soziales_kapital

soziales_kapital
wissenschaftliches journal österreichischer fachhochschul-studiengänge soziale arbeit
Nr. 3 (2009) / Rubrik "Rezensionen lang" / Standortredaktion Vorarlberg
Printversion: http://www.soziales-kapital.at/index.php/sozialeskapital/article/viewFile/162/237.pdf


Rezensionen zum Thema "Eignungsbeurteilungen"

Aus mindestens zwei Gründen scheint es trivial und überflüssig, auf den Wert beruflicher Bildung in heutiger Zeit zu verweisen. Erstens ist vieles darüber gesagt, sind annähernd alle Dimensionen hinreichend begründet (meist im Kontext von Stichworten wie Globalisierung, Lernende Organisation, Wirtschafts- und Finanzkrise, Risikogesellschaft, Bildungsdruck, selbstherzustellende Biographie, Humankapital u.v.a.). Zweitens spüren wir alle in unseren spezifischen Berufsfeldern, dass und wie berufliche Aus-, Fort- und Weiterbildung als Anpassungs-, Aufstiegs- oder Umstiegsqualifizierung zu einem Bestandteil auch unserer Lebenswelt geworden ist. Warum also hierzu rezensieren? Die Antwort ist einfach: Um die Bedeutung von "Bildung" (was mehr meint als formale Qualifizierung) im Berufsleben zu betonen, und weil die folgenden Beiträge zeigen, dass dem Thema stets auch unerwartete, interessante und innovative Aspekte abzugewinnen sind.

Das Thema "Soziales Kapital" hat u.a eine eignungsdiagnostische Facette. Auf Individualebene geht es beim Thema darum, welches Soziale Kapital eine Person besitzt, womit i.d.R. ihre Netzwerkressourcen gemeint sind, aber in einem weiteren salutogenetischen Verständnis auch ihre individuellen Ressourcen und Coping-Strategien. Werden individuelle Persönlichkeitsvariablen von Dritten bewertet, sprechen wir von Eignungsdiagnostik oder auch von psychologischer Diagnostik. Welche Aspekte dabei bedeutsam sein können, bringen die untenstehenden Werke nahe.

Westhoff, K. u.a. (Hrsg.): Grundwissen für die berufsbezogene Eignungsbeurteilung nach DIN 33430. Pabst. 22005

298 Seiten / 30,00 EUR

DIN 33430 ist eine Qualitätsnorm zu Anforderungen bezüglich Verfahren der Eignungsdiagnostik, um diese auf einem gehobenen und standardisierten Niveau personen- und sachgerecht durchführen zu können. Wie das Handbuch darlegt, können Personalbeurteilende dieses Gütesiegel erwerben und sich damit als professionell ausweisen. Für diese Aufgabe breitet das Handbuch nötiges Basiswissen aus und setzt damit seinen im Titel formulierten Anspruch um. Abgehandelt werden zunächst - für Deutschland - rechtliche Rahmenbedingungen, aber auch internationale Qualitätsstandards aus dem Bereich Personalentwicklung. Weiterhin vermittelt das Werk Verständnis für die Standards von Verhaltensbeobachtungen und -beurteilungen, Einstellungsinterviews, Anforderungsanalysen und zusammenfassenden Eignungsbeurteilungen. Seine praktischen Handreichungen entsprechen dem testtheoretischen und psychologischen Wissensstand und lassen sich auf jeden Fall direkt umsetzen, auch wenn die Leserin oder der Leser nicht sofort ein Gütesiegel erwerben will. Dafür dient das Buch aber auch, und zwar als Vorbereitung auf die Lizenzprüfung.

