soziales_kapital

soziales_kapital
wissenschaftliches journal österreichischer fachhochschul-studiengänge soziale arbeit
Nr. 5 (2010) / Rubrik "Rezensionen lang" / Standortredaktion Vorarlberg
Printversion: http://www.soziales-kapital.at/index.php/sozialeskapital/article/viewFile/179/273.pdf


Jansen, Dorothea: Einführung in die Netzwerkanalyse - Grundlagen, Methoden, Forschungsbeispiele. VS Verlag für Sozialwissenschaften. Wiesbaden 32006

312 Seiten / 29,90 EUR

Hierbei handelt es sich um nichts Geringeres als um ein Standard-Einführungswerk zu einem Thema, das eng an der Diskussion um Sozialkapital anliegt. Ob in der Sozialen Arbeit, Sozialforschung oder Sozialberichterstattung, Netzwerkanalysen stellen einen Hauptweg empirischer Erhebungen dar, um soziale Zustände systemisch zu beschreiben. Das Buch führt in seiner dritten überarbeiteten Auflage breit in die anglo-amerikanischen Wurzeln der Netzwerkforschung ein, bevor es die Funktion von egozentrierten Netzwerken und entsprechende Erhebungs- und Auswertungsmethoden näher darstellt. In einem Abschlusskapitel präsentiert die Autorin zudem die Bedeutung von Netzwerkanalysen für die Bestimmung von Sozialkapital, was das Buch trefflich abrundet. Sollte das Werk noch nicht zum Standard der hochschulischen Ausbildung in sozialen Berufsfeldern und Disziplinen gehören, wird es Zeit es anzuschaffen und in Curricula bzw. Lehrveranstaltungen verbindlich aufzunehmen.


Lüdicke, Jörg & Diewald, Martin (Hrsg.): Soziale Netzwerke und soziale Ungleichheit. Zur Rolle von Sozialkapital in modernen Gesellschaften. VS Verlag für Sozialwissenschaften. Wiesbaden 2007

301 Seiten / EUR 39,95

Wie die Debatte um Sozialkapital zeigt, werden soziale Netzwerke nicht nur mit Blick auf Ressourcen von Menschen, Gruppen, Organisationen und Regionen beschrieben und analysiert. Ohne Zweifel fördert ein salutogenetischer Blick auf Sozialstrukturen zunächst die konstruktive Auseinandersetzung mit menschlichen Potenzialen. Einige der neun Beiträge dieses Sammelbands stellen jedoch dar, inwiefern allein damit aber die andere Seite der Medaille - beziehungsweise die Komplexität sozialer Wirkungsgefüge - unberücksichtigt bleibt, nämlich die Frage nach den Ursachen und Bewältigungsmöglichkeiten für soziale Ungleichheit. Die Artikel fokussieren unterschiedliche Aspekte dieser ergänzenden Perspektive wie etwa ungleichheitsgenerierende Effekte von Sozialkapital im Organisationskontext, Aspekte informeller sozialer Kontrolle in der multi-ethnischen Gesellschaft mit spezifischem Fokus auf eine „Kultur der Ehre“ oder die Frage nach dem Zusammenhang von Armut/Deprivation und sozialer Integration. Indem einige Autorinnen und Autoren auch destruktive Elemente sozialer Netzwerkbildung thematisieren, richten sie unsere Wahrnehmung darauf, dass Sozialkapital nicht per se positiv konnotiert ist. Denn in der modernen Gesellschaft existieren weiterhin Menschen in prekären Lebenslagen mit nur geringen Anteilen an (konstruktivem) Sozialkapital. Und es gibt spezifische soziale Netzwerke mit dysfunktionaler (negativer) Wirkung - bezogen auf ein menschengerechtes Gemeinschaftsleben in und zwischen Subkulturen sowie zwischen Subkulturen und dem demokratischen Gesellschaftssystem. Makrostrukturell betrachtet, sind derartigen Faktoren spezifische Formen sozialer Integration und Solidarität entgegenzusetzen, worauf im vorliegenden Sammelband die beiden letzten Artikel auf empirischer Grundlage verweisen. Alles in allem markieren diese Ergebnisse einer Tagung einen beachtenswerten Diskussionsbeitrag.

Frederic Fredersdorf / fre@fhv.at






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