt und versucht, Spivaks „Projekt des Verlernens“ produktiv zu  
machen.  
2
Subalterne Artikulation als Konzept für machtkritische Analysen  
Eine zentrale These von Spivak ist, dass die Subalternen nicht sprechen können. Mit dem Begriff  
der Subalternen meint die Theoretikerin dabei all jene Personen, die aufgrund struktureller  
Machtverhältnisse und epistemischer Gewalt von gesellschaftlichen Diskursen ausgeschlossen  
sind und deren Artikulation weder gehört oder verstanden noch als legitime Form des Sprechens  
anerkanntwird(vgl.Spivak2008b:121ff.;Spivak1988:83ff.).DesWeiterenwarntSpivakvorderSuche  
nach einem subalternen Bewusstsein und der Konstruktion der Subalternen als (sprechmächtige)  
Subjekte. Zu wirkmächtig sind laut der Theoretikerin postkoloniale Kontinuitäten, wie asymmetrische  
Machtverhältnisse, epistemische Gewaltstrukturen und nicht zuletzt das hegemonial strukturierte  
Hörverständnis privilegierter Empfänger:innen, welche zur gesellschaftlichen Exklusion subalterner  
Artikulation führen. Wenn die Subalternen ihre Anliegen also artikulieren oder gar zur Aufführung  
bringen, verbleiben sie dem fehlenden Hörverständnis von Empfänger:innen ausgeliefert und  
ohne Garantie, verstanden zu werden (vgl. Spivak 2008a: 126f.). Entsprechend muss in Anlehnung  
an Spivak davon ausgegangen werden, dass auch im Kontext der Sozialen Arbeit subalterne  
Artikulation unmöglich ist bzw. angesichts des hegemonial strukturierten Hörverständnisses von  
Professionist:innen verzerrt werden könnte.  
Da Spivak den Begriff der Subalternen bewusst als relational, nicht narrativierbar und  
unabgeschlossen definiert, wirkt dieser nach Castro Varela und Dhawan (2020: 228) als „Bruch mit  
der Logik der Hegemonie“. Der Überforderung und Paralyse, die von der dekonstruktivistischen  
Formulierung des Konzepts ausgelöst werden könnten, sowie dem Wunsch, die eigene Verflechtung  
in epistemische Herrschaftsverhältnisse zu lösen, müssen Professionist:innen widerstehen.  
Stattdessen gilt es, solche Brüche (mit der Logik der Hegemonie) nicht nur anzuerkennen, sie  
zu dokumentieren und einen steten machtkritischen Umgang mit der eigenen komplizenhaften  
Verbundenheit mit hegemonialen Herrschaftsverhältnissen zu entwickeln. Auch die Initiierung  
von Brüchen und Interventionen in Herrschaftsverhältnisse, welche Spivak beispielsweise in der  
Vermessung des Schweigens der Subalternen erkennt, müssen angestrebt werden. Nach Spivak  
ist die Einführung der Subalternen in den Kreislauf der Hegemonie der einzige Ausweg aus der  
artikulativen Einbahnstraße, was angesichts der Unmöglichkeit ihrer Artikulation als Subalterne  
häufig als Widerspruch gelesen wird (vgl. Spivak 2008a: 19f.; 39f.).  
Im Rahmen dieses Artikels und der zugrundeliegenden Forschungsarbeit wird der Begriff der  
Subalternität aufgrund der Mehrfachmarginalisierungen der teilnehmenden Kinder des beforschten  
Theaterprojekts – auf Basis von Alter, Klasse, Rassifizierung sowie mehrheitlich Sprache, Geschlecht  
und Religion – angewendet. Angesichts globaler Ungleichheitsstrukturen muss jedoch transparent  
gemacht werden, dass der Begriff der Subalternität sich hierbei nicht auf Individuen bezieht, die im  
engsten Sinne von Spivaks Definition in einem „Raum der Subalternen […] in einem kolonisierten  
Land von den Mobilitätslinien abgeschnitten“ (Spivak 2008b: 121) leben. Gleichzeitig findet das  
Projekt in einer postkolonialen Welt statt, in der die Projektteilnehmer:innen aufgrund der auf sie  
wirkenden Marginalisierungsmechanismen von diversen Mobilitätslinien abgeschnitten sind.  
3
Partizipative Theaterarbeit als Erfolgsmodell an der Schnittstelle von  
Kunst und Sozialer Arbeit?  
Die Arbeitsweise des Projekts Warum erben manche ein Schloss und andere Schulden? lehnt sich an  
das Bürger:innenbühnen-Modell an, mit dessen Verbreitung seit 2009 eine Öffnung professioneller  
Theaterbühnen im deutschsprachigen Raum proklamiert wird. In großen Produktionen werden dabei  
Bürger:innen an Theaterhäusern dazu eingeladen, ihre Themen in Stückentwicklungsprozessen  
zu bearbeiten und als Darsteller:innen vor dem Stadtpublikum zu verhandeln (vgl. Kurzenberger  
2014: 23). Das beforschte Theaterprojekt kann in Abgrenzung dazu als mobile Bürger:innenbühnen-  
Produktion bezeichnet werden. Diese war angedockt an die Soziale Arbeit und nahm in Anbetracht  
des urbanen Raums agile, vernetzte und ortsspezifische Formen an; Proben, Forschungseinheiten  
und Aufführungen fanden an unterschiedlichen Orten Wiens statt. Ziel des Projekts war es, „[e]  
ine theatrale Feldforschung zum Thema ökonomische und soziale Ungerechtigkeit in Österreich  
mit Kindern zwischen 7-13 Jahren“ (PK: 1) umzusetzen. Dabei wurden die Kinder im Sinne des  
Konzepts der „Expert:innen des Alltags“ als inhaltliche sowie künstlerische Partner:innen auf  
Augenhöhe in den mehrmonatigen ästhetischen Forschungs- und Probenprozess einbezogen (vgl.  
