soziales_kapital

soziales_kapital
wissenschaftliches journal österreichischer fachhochschul-studiengänge soziale arbeit
Nr. 11 (2014) / Rubrik "Rezensionen lang" / Standort Vorarlberg
Printversion: http://www.soziales-kapital.at/index.php/sozialeskapital/article/viewFile/309/527.pdf


Arbeitspsychologie


Ein Teil des Sozialen Kapitals von Unternehmen sind zweifellos deren Belegschaften. Belegschaften sind ihrerseits Basis des Unternehmenserfolgs. Die Disziplin, welche nun die Ausgestaltung materieller und immaterieller Rahmenbedingungen für erfolgreiches betriebliches Arbeiten untersucht und beschreibt, ist die Arbeits- und Organisationspsychologie. Insofern tragen Ergebnisse der Arbeits- und Organisationspsychologie ihrerseits dazu bei, Soziales Kapital in Unternehmen zu erhalten und zu fördern. Im Folgenden werden ausgewählte Beiträge aus diesem Bereich sowie aus der betrieblichen Bildung vorgestellt.


Schüpbach, Heinz (2013): Arbeits- und Organisationspsychologie. Stuttgart: UTB.

191 Seiten / EUR 29,99

Das Einführungs- und Überblickswerk versteht sich als Unterstützung für Studium und Personalentwicklung und eignet sich genau für diesen Zweck. In knapp gehaltenen, aber sinnvoll auf das Wesentliche reduzierten, Kapiteln bietet der Autor in verständlichem Duktus eine Übersicht zur Disziplin. In den fünf übergreifenden Kapiteln zum Gegenstandsbereich, zu Paradigmen der Organisationsgestaltung, zur Arbeitstätigkeit, zur Analyse, Bewertung, Gestaltung von Arbeit und zu Aufgaben von und in Organisationen wird das Gebiet mit Bezug auf relevante Vertreter/innen der wissenschaftlichen Profession anschaulich dargestellt. Für die Berufspraxis dürften sich besonders die zwölf Unterkapitel des vorletzten und letzten Hauptteils eignen, da sie praxisbezogene Instrumente und Methoden zur Analyse diverser Arbeitsbedingungen und -systeme veranschaulichen (z. B. Arbeitsanalysen, psychische Analysen und Modelle des Arbeitshandelns, der Motivation, Gruppenarbeit, Führung u. a.). Für Personalverantwortliche mit längerer Berufserfahrung finden sich eher kaum neue Anregungen, wer sich aber bislang weniger mit der Materie beschäftigt hat, ist damit bestens beraten. Im Übrigen ist das Buch sehr lesefreundlich gestaltet, wie wir es von den jüngeren UTB-Reihen (speziell der „basics“-Edition) gewohnt sind.


Bundesinstitut für Berufsbildung – BIBB (Hg.): Berufsbildung in Wissenschaft und Praxis (BWP). Zeitschrift des Bundesinstituts für Berufsbildung. Bielefeld: W. Bertelsmann / Stuttgart: Franz Steiner Verlag. Ausgabe 5/2013: Fachkräftequalifizierung weltweit.

58 Seiten / Einzelheft: EUR 8,40; Jahresabonnement: EUR 39,70 zzgl. Versandkosten; Auslandsabonnement incl. CD-Rom: EUR 44,40 zzgl. Versandkosten. Siehe: http://www.bibb.de/veroeffentlichungen/de/bwp/orderinfo

Das deutsche Bundesinstitut für Berufsbildung ist seit Jahrzehnten dafür bekannt, elaborierter Forschungs- und Entwicklungsprojekte im Quartären Bildungsbereich zu fördern und umzusetzen. Mit der Zeitschrift „BWP“ im A4-Format bringt das Institut eine Plattform in eigener Sache heraus. Wie in vergleichbaren Journalen üblich, stellen Praktiker/innen und Wissenschaftler/innen – bzw. Professionelle, die in Personalunion beide Bereiche zugleich abdecken – in knapp gehaltenen Aufsätzen Ergebnisse ihrer Projekte vor. Da die Zweimonatsschrift jeweils mit einem Schwerpunktthema aufwartet, im Internet bestens auffindbar und rückwärtig bis ins Jahr 2000 sortiert, sowie mit hilfreichen Suchfunktionen ausgestattet ist, bietet sie einen guten Fundus an überaus interessanten Fachimpulsen. Allein die Ausgaben des Jahres 2013 verweisen auf die breite thematische Palette mit Schwerpunktthemen zur Work-Life-Balance, Qualitätssicherung, Geschichte der Berufsbildung, Attraktivität der Berufsausbildung, Neuen Technologien und dem obigen Thema. Da Fachjournale i.d.R. aktuellere Beiträge publizieren als Sammelbände oder Monografien, kann „BWP“ auch sehr gut als Quelle für das eigene fachliche Monitoring genutzt werden.


