soziales_kapital

soziales_kapital
wissenschaftliches journal österreichischer fachhochschul-studiengänge soziale arbeit
Nr. 4 (2009) / Editorial
Printversion: http://www.soziales-kapital.at/index.php/sozialeskapital/article/viewFile/175/265.pdf


Editorial Online-Journal "soziales_kapital" - für die 4. Ausgabe Juni 2009

Im Spannungsfeld des Trippelmandats Sozialer Arbeit - also zwischen Interessen der Klientinnen und Klienten, des Staates und der menschenrechtsorientierten Eigenmandatierung - stehen ebenfalls soziale Trägerorganisationen. Die drei Mandate Sozialer Arbeit spiegeln sich in NGO's und NPO's oft in Form widerstreitender Mehrfachfunktionen in den Tätigkeitsfeldern, Strukturen und Prozessen wider, was zum einen die internen Mechanismen beeinflusst und zum anderen die Beziehungen zu den diversen gesellschaftlichen Anspruchsgruppen. Weil sie sich zu großen Teilen aus Steuergeldern finanzieren, sind soziale Organisationen zudem genötigt, sich umfassend qualitativ und quantitativ zu legitimieren - nach außen wie innen. Dieser Problembereich wird in der Fachdebatte etwa um die Frage nach einem spezifischen Marketing für soziale Organisationen diskutiert (z.B. Engel 2008)1 oder um die Frage nach einer spezifischen Unternehmensethik für den Social-Profit-Sektor (z.B. Jünemann & Kilz 2009).2

In dieser Ausgabe greifen wir den Organisationsdiskurs in der Sozialen Arbeit mit folgenden Beiträgen auf:

Paul Reinbacher erörtert moralisch-ethische Aspekte des Organisationsdiskurses in der Sozialen Arbeit und schlägt dabei eine Brücke von Non-Profit-Organisationen zu erwerbswirtschaftlichen Unternehmen. Hemma Mayrhofer beschäftigt sich mit den Erscheinungsformen organisierter Sozialer Arbeit aus einer soziologischen Perspektive. Brigitte Kratzwald analysiert den Wechsel, den soziale Träger von wertorientierten Non-Profit-Organisationen zu wettbewerbsfähigen Dienstleistungsunternehmen vollzogen haben bzw. vollziehen mußten. Elisabeth Hammer und Marc Diebäcker schließen mit ihrem Beitrag zu den Dimensionen sozialer Innovation und der Produktion von Teilhabegerechtigkeit an das unten genannte EQUAL-Projekt an. Anhand einer weiterführenden empirisch Studie beleuchten sie das Verständnis von sozialer Innovation aus der Perspektive einreichender ProjekträgerInnen. Ren L. Kellem und Sandra Hasenburger diskutieren Effekte von Implementierungen und Zertifizierungen von Qualitätsmanagementsystemen in sozialen Diensten und in der Sozialen Arbeit. Walburga Fröhlich analysiert Austauschbeziehungen zwischen sozialen Dienstleistungsorganisationen und Verwaltungsstellen vor dem Hintergrund der Ressourcenabhängigkeitstheorie. Marc Diebäcker, Judith Ranftler, Tamara Strahner und Gudrun Wolfgruber thematisieren das "alltägliche Leiden in sozialen Organisationen" anhand von Ergebnissen des zweijährigen EQUAL-Teilprojekts "Fachliche Standards in der Sozialarbeit: gestern - heute - morgen". Johannes Herwig-Lempp reflektiert die historische und organisationale Rolle von Frauen in der Armenpflege aus bayerischer Perspektive am Beispiel der Tätigkeit von Luise Kiesselbach, ehemaliges Mitglied des Stadtrats München. Martin Zauner und Julia Boschmann stellen das Projekt "Stigma (L)adé" vor, das sich mit Möglichkeiten zur Entstigmatisierung psychisch erkrankter Menschen beschäftigt.

Dann wollen wir noch auf zwei Wechsel aufmerksam machen:

Nach intensiver Unterstützung unseres Journals in seiner Gründungs- und Anfangsphase befindet sich nun Karl Dvorak, ehemaliger Rektor der FH St. Pölten, im wohlverdienten Ruhestand. Die Redaktion bemüht sich, ihn zukünftig als wissenschaftlichen Beirat zu gewinnen. In unser aller Namen: "Vielen Dank, Karl, für deine stets konstruktive, kompetente, freundlich-gelassene und offene kollegiale Art, die unsere gemeinsame Arbeit so fruchtbar werden ließ!"

Weiters haben wir drei neue HerausgeberInnen gewinnen können: Gertraud Pantucek, Leiterin des Bachelorstudiums Soziale Arbeit an der FH St. Pölten, Christian Stark, Leiter des Masterstudiums Soziale Arbeit an der FH Linz und Michael Himmer, Leiter der sozialarbeiterischen Studiengänge an der FH Vorarlberg. Ebenfalls in unser aller Namen: "Seid herzlich im Team des Online-Journals 'soziales kapital' willkommen!"

Die Redaktion wünscht auch für diese Ausgabe allen Leserinnen und Lesern interessante Anregungen und lädt zum Diskurs! Wir freuen uns über die eingegangenen aktuellen Beiträge und über die zu erwartenden für eine der nächsten Nummern.


Verweise
1 Engel, Georg (2008): Event Marketing für soziale Nonprofit Organisationen. Diplomica: Hambur
2 Jünemann, Elisabeth & Kilz, Gerhard (Hrsg.) (2009): Die Zehn Gebote - Orientierung für gerechte Strukturen: Für eine menschenwürdige Kultur in wirtschaftlichen, sozialen und politischen Organisationen. Bonifatius: Paderborn.






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