Dreysse/Malzacher 2017: 9).  
Die Arbeitsweise des Projekts erinnert damit an Augusto Boals „Theater der Unterdrückten“,  
welches ebenfalls einen sozialen (Probe-)Raum behauptet, in dem das Leben verhandelt und  
Handlungsweisen erprobt werden sollen (vgl. Tscholl 2011; Boal 2013: 68ff.). Während Boals  
Methodenrepertoire den Inhalt über die Ästhetik stellt (vgl. Boal 2013: 116), steht im Kontext der  
Bürger:innenbühne die Suche nach neuen ästhetischen Formen zur Verstärkung der Inhalte stark  
im Fokus. Entsprechend proklamiert Kurzenberger dass die Bürger:innenbühne „Theater als soziale  
Kunstform mit einer sozialen Ästhetik [verwirklicht], die angebunden ist ans reale Leben vor Ort“  
(Kurzenberger 2014: 35), um noch im selben Absatz zu betonen: „Aber seine Ästhetik ist eine für  
Spezialisten und Theaterkenner [sic!].“ (Ebd.) Mit dieser Ausrichtung geht in der Regel eine stärkere  
Priorisierung von machtvoll geformten Qualitätsvorstellungen und der daraus erwachsenden  
Produktorientiertheit einher, welche mitunter in Konflikt mit prozessorientierten Arbeitsweisen  
geraten kann. Gleichzeitig können Bürger:innenbühnen-Produktionen in der Regel auf deutlich  
mehr stützende Ressourcen wie professionelles Bühnenbild, Kostüme und Technik in renommierten  
Veranstaltungsorten zurückgreifen, welche den Sprechakten der auftretenden Bürger:innen eine  
eindrücklichere Wirkung verleihen können.  
Um neue und professionelle Ästhetiken auch in der Arbeit mit Kindern zu ermöglichen,  
wurde das Projekt Warum erben manche ein Schloss und andere Schulden? als ein Form der  
ästhetischen Forschung mit breitem Methodenrepertoire umgesetzt. Dieses beinhaltete Übungen  
aus Theater, Tanz, Wissenschaft, bildender Kunst, der Methode des „Philosophierens mit Kindern“  
sowie Boxtrainings, Videodrehs und Exkursionen. Auf diese Weise sollten möglichst diverse  
ForschungsergebnissegewonnenundvielfältigeZugangsmöglichkeitenfürdieteilnehmendenKinder  
bereitgestellt werden. Wie ernst diese Bemühungen genommen wurden, belegen die beschriebenen  
künstlerisch-methodischen Mehrfachstrategien, der Umstand, dass Aufwandsentschädigungen für  
Teilnehmer:innen gezahlt wurden, die mehrmonatige Projektdauer sowie die starke Zusammenarbeit  
mit unterschiedlichen Projektpartner:innen (bspw. Volkshilfe Wien, Attac, Künstlerhaus Vereinigung,  
MUK Wien, Werk X) (vgl. PK; PÜ).  
Die nachfolgende Darlegung und Analyse der Reproduktion von Machtstrukturen  
innerhalb des Projekts kann als Nachweis dafür gelesen werden, dass Machtstrukturen auch in  
ressourcenreichen und methodisch breit aufgestellten Projekten nicht ausgehebelt werden können.  
Gerade deshalb ist die Anerkennung und Sichtbarmachung von Machtstrukturen ein wichtiger erster  
Schritt für die (Weiter-)Entwicklung macht- und diskriminierungskritischer Praxen, die (subalterne)  
Partizipation zumindest begünstigen könnten.  
4
Partizipation als Machtinstrument  
Im Sinne einer Anerkennung partizipativer (Theater-)Projekte als Hort der Macht werden im  
FolgendenForschungsergebnissezusammengefasst, welchedieReproduktionvonMachtstrukturen  
in partizipativen Projekten sowie die Produktivität des Konzepts Subalterner Artikulation als  
interventionistisches Reflexionstool für die sozialarbeiterische Praxis thematisieren.  
Um die Relevanz der Forschungs-Ergebnisse für die Soziale Arbeit nachvollziehbar zu  
machen, hilft ein genauerer Blick auf die Verbindungen zwischen dem theaterpädagogischen  
Konzept der „Expert:innen des Alltags“ und sozialarbeiterischen Konzepten wie jenem der  
„Expert:innen der eigenen Lebenswelt“ oder dem der Bürger:innenbeteiligung (vgl. Thiersch/  
Grunwald 2018: 906–915). Sie alle proklamieren Partizipations- & Gestaltungsmöglichkeiten für  
mehrfachmarginalisierte Personen und stehen somit im Widerspruch zur Vorstellung fehlender  
Artikulationsmöglichkeiten für Subalterne, die Spivak beschreibt. Ihr Konzept dient folgend als  
Ausgangspunkt für eine machtkritische und intersektionale Analyse sowie die Dokumentation von  
epistemischen Grenzen, Machtstrukturen und Reproduktionsmechanismen, die im Bruch zwischen  
dem Konzept der Expert:innen des Alltags (oder der eigenen Lebenswelt) und Spivaks konstruierten  
subalternen Subjekten verortet werden müssen (vgl. Malzacher 2017: 23; Thiersch/Grunwald 2018:  
906–915; Spivak 2008a: 53).  
