soziales_kapital

soziales_kapital
wissenschaftliches journal österreichischer fachhochschul-studiengänge soziale arbeit
Nr. 8 (2012) / Rubrik "Rezensionen lang" / Standortredaktion Vorarlberg
Printversion: http://www.soziales-kapital.at/index.php/sozialeskapital/article/viewFile/236/396.pdf




Evaluation zur Förderung von Sozialem Kapital


Wie im Online-Journal Soziales Kapital früher bereits ausgeführt, erfordert es einer spezifischen Expertise in Evaluation, soziale Prozesse mit Blick auf eine zu optimierende Handlungspraxis professionell und nutzbringend zu begleiten. Dabei geht es um mehr als nur darum, formale Kriterien eines Qualitätsmanagements oder einer empirischen Sozialforschung zu erfüllen. Vielmehr kommen der Evaluation für die gesellschaftliche Weiterentwicklung vier Grundfunktionen zu, die Thomas Widmer im ersten hier rezensierten Sammelband von Reinhard Stockmann mit den Termini „Verantwortlichkeit, Verbesserung, Wissenserweiterung und Strategie“ bezeichnet. Indem Evaluation diesen vier Ansprüchen gerecht werden kann, gelingt es ihr, rein technokratisch verstandenes Controlling zu überwinden und Soziales Kapital auf Basis von Empowerment, kombiniert mit Evidenz, mitzugestalten.

Die ersten drei nachstehenden Rezensionen stellen Auszüge aus der Reihe „Sozialwissenschaftliche Evaluationsforschung“ von Reinhard Stockmann vor. Stockmann ist Professor für Soziologie und leitet das „Centrum für Evaluation“ an der Universität des Saarlandes. Zudem gründete er die „Zeitschrift für Evaluation“, bei der er als geschäftsführender Herausgeber fungiert. Mit seiner Buchreihe tragen er und die Autorinnen und Autoren wesentlich zur Professionalisierung von Evaluation in- und außerhalb akademischer Institutionen bei &ndash: ein ausreichender Grund, die Reihe an dieser Stelle entsprechend zu würdigen.



Stockmann, R. (Hrsg.): Evaluationsforschung. Waxmann. Münster u. a.3 2006


420 Seiten / EUR 29,90

Der erste Band der Reihe präsentiert relevante Ansätze der Evaluationsforschung aus den USA und Europa, mit Fokus auf Deutschland. Renommierte Fachleute aus den Bereichen Arbeitsmarktforschung, Bildungsökonomie, Ökologie, Umweltsoziologie, Politikwissenschaften, Technikbewertung, Programmevaluation u. a. entwickeln im ersten Teil theoretische, methodische und historische Grundlagen zur Entwicklung der Evaluationsforschung &ndash: teilweise in englischer Sprache. Der zweite Teil stellt sieben ausgewählte Felder der Evaluationsforschung vor zwischen Verwaltung, Schule und Hochschule, Arbeitsmarkt, Umwelt und Entwicklungspolitik. Auch in seiner dritten Auflage eignet sich der im Jahr 2000 erstmals aufgelegte Sammelband bestens als Einstiegs- und Übersichtswerk für Studierende und in der Evaluation Tätige.



Stockmann, R.: Evaluation und Qualitätsentwicklung. Waxmann. Münster 2006


375 Seiten / EUR 29,90

Band fünf der Reihe verknüpft die Bereiche Evaluation und Qualitätsmanagement miteinander und konzentriert sich auf Ansätze der Wirkungsforschung im staatlichen und nichtstaatlichen Non-Profit- bzw. Social-Profit-Bereich. Stockmann diskutiert Gemeinsamkeiten und Unterschiede zwischen QM-Ansätzen (z. B. EFQM, TQM) und Evaluation, stellt die spezifischen Anforderungen von NPO dar und überträgt u. a. verschiedene theoretische Ansätze von Evaluation (Lebenslauf-, Wirkungs-, Organisations-, Innovations- und Nachhaltigkeitsansätze) auf die besonderen Rahmenbedingungen sozialer Organisationen. Mit über hundert Seiten bietet das Buch weiterhin einen breiten Diskurs zur Methodik von Evaluation, in dem Aspekte von Struktur, Design, Bearbeitung, Bewertung, Erhebung und Sozialkontext ebenso diskutiert werden wie die Rolle der Evaluatoren im Kontext eines partizipativen Ansatzes. In ihrem Anspruch, sozialen Nutzen zu stiften &ndash: der im Sinne unseres Journals auch als Soziales Kapital interpretiert werden darf &ndash: erkennt Stockmann den wesentlichen Unterschied zwischen Evaluation und sonstiger empirischer Sozialforschung.



