soziales_kapital

soziales_kapital
wissenschaftliches journal österreichischer fachhochschul-studiengänge soziale arbeit
Nr. 10 (2013) / Editorial
Printversion: http://www.soziales-kapital.at/index.php/sozialeskapital/article/viewFile/304/513.pdf


Editorial Online-Journal „soziales_kapital“


10. Ausgabe September 2013


Die zehnte Ausgabe von soziales kapital widmet sich dem Schwerpunkt „Schulsozialarbeit“ und führt damit die aktuelle Debatte zu Herausforderungen und Spannungsfeldern in diesem relativ „neuen“ Handlungsfeld fort (siehe hierzu auch Beiträge in Bakic/Coulin-Kouglitsch 2012). Im Rahmen einer neuen gesellschaftlichen Aufmerksamkeit auf Bildungspolitik hat sich die Debatte um die Schule in der Hinsicht transformiert, dass sie einerseits als Lernort aufgewertet, als Sozialisationsinstanz weiter gefasst und aufgrund der Nichterfüllung gewachsener normativer Ansprüche zugleich auch stärker problematisiert wird. In diesem Kontext von gewachsenen Anforderungen an das historisch eher verfestigte Schulsystem versucht sich Schulsozialarbeit zu profilieren und ihre eigene Professionalität als notwendig unter Beweis zu stellen. Bezugnehmend auf die heterogenen Ansätze und Konzepte von Schulsozialarbeit in Österreich diskutieren die hier versammelten Autor_innen Fragen der professionellen Entwicklung Sozialer Arbeit in der Institution Schule und erörtern ihre vielfältigen Bezüge zu Lebenswelten der Zielgruppen, Akteur_innen psychosozialer Versorgung und staatlichen Aufträgen.

In diesem Kontext bieten die Artikel dieser Ausgabe vielfältige Reflexionsmöglichkeiten. Beispielsweise schlagen Karl-Heinz Braun und Konstanze Wetzel für die gleichberechtigte Verständigung zwischen Schule und Sozialer Arbeit ein sozialwissenschaftliches Bildungskonzept als gemeinsame grundlegende Orientierung vor. Gernot Deutschmann wiederum sieht in der Unterstützung von Jugendlichen bei realistischen und emotional stabilen Bildungs- und Berufswahlentscheidungen mittels biographischen Spielräumen ein künftig bedeutendes Tätigkeitsfeld für Schulsozialarbeit. Barbara Schörner und Christine Würfl entwickeln in ihrem Beitrag ein umfassendes Aufgaben- und Kompetenzprofil für Schulsozialarbeit und reflektieren die Positionierung von Schulsozialarbeit vor dem bereits etablierten, psychosozialen Versorgungsnetz. Petra Wagner und Johannes Kletzl widmen sich ebenfalls der Verbindung von Schulsozialarbeit und im Schulbereich tätigen Unterstützungssystemen, wobei insbesondere die Frage der Kooperationen eingehend analysiert wird. Eine Befragung von Schulsozialarbeiter_innen in Oberösterreich steht im Artikel von Petra Wagner und Birgit Kirchstetter im Vordergrund, indem die Autor_innen Einblick in die Akzeptanz und Rahmenbedingungen von Schulsozialarbeit sowie in die Zusammenarbeit von Sozialarbeiter_innen mit Schüler_innen, Lehrkräften und Erziehungsberechtigten geben. Anhand einer qualitativen Studie zum Sanktionsverhalten in einer Hamburger Gesamtschule problematisiert Maximilian Zirkowitsch Ermessenspielräume und Differenzen des Strafens verschiedener Akteur_innen und analysiert so die Beziehungen von Schüler_innen und Sanktionier_innen auf ihre Einflussfaktoren.

Abseits des Schwerpunkthemas zeigen die vielen Einreichungen in den anderen Rubriken des Journals, dass sich die fachliche Auseinandersetzung in der österreichischen Sozialarbeit weiter intensiviert. Dabei ist in thematischer Hinsicht festzustellen, dass Schwerpunkthemen früherer Ausgaben wie Wohnen oder Gesundheit aufgegriffen und diskursiv weitergeführt werden. Zahlreiche Beiträge in der Rubrik „Junge Wissenschaft“ machen zudem deutlich, dass über die intensive Auseinandersetzung im Rahmen von Master- und Bachelorarbeiten an den Studiengängen Sozialer Arbeit, Leerstellen der fachlichen Diskussion benannt und neue Impulse geliefert werden. Und auch für die Rubrik „Geschichte“ ist inzwischen erkennbar, dass historische Brüche und Kontinuitäten der österreichischen Sozialen Arbeit sowie ihre „dunklen Seiten“ zunehmend thematisiert werden, auch wenn hier noch viel historische Sozialarbeitsforschung zu leisten ist.

Wir wünschen allen Leser_innen, dass Sie aus den hier gesammelten Beiträgen Informatives, Anregendes und auch Kritisches über die Soziale Arbeit in Österreich erfahren.


Marc Diebäcker


Literatur
Bakic, Josef / Coulin-Kuglitsch, Johanna (Hg.) (2012): Blickpunkt: Schulsozialarbeit in Österreich. Wien: Löcker.





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