4.1 Expert:innen des Alltags als Subjektkonstruktion?  
Betrachtet man das Konzept der Expert:innen des Alltags aus einer postkolonialen Perspektive nach  
Spivak so stellt sich die Frage: Können Subalterne im Rahmen von partizipativen Theaterprojekten  
wirklich sprechen oder muss das Konzept als perfekt inszenierte Subjektkonstruktion auf einer  
Bühne der Macht erkannt werden? (vgl. Spivak 2008a: 31f.)  
AusdemempirischenMaterialgehthervor,dassdieteilnehmendenKinderzuunterschiedlichen  
Momenten des ästhetischen Forschungsprozesses klassistische Stereotype reproduzierten. So  
stimmten beispielsweise alle Kinder in einem Gespräch während einer Probe überein, dass fast  
alle oder zumindest viele arme Menschen reich gestartet seien und dann ihr Geld verloren hätten.  
Des Weiteren wurden Konsumgier, Casinobesuche sowie mangelnde Übersicht über die eigenen  
Finanzen als mögliche Gründe für einen Abstieg in die Armut angeführt; armutsbetroffene Menschen  
wurden unter anderem als schmutzig, unerfahren und unmotiviert bezeichnet (vgl. GP.ÄF.6: 2;  
GP.ÄF.7: 2).  
Trotz ihres neoliberalen und diskriminierenden Charakters dürfen diese Äußerungen im Sinne  
Spivaks keinesfalls als Unwissen der Kinder verkannt werden, denn sie transportieren einen hohen  
Informationsgehalt über kapitalistische Logiken und klassistische Erzählweisen. Gleichzeitig wird  
hier epistemische Gewalt hörbar, die das Wissen der Kinder zu Gunsten dergleichen kapitalistischen  
Herrschaftslogiken verformt, welche ihre eigene gesellschaftliche Benachteiligung und Exklusion  
begünstigen (vgl. Spivak 2008a: 42). Besonders deutlich wurde dies daran, dass die Kinder  
armutsbetroffene Personen mittels Fremdzuschreibungen (schmutzig, unerfahren, unmotiviert)  
als Andere und in Abgrenzung zum eigenen Selbst konstruierten. Solche Formen des Othering  
verdunkeln die gesellschaftlichen Strukturen, welche auslesbar sein müssen, um ein (Klassen-)  
Bewusstsein entwickeln oder gar artikulieren zu können (vgl. Spivak 2008a: 42ff.). Die epistemische  
Gewalt wird als Hüterin der Herrschaftsverhältnisse transparent, indem sie die Herausbildung eines  
kollektiven Klassenbewusstseins verhindert und gleichzeitig die Reproduktion asymmetrischer  
Wissensproduktion – über die Konstruktion der Subalternen zu Subjekten – absichert.  
Neben der eigenen Distanzierung von Armut und der Reproduktion klassistischer Stereotype  
fand sich in den Äußerungen der Kinder wiederholt die neoliberale Vorstellung des Leistungsprinzips.  
So äußerte ein Kind die Meinung, dass Reichtum von Einzelpersonen auf harte Arbeit und somit auf  
die Qualität und den Umfang von Leistungen zurückzuführen sei. Ein weiteres Kind erklärte: „Die  
Reichen bekommen nur mehr Geld, weil sie investieren. Also klug investieren.“ (GP.ÄF.2:3)  
Umso weniger Vorwissen potenzielle Zuhörer:innen über die Wirkungsweisen von  
epistemischer Gewalt mitbringen und umso hegemonialer ihr Hörverständnis strukturiert ist, desto  
geringer ist die Chance, dass der Informationsgehalt derartiger Artikulationen verstanden werden  
kann. Die Einbindung der Subalternen ist dann der Stabilisierung der Hegemonie selbst zuträglich  
und steht im Dienst der lautlos programmierenden Wirkung der Episteme (vgl. Spivak 2008a: 42).  
Bereits an dieser Stelle der Analyse wird also deutlich: Die Position der Subalternen zwischen  
Expert:innen des Alltags und dem Konzept der Subjektkonstruktion steht in einem unauflösbaren  
Widerspruch, welcher Professionist:innen eine machtkritische Arbeitspraxis abverlangt.  