Frank, Nadine / Gottwald, Mario (Hg.) (2013): Mitarbeiterpotenziale länger nutzen. Fachkräftesicherung durch flexible Berufsausstiegsmodelle. In: Forschungsinstitut Betriebliche Bildung (Hg.): Leitfaden für die Bildungspraxis. Band 58/2013. Bielefeld: W. Bertelsmann.

56 Seiten / Einzelheft: EUR 19,90

Als gemeinnützige GmbH setzt das Forschungsinstitut Betriebliche Bildung anwendungsorientierte Forschung und Entwicklung um, deren Ergebnisse seit 2002 im Leitfaden für die Bildungspraxis publiziert werden (siehe: http://www.f-bb.de/nc/publikationen/leitfaden-fuer-die-bildungspraxis.html). Für Fachinteressierte dürfte die A4-Zeitschrift ebenso nützlich sein, wie die vorab rezensierte Zeitschrift BWP. Mit dem jüngsten Band Nr. 58 leistet nun das Institut einen wesentlichen Beitrag zum Erhalt betrieblichen Sozialkapitals. Nicht erst seit der Debatte um den Fachkräftemangel aufgrund der demografischen Entwicklung – und man darf hinzufügen: leider erst deswegen in verstärktem Ausmaß – liegt das Augenmerk auf dem Potenzial Älterer. Sei es als betriebliche Ressource von komplexem Spezialwissen, kristalliner Intelligenz und hilfreichen Netzwerken, sei es als gesellschaftliche Ressource in ehrenamtlichen und nachbarschaftlichen Bereichen, vermehrt setzt sich im Diskurs die Einsicht durch, Menschen ab dem fünfzigsten Lebensjahr nun von einer salutogenetischen statt – wie bisher oft geschehen – pathologischen Perspektive zu bewerten. Der vorliegende Band 58 präsentiert einen Leitfaden für Unternehmen zur Förderung der Ressource „ältere Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter“, hervorgegangen aus einem Projekt zum Ausstiegsmanagement an KMU im deutschen Bundesland Sachsen. Die Schrift zeigt sinnvolle Prozesse und Instrumente auf, wie Betriebe mit der demografischen Entwicklung ihrer Belegschaft strategisch umgehen können, was vor allem durch die in Deutschland gesetzlich vorgegebene Verlängerung der Lebensarbeitszeit neue Herausforderungen mit sich bringt.


Pospeschill, M. (2013): Empirische Methoden in der Psychologie. Stuttgart: UTB.

274 Seiten / EUR 34,99

Methodenfachmann Pospeschill legt ein weiteres überaus brauchbares Grundlagenwerk zur empirischen Forschung vor. Man mag dem Band vorwerfen, er brächte überwiegend bereits Bekanntes. Für ausgewiesene Forschende mag das vielleicht zutreffen, dennoch ist das Buch bestens zu empfehlen, einerseits natürlich als methodologisches Einstiegswerk für Studierende nicht nur der Psychologie, andererseits aber auch als Nachschlagewerk, das auch erfahrenen Empiriker/innen hier und dort interessante Einsichten nahebringen kann, etwa zur Kosten-Nutzen-Berechnung im Rahmen einer Evaluation (womit nicht die Bewertung des Evaluationseinsatzes gemeint ist, sondern die des Evaluations-„Gegenstands“). Wer soziologische oder kommunikationswissenschaftliche Grundlagenwerke besitzt, kann durch diesen Band das eigene Methodenspektrum durch seine spezifisch psychologischen Elemente erweitern (z. B. was quantitative Analysen von qualitativem Material anbelangt oder spezielle Forschungsdesigns, wie sie für die experimentelle Psychologie typisch sind). Wie zu erwarten, handelt das Methodenbuch die Palette empirischer Forschung breit ab, von den Prinzipien der Methodologie über den Forschungsprozess, Aspekte der Evaluation, die Item-Konstruktion, die Datenerhebung und -analyse bis hin zu hypothesengenerierenden, hypothesen- und einzelfallprüfenden Forschungsdesigns und deren Auswertungsanforderungen. Speziell in diesen drei Kapiteln kommt der psychologische Ansatz empirischer Forschung zum Ausdruck.

Frederic Fredersdorf / frederic.fredersdorf@fhv.at






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