soziales_kapital

soziales_kapital
wissenschaftliches journal österreichischer fachhochschul-studiengänge soziale arbeit
Nr. 3 (2009) / Rubrik "Rezensionen" / Standortredaktion Graz
Printversion: http://www.soziales-kapital.at/index.php/sozialeskapital/article/viewFile/142/201.pdf


Nikolaus Dimmel, Karin Heitzmann & Martin Schenk (Hrsg.): Handbuch Armut in Österreich. Studienverlag. Innsbruck, Wien und Bozen 2009

780 Seiten / 39,90 EUR

Mit dem Handbuch "Armut in Österreich" wurde eine Lücke in der wissenschaftlichen Auseinandersetzung mit dem Phänomen Armut in Österreich geschlossen - was längst fällig war. 48 Beiträge sind folgenden Unterabschnitten zugeordnet:

  • Soziale Ungleichheit und Armut
  • Ursachen und Folgen von Armut: Einflussfaktoren, spezielle Erscheinungsformen und Bewältigungsstrategien
  • Akteure
  • Instrumente und Maßnahmen der Bekämpfung von Armut
  • Armutsdiskurse
  • Perspektiven

Bereits aus der Anzahl der Beiträge und Titel der Unterabschnitte ist erkennbar, dass es sich um ein höchst ambitioniertes Buchprojekt handelt, das nach Meinung des Rezensenten in jede Fachbibliothek aber auch in die sozialer Unternehmen gehört und von den Praxis- und OrganisationsexpertInnen zur Weiterbildung und Grundlegung von Entscheidungen herangezogen werden soll.

Den HerausgeberInnen, Nikolaus Dimmel ist Universitätsprofessor am Fachbereich Sozial- und Wirtschaftswissenschaften der Juristischen Fakultät Salzburg, Karin Heitzmann Assistenzprofessorin am Institut für Sozialpolitik der Wirtschaftsuniversität Wien und Martin Schenk, Sozialexperte der Diakonie Österreich und Mitarbeiter der Armutskonferenz, ist es gelungen, den Stand der Armutsforschung nicht nur darzustellen sondern von den AutorInnen der einzelnen Beiträge auch kritisch hinterfragen zu lassen. Die skeptische Haltung gegenüber der Sozialarbeit wird immer wieder sichtbar und wird gut begründet. Insofern fordert das Buch mit diesem Thema auch die Theoretiker der Sozialen Arbeit heraus, die sich zunehmend häufig mit Meta-Metatheorien wie der Systemtheorie und zunehmend selten mit den Phänomenen von Armut auseinander setzen.

Ausgelöst durch die Finanzkrise wird das Thema Armut nun auch in der breiteren Öffentlichkeit diskutiert und findet seinen Weg sogar ins schöngeistige Feuilleton - wohl mit der Erwartung, dass morgen bereits wieder ein anderes Thema "wichtig" ist. Wer will schon täglich mit Armut als Phänomen, mit Analysen des Phänomens und eingreifenden Argumenten konfrontiert werden - und das auf nahezu 800 Seiten?

Wenigstens die SozialarbeiterInnen sollen sich in Praxis und Theorie wieder mehr damit auseinander setzen!

Klaus Posch / klaus.posch@fh-joanneum.at






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