Wie insbesondere das hegemonial strukturierte Hörverständnis von Organisator:innen  
partizipativer Projekte zur Intensivierung von Machtverhältnissen führen kann, zeigt sich ebenfalls  
in der Analyse. So wurden beispielsweise Äußerungen der Kinder zu Themen wie Rassismus  
oder Klimaschutz im Zuge dramaturgischer Prozesse ausgeschlossen. Die Exklusion von race als  
notwendige Kategorie einer intersektionalen Betrachtung von Armut ist dabei in mehrfacher Hinsicht  
fragwürdig: Zum einen wird im Projektkonzept betont, dass „[d]ie Diversität unserer Gesellschaft  
[…] sich auch in unserem Kinderensemble wider[spiegelt]“ (PK: 10), zum anderen war die Mehrheit  
der teilnehmenden Kinder BIPoCs und hatte zum Teil sogar autobiographische Erzählungen über  
Rassismus-Erfahrungen in den ästhetischen Forschungsprozess eingebracht (vgl. GP.ÄF11:1). An  
dieser Stelle werden epistemische Gewaltstrukturen transparent, welche über das hegemonial  
strukturierte Hörverständnis der Adressat:innen subalterner Artikulation (re)produziert werden. Die  
Exklusion rassistischer Dimensionen von Armut verweist nach Spivak auf die Privilegien der weißen  
Mitglieder des künstlerisch-pädagogischen Teams. Spivaks Proklamation, dass Privilegien als  
Verluste erkannt werden müssen, die es zu verlernen gilt, erhält hier symbolträchtig Relevanz (vgl.  
Spivak 2008a: 56).  
Das Beispiel zeigt die Gefahr der (Re-)Produktion weißer Anschauungs- und Arbeitsweisen  
und verleiht Spivaks Forderung nach einer „Vermessung des Schweigens“ (Spivak 2008a: 54)  
und somit einer Sichtbarmachung von all jenem, was nicht gesagt werden kann, Nachdruck (vgl.  
Bücken 2022: 55–74). Im Hinblick auf partizipative Projekte umfasst dies nicht nur Aspekte, welche  
Teilnehmer:innen aufgrund machtvoller (Re-)Produktionsprozesse, eines fehlenden subalternen  
Bewusstseins oder epistemischer Gewalteinwirkungen nicht thematisieren. Vor allem geht es  
um jene, die zwar geäußert, im Zuge hegemonial informierter (dramaturgischer) Entscheidungen  
allerdings exkludiert werden.  
4.2 Epistemische Grenzen partizipativer ästhetischer Forschungsmethoden  
Partizipative (Theater-)Projekte versprechen die Begünstigung und Stärkung subalterner Artikulation  
durch theaterpädagogische und ästhetische Forschungsmethoden. Es stellt sich also die Frage,  
inwiefern diese Methoden die Schaffung von (sozialen) Proberäumen für subalterne Artikulation  
und mithin eine tatsächliche Intervention in epistemische Grenzen ermöglichen können. Ausgehend  
von einer Anerkennung der Machtasymmetrie zwischen Projektteams und Projektteilnehmer:innen  
zeigt die Analyse der empirischen Daten, dass die Auswahl der Methoden epistemische Grenzen  
gleichermaßen verstärken wie irritieren kann.  
Die intensive Arbeit mit Gesprächsregeln ermöglichte im Projekt das spielerische Üben von  
Multiperspektivität sowie einer offenen Forscher:innenhaltung. Diese stellte wiederum die Weichen  
für einen Aufbruch epistemischer Grenzen, der im Rahmen eines Interviews gelang, das die Kinder  
mit einer Wirtschaftsexpertin von Attac führten (vgl. PK: 7; GP.ÄF.2: 1; GP.ÄF.8:1). Im Gegensatz  
dazu kam es im Zuge von weniger interventionistischen Einheiten während des „Philosophierens  
mit Kindern“ mitunter zur Reproduktion klassistischer Stereotype, beispielsweise wurde „Betteln  
als Vortäuschung von Armut“ beschrieben (GP.ÄF.6: 2; vgl. auch GP.ÄF.7: 2).  
Darüber hinaus stellten insbesondere gesprächsintensive Übungen für viele Kinder eine  
enorme Herausforderung dar, da sie im Widerspruch zu ihrem Bewegungsdrang standen. In diesen  
Settings kam es entsprechend am häufigsten zu Störungen, gegenseitigem Unterbrechen oder  
körperlichen Auseinandersetzungen zwischen den Teilnehmer:innen. Kinder, für die diese Übungen  
angenehmer waren, hatten folglich leichteren Zugang und stärkeren Einfluss auf die inhaltliche  
Mitgestaltung des Theaterstücks.  
DesWeiterenwurdeimZugederDatenanalysedeutlich,dasssowohldieProjektteilnehmer:innen  
als auch das Team an ihre Grenzen gerieten, wenn die Kinder schwerwiegende private Problematiken  
in die Probe brachten, in Streit gerieten oder auffälliges Verhalten zeigten. Dies wirkte sich in  
Folge negativ auf die Beteiligung der Kinder an den ästhetischen Forschungsmethoden aus. Das  
Fehlen zusätzlicher pädagogischer Fachkräfte wurde im Zuge der teilnehmenden Beobachtungen  
zwar immer wieder deutlich. Das Problem wurde jedoch auch dann nicht gelöst, als die leitende  
Theaterpädagogin die Herausforderungen an die Projektpartner:innen der Volkshilfe kommunizierte.  
Die strukturellen Machtdynamiken, die in partizipativen Projekten wirken, werden an dieser Stelle  
also auch entlang finanzieller, personeller und zeitlicher Ressourcen offensichtlich (vgl. BP.MZ.1;  
BP.MZ3).  
