soziales_kapital

soziales_kapital
wissenschaftliches journal österreichischer fachhochschul-studiengänge soziale arbeit
Nr. 3 (2009) / Rubrik "Rezensionen" / Standortredaktion Graz
Printversion: http://www.soziales-kapital.at/index.php/sozialeskapital/article/viewFile/141/199.pdf


Carlos Watzka: Sozialstruktur und Suizid in Österreich. Ergebnisse einer epidemiologischen Studie für das Land Steiermark. VS Verlag für Sozialwissenschaften. Wiesbaden 2008

417 Seiten / 49,90 EUR

Ausgehend vom Sachverhalt, dass im Bundesland Steiermark ein im Vergleich zu anderen Regionen Österreichs überdurchschnittlich hoher Anteil der Bevölkerung durch Suizid aus dem Leben scheidet sowie dem Forschungsstand zur Epidemiologie des Suizids untersuchte der Autor auf der Grundlage umfassenden Datenmaterials makro- und mikrosoziologische Zusammenhänge dieses Sachverhalts.

Bestechend an diesem Buch sind die differenzierende und umfassende statistische Forschungsmethodik, die übersichtliche Darstellung der Ergebnisse der Untersuchung und nicht zuletzt die praxisorientierte Interpretation. Dies ist auch der Grund dafür, dass diese Arbeit im renommierten VS Verlag erschien.

Acht Variable kristallisierten sich zur Erklärung von Differenzen in den Suizidraten heraus: kollektives Bildungsniveau, ökonomisches Niveau, Wohnstruktur, psychosozial-psychiatrische-psychotherapeutische Versorgung, demografische Entwicklung, Erwerbsstruktur, ethnisch-kulturelle Struktur und landschaftliche Struktur. Daraus werden vom Autor nicht weniger als 18 Vorschläge für die Suizidprävention herausgearbeitet, die in einem Mix von Maßnahmen umgesetzt werden sollen.

Dieses Buch erhellt die komplexen sozialen Faktoren für das weit verbreitete Phänomen Suizid ohne zu vereinfachen und ist für die Sozialarbeit von mehrfacher Bedeutung: methodologisch als Paradigma einer soziologischen Forschungsarbeit, fachpolitisch als Anstoßgeber für gezielte Entwicklung von adäquaten Dienstleistungen und praktisch, insofern es den in der Suizidarbeit wirkenden SozialarbeiterInnen eine Reihe von Anstößen dafür gibt, in den einzelnen Fällen nicht nur nach psychischen, sondern auch nach sozialen Ursachen zu suchen.

Es handelt sich weniger um einen leicht lesbaren Essay, sondern eher um ein Nachschlagewerk auf höchstem Niveau.

Klaus Posch / klaus.posch@fh-joanneum.at






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