Westhoff, K. (Hrsg.): Das Entscheidungsorientierte Gespräch (EOG) als Eignungsinterview. Pabst. 2009

152 Seiten / 29,50 EUR

Ergänzend zum erstgenannten Werk bieten die Autorinnen und Autoren des Sammelbands eine vertiefte Analyse des im Titel genannten Interviewverfahrens "EOG". Sie vermitteln Basiskompetenzen der Interviewführung, weswegen sich der in Hardcover publizierte Band auch für eine Leserschaft eignet, die Interviews mit anderen Zielstellungen umsetzt. Die probaten Tipps lassen sich zum Beispiel auch bei mündlichen Prüfungen oder qualitativen Erhebungen verwenden. Methodische Hinweise des Werks sind beileibe nicht als "hemdsärmelige Praxis" anzusehen. Vielmehr ist seine hohe Qualität dadurch begründet, dass alle Hinweise auf empirisch gesicherter Erkenntnis fußen. So ist das Buch auch bestens abgerundet, weil es Theoriegrundlagen ebenso vermittelt wie Aspekte der Planung, Durchführung und Auswertung des EOG - und alles mit Blick auf eine praktikable und zugleich evidenzbasierte Umsetzung.

Pospeschill, M. & Spinath, M.: Psychologische Diagnostik. UTB Reinhardt. 2009.

152 Seiten / 24,90 EUR

Mit diesem Buch liegt ein sehr brauchbares Einführungswerk in die Psychodiagnostik vor. Es stellt zwar zunächst allgemeine Grundlagen empirischer Erhebung dar, die der forschungsaffinen Leserschaft aus anderen Kontexten bekannt ist, was sich durchaus für ein Einführungswerk gehört. Darüber hinaus handelt es aber auch spezifische Aspekte der Diagnostik ab. Diese dürften nicht nur für Studierende oder Praktizierende der Psychologie interessant sein, auch wenn zum Einsatz vieler psychodiagnostischer Verfahren, etwa im klinischen Bereich, eine entsprechende Berufsqualifikation gefordert ist. Erfreulicherweise verweist das Buch diesbezüglich auch auf einige rechtliche Aspekte, was in derartigen Lehrbüchern oft zu kurz kommt. Im Zentrum stehen Diagnostikstrategien und -techniken aus den Bereichen der arbeits- und organisationspsychologischen, klinisch-psychologischen und -neurologischen sowie der pädagogisch-psychologischen Diagnostik. Das Buch schließt mit einem Aufriss über Probleme und weiterführende Herausforderungen zum Thema. Insgesamt eignet es sich auch für Sozialarbeiterinnen und Sozialarbeiter als Einführung in die klientenorientierte Diagnosepraxis. Denn psychodiagnostische Methoden begegnen ihnen spätestens innerhalb der Arbeit in transdisziplinären Teams.

Preckel, F. & Brüll, M.: Intelligenztests. UTB Reinhardt. 2008.

98 Seiten / 9,90 EUR

Das einführende Taschenbuch ähnelt in seiner Art der Reihe "Pocket Power", wie sie in dieser Ausgabe unter dem Begriff "Qualität" vorgestellt wurde. Denn es bietet knapp und pointiert den Diskussionsstand zu einem Spezialthema - hier: Intelligenzmessung - dar. In diesem Sinn eignet es sich für den ersten und leichten Einstieg. Der Hauptteil handelt neurologische und biologische Hintergründe zum Konstrukt "Intelligenz" knapp ab sowie historische Entwicklungen und methodische Ausprägungen von Tests, die mehr oder weniger umfassend den menschlichen IQ erheben. Einige der zur Zeit gebräuchlichsten Testverfahren werden kurz skizziert, und abschließend verdeutlicht ein Fallbeispiel den Umgang mit spezifischen Problematiken im Zuge der Intelligenzmessung. Getreu dem Motto "Intelligenz ist, was der Intelligenztest misst", benötigt das Thema aber vertiefende Literaturstudien, um die Güte von Tests und ihre Einsatzmöglichkeiten bewerten zu können (ganz abgesehen davon, dass das Goleman'sche Konstrukt emotionaler Intelligenz nicht im Buch erörtert wird).

Frederic Fredersdorf / fre@fhv.at






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