Beschwerden der Kinder über Probenausmaße, zu lernende Textmengen und (Schul-)  
Stress verweisen auf machtvolle Auswirkungen einer nicht zu unterschätzenden (künstlerischen)  
Produktorientierung, die sich bereits aus dem Projektkonzept ergibt (vgl. PK). Dass die  
Abschlussaufführungen den ästhetischen Bewertungen durch ein teils hochkulturelles Publikum  
ausgesetzt, bedeutete für die Teilnehmer:innen wie auch das künstlerisch-pädagogische Team  
immensenDruck. DiesererhöhtesichdurchjedeStresssituation, jedeStörungdesProbenprozesses,  
jedes Aufkommen von privaten Problemen zusätzlich. Dass das Projektteam kurz vor einer  
Aufführung mit zwei Kindern ein ernstes Gespräch darüber führte, ob diese in der Lage seien,  
ihre Störungen der Generalprobe einzustellen, um an der Aufführung teilnehmen zu können, zeigt,  
unter welchem Druck alle Beteiligten standen und wie die Produktorientierung die machtvollen  
epistemischen Grenzen des ästhetischen Forschungsprozesses absicherte (vgl. BP.WX.10).  
Die Analyse des empirischen Materials zeigt, dass epistemische Grenzen partizipativer  
ästhetischer Forschungsmethoden mindestens viergleisig verlaufen: Entlang der Ressourcen, der  
methodischen Werkzeuge, der (machtkritischen) pädagogischen Haltung und der Verortung des  
Projekts zwischen Prozess- und Produktorientierung.  
4.3 Subalterne Artikulation als machtvolles Versprechen von Partizipation  
Für die Suche nach subalterner Artikulation und deren Wirkmächtigkeit in partizipativen Projekten  
lag der Forschungsfokus – der Logik partizipativer Theaterprojekte folgend – zum einen auf den  
Aufführungsmomenten und zum anderen bei inhaltlich an das Projektthema angebundenen  
Äußerungen. Das empirische Material macht jedoch deutlich, dass sich einige Aussagen, die für  
die Projektteilnehmer:innen von besonders emanzipatorischer Bedeutung waren, kritisch auf die  
Rahmenbedingungen des Projekts bezogen. So nutzten die Kinder ästhetische Forschungseinheiten  
zum Thema Kinderarmut, um sich über die Häufigkeit der Proben, die fehlenden Tanzeinheiten und  
Pausen sowie die Umstrukturierung von Probenplänen zu äußern (vgl. BP.MZ.3: 10f.; BP.WX.11:  
237f.). Die Einwände der Kinder zeigen deutlich, dass auch Partizipationsräume machtvollen Logiken  
folgen und auf bestimmte Privilegien ausgerichtet sind. Entsprechend muss auch Partizipation mit  
immensen Anstrengungen und dem Einsatz zeitlicher, nanzieller, personeller und emotionaler  
Ressourcen erstritten werden. Selbst wenn ein Partizipationsprozess ideal verläuft, bedeutet er  
immer auch eine Mehrarbeit für die Partizipierenden und ist nicht per se ein Garant für tatsächliche  
Artikulationsmöglichkeiten.  
Auch die thematische Begrenzung der ästhetischen Forschung auf ökonomische und  
soziale Ungerechtigkeit beschränkte die Artikulationsmöglichkeiten der Teilnehmer:innen. So geht  
aus dem empirischen Material hervor, dass die Kinder immer wieder Themen wie Krieg, Schule,  
Gewalt oder Mobbing in die Einheiten zur Textgenese einbrachten und dadurch auf die Verhandlung  
anderer Themen drängten. Im Sinne einer Vermessung des Schweigens sei zudem an den bereits  
beschriebenen Ausschluss von Rassismus erinnert, welcher als notwendige Kategorie einer  
intersektionalen Betrachtung von Armut auf die (Selektions-)Macht der Dramaturgie verweist (vgl.  
GP.ÄF.1–4; GP.ÄF.11: 1ff.).  
Aus der Analyse geht hervor, dass subalterne Artikulationsversuche sogar in mühsam  
erstrittenen Partizipationsräumen abseits der Bühne übersehen und aufgrund thematischer  
Projektausrichtungen oder nicht-intersektional besetzter Teams exkludiert werden können. Eine  
machtkritische Praxis zur Sichtung von ästhetischen Forschungsergebnissen scheint daher von  
besonderer Bedeutung, um epistemische Grenzen zumindest aufzuweichen.  
4.4 (Probe-)Räume für subalterne Artikulation  
Im Zuge der Beobachtungen drängte sich die Frage auf, welche Zusammenhänge zwischen  
Raumverhältnissen und der (Re-)Produktion von Machtverhältnissen innerhalb der Proben  
bestehen. Dabei wurde deutlich, was relationale Raumtheorien ohnehin proklamieren – nämlich  
dass Verhältnisse über Raum zum Ausdruck gebracht und zugleich durch Räume (re)produziert  
werden können.  