Stockmann, R. (Hrsg.): Handbuch zur Evaluation. Waxmann. Münster u. a. 2007


365 Seiten / EUR 29,90

Band sechs der Reihe „Sozialwissenschaftliche Evaluationsforschung“ ist verstärkt handlungspraktisch ausgerichtet. Das heißt, neben drei eher theoriebezogenen und einführenden Kapiteln, stellen in ihm sieben weitere Kapitel umsetzungsrelevante Elemente von Evaluation vor: Aspekte des organisatorischen Ablaufs, des Designs, des Sozialkontextes, des Messens, der Datenerhebung, des Datenmanagements und des Reportings. Wer bis dato noch keine methodologischen sozialwissenschaftlichen Werke zur Kenntnis genommen hat, ist mit diesem Buch bestens beraten. Denn es bietet Handlungsrichtlinien bis hin zur detaillierten Beschreibung; zum Beispiel, wie ein standardisierter quantitativer Fragebogen sinnvoll codiert werden kann, oder mit welcher Systematik das „Centrum für Evaluation“ qualitative Daten strukturiert auswertet. Gerade in seiner praxeologischen Detailliertheit und guten Nachvollziehbarkeit weist der Sammelband über „klassische“ Einführungswerke in die empirische Sozialforschung hinaus. Ebenso dürften Lesende von dem Handbuch angesprochen werden, die daran interessiert sind, empirische sozialwissenschaftliche Aspekte im Kontext von Evaluation zu reinterpretieren. Für diese Zielgruppe mag vermutlich auch Kapitel drei bedeutsam sein, in dem spezifische QM-Ansätze der betriebswirtschaftlichen Praxis (Controlling, Balanced Scorecard, Benchmarking, Auditing) mit Blick auf Evaluationsansprüche kritisch reflektiert werden.



Zwei weitere Werke ergänzen sinnvoll die obengenannte Reihe und werden daher in diesem Kontext vorgestellt. Das ist zum einen eine Abhandlung über Selbstevaluation in der Lehre und zum anderen ein alternatives statistisches Methodenbuch, das einen Bogen von einführenden Aspekten bis hin zu elaborierten Prozeduren spannt, die im Rahmen wissenschaftlicher Qualifikationsarbeiten benötigt werden.



Beywl, W., Bestvater, H. & Friedrich, V: Selbstevaluation in der Lehre. Ein Wegweiser für sichtbares Lernen und Lehren. Waxmann. Münster 2011


208 Seiten / EUR 29,90

Selbst- und Fremdevaluation der Lehre gehört heutzutage zu den Standards professionell agierender Bildungsorganisationen wie der in ihnen professionell tätigen Lehrkräfte. Mit dem Band „Selbstevaluation in der Lehre“ legen der im Bereich Evaluation seit über zwei Jahrzehnten bestens ausgewiesene Professor Wolfgang Beywl und seine beiden Autorinnen ein Grundlagenwerk zum Thema auf. Das Buch ist überwiegend handlungspraktisch ausgerichtet und als Einführungswerk in die Materie gestaltet. Damit wendet es sich an Lehrkräfte mit eher geringen Vorkenntnissen und Erfahrungen in sozialwissenschaftlicher Methodologie. In probater Publikationsmanier unterbreiten die Autorinnen und der Autor nach einem einführenden Theoriekapitel wesentliches Rüstzeug, um eine Selbstevaluation eigener Lehrveranstaltungen nach empirischen Kriterien korrekt durchzuführen &ndash: von der Art der Fragestellungen über die Entwicklung eines Instruments, Formen der Datenerhebung und -auswertung bis hin zum anschließenden Feedback an die Teilnehmenden oder den Veranstalter. Das Buch wird mit Praxisbeispielen und einer Darstellung von sieben über einen Fragebogen hinausgehende Methoden der Selbstevaluation abgerundet. Im Anhang befinden sich diverse Checklisten für Fragestellungen, Lernzieldefinitionen u. a. Fazit: Für den Einstieg ist das Buch bestens geeignet, für „alte Hasen“ im Metier bietet es vielleicht im Kapitel zu den weiteren Erhebungsmethoden den ein oder anderen neuen Impuls.



Kubinger, K. D., Rasch, D. & Yanagida, T.: Statistik in der Psychologie. Vom Einführungskurs bis zur Dissertation. Lehrbuch. Hogrefe. Göttingen u. a. 2011


596 Seiten / EUR 59,95

„Statistik in der Psychologie“ ist ein fulminantes alternatives, aber auch ergänzendes, Lehrwerk, das sich für Studienanfängerinnen und -anfänger ebenso eignet wie für eine in der sozialwissenschaftlichen Empirie fortgeschrittene Zielgruppe. Das Werk besticht durch mehrere lern- und arbeitsförderliche Gestaltungsmerkmale:

  • einen nicht allzu elaborierten Sprachstil (der sich bei diesem Thema nicht wirklich vermeiden lässt, da hier ein Fachdiskurs mit seinen spezifischen Termini unterbreitet wird);
  • den weitgehenden Verzicht auf die mathematische Darstellung statistischer Kennziffern;
  • den breit gespannten Bogen von den Grundlagen des Messens und der Analysemethodik über die Gebiete der beschreibenden und schließenden Statistik für ein und mehr Merkmale bis zu Stichproben mit mehr als einer Grundgesamtheit und mehr als zwei Merkmalen sowie einem Kapitel über Modellbildung und theoriebildende Verfahren, die über linear vermutete Zusammenhänge hinausweisen beziehungsweise mehrfaktorielle Analysemethoden enthalten;
  • auch für fortgeschrittene Anwenderinnen und Anwender interessante Zusatzanmerkungen im Fließtext, die einige überaus spezielle Hintergründe einzelner Anwendungen erläutern;
  • konkrete Umsetzungsbeispiele aus der empirischen Forschung;
  • eine gelungene Visualisierung und Umsetzung eingebrachter Beispiele an zwei Statistikprogrammen: Das ist einerseits die Syntax des Freeware-Programms „R“, das sich aufgrund seiner Kostenfreiheit größer werdender Beliebtheit erfreut. Andererseits sind das die Kopien der Beispiele von Menübefehlen und Ergebnissen des seit Jahrzehnten weit verbreiteten Programms „SPSS“.

Das Buch gehört ab heute zu meinem unverzichtbaren Handapparat.


Frederic Fredersdorf / fre@fhv.at






System hosted at Graz University of Technology