Sucht und Ernüchterung. Normalisierung des Scheiterns in Suchtbehandlungssystemen

Johannes M. Zimm, Kathrin Bergthaler (Standort Wien)

Abstract


In diesem Beitrag werden Umgangsformen mit dem Scheitern und Normalisierungsprozesse des Scheiterns von Behandlungsansprüchen in institutionalisierten Suchtbehandlungssystemen untersucht.
Vor dem Hintergrund postmoderner Gesellschaftserzählungen werden die Bedeutung von und der Umgang mit dem Scheitern einerseits auf Ebene der involvierten Individuen und andererseits auf der Ebene der betreuenden und behandelnden Organisationen beleuchtet. Klient*innen, Zu-und Angehörige und professionelle Helfer*innen bewegen sich entlang verschiedener Deutungsmuster des Scheiterns in einem Spannungsfeld zwischen der Erwartung erfolgreicher Behandlung und der Realität chronisch verlaufender Suchterkrankungen. Im Beitrag werden für die organisationale Ebene der nieder-, mittel- und hochschwelligen Betreuungs-, Beratungs- und Behandlungseinrichtungen unterschiedliche Strategien der Anspruchsreduktion und Verantwortungsverlagerung identifiziert und daraus entstehende Konsequenzen für das Behandlungssystem diskutiert. Für die Sozialarbeit ist die Beschäftigung mit dem Scheitern ihrer Klient*innen sowie dem eigenen professionellen Handeln gewinnbringend, da es die Konsequenzen sozialer Ungleichheit verdeutlicht und zugleich am Beginn jeder helfenden Tätigkeit steht.

Schlagworte: Sucht, Behandlung, Beratung, Organisation, Scheitern, Abhängigkeitserkrankung, Sozialarbeit

-

Exploring processes of normalisation, this paper focuses on ways of dealing with experiences of failure in institutionalized treatment of addiction. Keeping postmodern narratives of success and failure in mind, we examine how social workers and clients deal with failure on individual and on organizational levels. Clients, relatives and professional helpers take actions along specific lines of interpretation. Hence, they find themselves between expectations of successful treatment and the reality of chronic addictive disorders. On organisational levels of different access requirements, a shift in expected outcomes of treatment and in responsibility is identified in this paper. Furthermore, the consequences on the offered treatment are discussed in this paper. We argue that the reflection on clients’ failure and the failure of the disciplines’ own interventions and strategies is beneficial for social work(ers). This is even more so as failure illustrates social injustice and therefore stands at the beginning of every process of social work and any support provided.

Keywords: addiction, treatment, counseling, organization, failure, dependence disorder, social work

Schlagworte


Sucht, Behandlung, Beratung, Organisation, Scheitern, Abhängigkeitserkrankung, Sozialarbeit, addiction, treatment, counseling, organization, failure, dependence disorder, social work

Volltext:

HTML PDF



© 2007-2019 soziales_kapital
System hosted at Graz University of Technology