Im Rahmen der Forschung wurde offensichtlich, dass Interventionen in epistemische  
Grenzen und Machtstrukturen ebenso wie das Wohlbefinden aller Beteiligten stark von  
verschiedenen Raumfunktionen abhingen. So zeigte sich, dass ein frei zugänglicher Bereich für  
Pausen, Einzelgespräche oder Streitschlichtungen entscheidend war. Darüber hinaus spielten auch  
die symbolische Aufladung des Raums, seine ästhetische Gestaltung sowie seine Größe eine Rolle  
(vgl. BP.TK.4). Wie herausfordernd die Aneignung hochkultureller Räume sein kann, das wurde  
anhand der Äußerungen einiger Kinder klar. Eingeschüchtert durch einen großen Theatersaal,  
in dem eine ihrer Aufführungen stattfinden sollte, diskutierten sie darüber, welche „komischen“,  
„reichen“ und vor allem ihnen unbekannten Leute da wohl zu ihrer Aufführung kommen (vgl. ebd.).  
Dabei wurde deutlich, dass epistemische Grenzen, welche über Raum-Ästhetiken kommuniziert  
werden, das Ausmaß subalterner Artikulation stark beeinflussen. Sowohl der Aufbruch dieser  
epistemischen Grenzen als auch subalterne Artikulation als solche sind daher in Räumen, deren  
Ästhetik besonders stark hegemonial informiert ist, von Anleiter:innenhaltungen und methodischen  
Interventionsfähigkeiten pädagogischer Teams abhängig. Die daraus resultierende Machtposition  
nimmt Professionist:innen auf allen Projektebenen in die Verantwortung. So kann auch die mobile  
Ausrichtung von (theatralen) Partizipationsprojekten vor allem dann eine Bereicherung sein, wenn die  
verschiedenen Orte auf die Beteiligung der jeweiligen (subalternen) Teilnehmer:innen ausgerichtet  
und kritisch auf Raumqualitäten, wie Größe, Funktionen und symbolische Bedeutungen, geprüft  
werden.  
Im Hinblick auf partizipative Theaterarbeit kann folglich betont werden, dass Raum Chance  
sowie Grenze zugleich sein kann und seine Auswahl, Gestaltung und bewusste Produktion von  
zentraler Bedeutung ist.  
4.5 Theateraufführungen zwischen Publikation von Forschungsergebnissen  
und Macht der Beteiligung  
Die Premiere von Warum erben manche ein Schloss und andere Schulden? ermöglicht die Ver-  
öffentlichung der ästhetischen Forschungsergebnisse, welche im Zuge des dramaturgischen und  
inszenatorischen Prozesses und in Zusammenarbeit von Projektteam und Teilnehmer:innen zu ei-  
ner Szenencollage zusammengesetzt wurden. Die Analyse des empirischen Materials lässt darauf  
schließen, dass der Aufführungsmoment für die Kinder besonders durch die Anwesenheit ihres  
persönlichen Nahfeldes emanzipatorisch wirkte, während für Projektorganisator:innen und externe  
Besucher:innen die Sichtbarkeit der Kinder als sprechmächtige Akteur:innen innerhalb des Diskur-  
ses zentral war (vgl. ebd.).  
Angesichts der Wiederaufnahme des Theaterstücks im Rahmen eines Symposiums  
zu Kinderarmut und des Vorstoßens in relevante gesellschaftspolitische Sphären verweist das  
empirische Material auf die Grenzen partizipativer (Theater-)Projekte: Es mangelte an zeitlichen  
Ressourcen für Raumaneignungen und längere Proben, die nach einer viermonatigen Pause nötig  
gewesen wären. Darüber hinaus gab es nicht genügend pädagogisches Personal zur Betreuung  
der Kinder während langer Wartezeiten. Schlussendlich fehlte die Zeit für stärkere inhaltliche  
Vorbereitung auf eine Aufführung in einem so machtvoll strukturierten Setting wie dem eines  
Symposiums. Diese Probleme überlagerten sich mit einer technischen Theaterprobe, bei der es  
nicht nur an grundlegender und vorab angefragter technischer Stimm-Verstärkung der Kinder,  
sondern auch an Zeit und Raum für einen notwendigen Probendurchlauf fehlte. Spätestens mit  
einem Kommentar aus der Technik, dass die Kinder lauter sprechen müssten, da man sie sonst  
nicht hören könne, nahm die laut Spivak sonst so lautlose Wirkung der Episteme ohrenbetäubende  
Ausmaße an und die fehlenden Artikulationsmöglichkeiten der Subalternen wurden überdeutlich.  
Hier bestätigt sich Spivaks Behauptung, dass die hegemonialen Strukturen der postkolonialen Welt  
keinenatürlichenoderleichtenZugängezuRäumenderkritischen, intellektuellenWissensproduktion  
für Subalterne kennen. Spivak warnt daher vor der Konstruktion der Subalternen als Subjekten und  
der Inszenierung der Welt in Repräsentation (vgl. BP.WX.11; Spivak 2008a: 46f.).  
Die Renitenz der vorherrschenden Machtstrukturen wurde schließlich besonders sichtbar,  
als eine der Organisatorinnen des Symposiums das Projektteam darum bat, die Kinder zum Spielen  
in den Hof zu bringen, damit man sie während der Veranstaltung nicht (aus dem Foyer) höre (vgl.  
BP.WX.11). An dieser Stelle wird das doppelte Mandat der Sozialarbeiter:innen (Veranstaltungs-  
vs. Partizipationsorganisation) und damit auch ihr Eingebundensein in die Aufrechterhaltung von  
Herrschaftsverhältnissen transparent, welches laut Spivak im Konflikt mit ihrer institutionellen  
Verantwortungsteht(vgl. Spivak2008a:19–44). DurchdieReduktionderRäumefürdieArtikulationen  
der Kinder wurden diese immer unruhiger. Ein Reproduktionsmechanismus beförderte den nächsten,  
bis es zur Aufführung kam, welche mit Standing Ovations und langanhaltendem Applaus belohnt  
wurde.  
Auch wenn die Aufführung für das Publikum wie die perfekte Teilhabe ausgesehen haben  
mag, macht die machtkritische Analyse die Aufführung im Rahmen des Symposiums zu Kinderarmut  
als besonders verdichteten Hort der Macht transparent.  
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Die Notwendigkeit einer machtkritischen Interventionspraxis für die  
Soziale Arbeit  
Die Forschungsergebnisse lassen darauf schließen, dass auch partizipative Projekte nicht frei  
von Herrschaftsstrukturen sind und die (Re-)Produktion asymmetrischer Machtverhältnisse  
begünstigen können – was im Widerspruch zu ihrer transformativen Zielsetzung steht. Daraus  
ergibt sich die Notwendigkeit eines machtkritischen Umgangs mit der eigenen Eingebundenheit  
in Herrschaftsverhältnisse, welche in einer postkolonialen Welt nicht nur für partizipative Projekte,  
sondern die Soziale Arbeit als Disziplin von zentraler Bedeutung sein muss. Die Herausforderung  
dabei ist, dass Professionist:innen anerkennen müssen, dass ihr Hörverständnis in einer ungleichen  
und postkolonialen Welt hegemonial strukturiert ist. Zu diesem Zweck bedarf es der Etablierung  
einer machtkritischen Interventionspraxis, welche im Sinne eines Verlernens von Privilegien nie  
abgeschlossen werden kann. Aufbauend auf den dargelegten Forschungsergebnissen wurde  
versucht, ein entsprechend agiles und wachsendes Tool zu entwickeln. Dieses vereint zentrale  
spivaksche Kategorien, die transparent gewordenen Dimensionen der Macht, auf Spivaks Konzept  
aufbauende Handlungsebenen und die theaterpädagogische Methode des „Fragen Formulierens“.  
Das Tool kann genutzt werden, um die eigene Arbeitspraxis, persönliche Denkweisen oder  
Projektkonzepte im Sinne einer macht- und diskriminierungskritischen Praxis zu befragen.  
Abbildung 1: Tool zur Entwicklung einer machtkritischen Interventionspraxis  
Das dargestellte Tool zur Entwicklung einer machtkritischen Interventionspraxis wurde in der  
vorliegenden Skizze als Kartenset entwickelt, das sich in drei Hauptebenen unterteilen lässt.  
1. Dimensionen der Macht: Privilegien, Wissen, Personen, Methoden, Raum, Zeit und Geld  
Diese wurden aus den Forschungsergebnissen abgeleitet und sind als pinke Karten  
dargestellt. Sie dienen der Verortung von Machtmechanismen in inhaltlich abgegrenzten  
Dimensionen.  
2. Handlungsebenen: Reflektieren, Intervenieren, Ressourcen-Bereitstellen, Schweigen-  
Vermessen  
Diese wurden in Anlehnung an Spivak formuliert und sind als grüne Karten abgebildet. Sie  
sollen zu einer aktiven Praxis im Umgang mit „Dimensionen der Macht“ auf unterschiedlichen  
Ebenen anregen.  
3. Die unbeschriebenen weißen Karten in der Mitte des Feldes stehen symbolisch für die noch zu  
entwickelnde machtkritische Interventionspraxis, welche einen aktiven und transformativen  
Umgang mit den „Dimensionen der Macht“ forciert.  
Das „Tool zur Entwicklung einer machtkritischen Interventionspraxis“ ist bewusst auf eine  
Selbstbefragung ausgelegt und soll Professionist:innen, die von machtvollen und diskriminierenden  
Strukturen profitieren, in die Verantwortung nehmen, ihre Privilegien als Verluste zu erkennen und  
ihr persönliches „Projekt des Verlernens“ zu initiieren. Angesichts der Unabschließbarkeit eines  
solchen Vorhabens müssen für den Praxiseinsatz weitere Karten aller drei Farben beigelegt und  
Nutzer:innen dazu angeregt werden, weitere Ebenen hinzuzufügen.  
Auch der Austausch und die Zusammenlegung von Wissen durch die Kombination  
individueller Kartensets in Teams ist denkbar und kann für die Entwicklung einer gemeinsamen  
macht- und diskriminierungskritischen Praxis genutzt werden. Denkbar ist auch die Ausrichtung auf  
eine übergeordnete Forschungsfrage (graues Feld). Um das beschriebene Kartenset immer wieder  
neu auflegen und die weißen Karten zuordnen zu können, müssten die einzelnen Karten markiert  
werden.  
Zu guter Letzt bleibt die Frage, was das Ziel der Entwicklung einer machtkritischen  
Interventionspraxis von Professionist:innen ist, wenn laut Spivak die eigene Verflechtung in  
hegemoniale Machtstrukturen nicht ausgehebelt werden kann. Zunächst einmal geht es darum,  
den eigenen Wunsch nach „Reinheit, Transparenz oder Triumphalismus“ (Spivak 1988: 201)  
zu überwinden, Machtstrukturen zu dokumentieren und mögliche erste Schritte hin zu einer  
machtkritischen Interventionspraxis (auf den weißen Karten) zu formulieren. Das Ziel sollte dabei  
eine machtkritischere und interventionistischere Positionierung partizipativer Projekte und der  
(sozialräumlichen) Sozialen Arbeit als Disziplin sein, welche den machtvollen Wirkungsweisen  
postkolonialer Kontinuitäten zu begegnen versucht. Eine solche Weiterentwicklung muss dann  
bedeuten, dass partizipative Projekte ebenso wie die Soziale Arbeit darauf ausgerichtet werden,  
sich als temporären Partizipations-Zwischenschritt selbst überflüssig zu machen. Denn solange  
die Subalternen in der Rolle der Expert:innen des Alltags, ihrer eigenen Lebenswelt oder anderer  
„Zielgruppen“ festgeschrieben werden, bleiben ihre Artikulationen und Subjektivierungen  
auf gesamtgesellschaftlicher Ebene konstruiert. Erst wenn Subalterne zunehmend selbst zu  
Regisseur:innen, Bürgermeister:innen und wissenschaftlichen Expert:innen werden, wenn sie  
andere privilegierte Positionen innerhalb der Hegemonie einnehmen und aus ihrer subalternen  
Position heraustreten, kann nach Spivak danach gefragt werden, ob und wie sie ihre volle  
Artikulationsfähigkeit entfalten können.  
Literatur  
Boal, Augusto (2013): Theater der Unterdrückten. Frankfurt am Main: Suhrkamp.  
Bücken, Susanne (2022): weiße Anschauungsweisen. Andere-Werden in der Wunderkammer der  
Kulturellen Bildung. In: Falk, Friederike/Schüler, Eliana/Zinsmaier, Isabelle (Hg.): Zeitgenössische  
Theaterpädagogik. Macht- und diskriminierungskritische Perspektiven. Bielefeld: transcript, S. 55–  
74.  
Castro Varela, María do Mar/Dhawan, Nikita (2020): Postkoloniale Theorie. Eine kritische Einführung.  
Bielefeld: transcript.  
Dreysse, Miriam/Malzacher, Florian (2017): Vorwort. In: Dies. (Hg.): Rimini Protokoll. Experten des  
Alltags. Das Theater von Rimini Protokoll. Berlin: Alexander, S. 8–11.  
Kurzenberger,Hajo(2014):DieBürgerbühne.ZurGeschichteundEntwicklungeinerpartizipatorischen  
Theaterform. In: Kurzenberger, Hajo/Tscholl, Miriam (Hg.): Die Bürgerbühne. Das Dresdener Modell.  
Berlin: Alexander, S. 23–37.  
Malzacher, Florian (2017): Dramaturgien der Fürsorge und Verunsicherung. Die Geschichte von  
Rimini Protokoll. In: Dreysse, Miriam/Malzacher, Florian (Hg.): Rimini Protokoll. Experten des Alltags.  
Das Theater von Rimini Protokoll. Berlin: Alexander, S. 14–43.  
Mayring, Philipp (2010): Qualitative Inhaltsanalyse: Grundlagen und Techniken. Weinheim/Basel:  
Beltz.  
Müller, Joana (2023): Eine Bürger:innenbühne für die Subalternen? Eine explorative Erforschung  
von Potenzialen und Grenzen partizipativer Theaterarbeit aus einer postkolonialen Perspektive  
nach Spivak. Unveröffentlichte Masterarbeit. FH Campus Wien.  
Spivak, Gayatri Chakravorty (1988): Can the Subaltern speak? In: Nelson, Cary/Grossberg, Lawrence  
(Hg.): Marxism and the interpretation of culture. Urbana: University of Illinois Press, S. 66–111.  
Spivak, Gayatri Chakravorty (2008a): Can the Subaltern speak? Wien: Turia + Kant.  
Spivak, Gayatri Chakravorty (2008b): Ein Gespräch über die Subalternen. In: Spivak, Gayatri  
Chakravorty (Hg.): Can the Subaltern speak? Wien: Turia + Kant, S. 119–159.  
Steyerl, Hito (2008): Die Gegenwart der Subalternen. In: Spivak, Gayatri Chakravorty: Can the  
Subaltern speak? Wien: Turia + Kant, S. 5–16.  
Thiersch, Hans/Grunwald, Klaus (2018): Lebensweltorientierung. In: Otto, Hans-Uwe/Thiersch,  
Hans/Treptow, Rainer/Ziegler, Holger (Hg.): Handbuch Soziale Arbeit. Grundlagen der Sozialarbeit  
und Sozialpädagogik. München: Ernst Reinhardt, S. 906–915.  
Tscholl, Miriam (2011): Liebe Bürgerinnen und Bürger, verehrtes Publikum. In: Staatsschauspiel  
Dresden (Hg.): die Bürgerbühne, Spielzeit 2011/2012, o.S.  
Über die Autorin  
Joana Müller, MA  
Arbeitet an der Schnittstelle von partizipativer Kunst und sozialräumlichen Praxen im öffentlichen  
Raum. Ist Absolventin des Masterstudiums Sozialraumorientierte Soziale Arbeit und als  
machtkritische Kunstvermittlerin, Kuratorin und Forscherin tätig.