Implementierung einer responsiven Sozialarbeit: Praxiserkenntnisse aus Innovationen sechs europäischer Länder
Abstract
In Diskursen und Leitlinien über unterschiedliche Methoden sozialarbeiterischen Handelns und Denkens wird die Partizipation von dienstleistungsnutzenden Personen oft nur implizit verhandelt. Zwar ist die Einordnung von Beteiligungsprozessen als übergeordnetem Prinzip oder Querschnittsmaterie richtig und zielführend, doch kann sie mitunter den Blick auf die Etablierung und Effektivität von partizipativen Methoden in der Praxis verstellen. Deshalb geht dieser Artikel der Frage nach, welche teilhabefördernden Verfahren und Handlungsweisen als wirksame Bestandteile von sozialarbeiterischen Methodenfeldern zu betrachten sind. Dazu wird das im Bereich sozialer Dienstleistungen neu entwickelte Konzept der Responsivität angewandt, welches die professionellen Reaktionsprozesse in den Fokus rückt, anhand derer Beteiligungspraktiken zu Veränderungen führen. Auf Basis von Praxiseinblicken aus Innovationsprojekten in sechs europäischen Ländern werden drei zentrale Arbeitsweisen einer responsiven Sozialen Arbeit beschrieben: die Gestaltung von flexiblen Beteiligungsformaten, die Planung, Bündelung und Aufbauarbeit von Ressourcen und Kooperationen zur Förderung von Beteiligung sowie die Verankerung von langfristigen Partizipationsprozessen.
Autor/innen-Biografie
David Furtschegger
Ist Sozialwissenschaftler und hat als Stipendiat der Österreichischen Akademie der Wissenschaften (ÖAW) in Soziologie promoviert. Er lehrt und forscht am Institut für Erziehungswissenschaft der Universität Innsbruck zu Partizipation in der Sozialen Arbeit, inklusiver Bildung und praxistheoretischer Unterrichtsforschung. Er ist als Forscher und Koordinator im Horizon-Europe-Projekt RESPONSIVE angestellt.
Michael Rasell
Forscht zu Partizipation in sozialen Diensten, Nutzer:innenaktivismus und Behindertenrechten in Österreich sowie internationalen Kontexten. Er arbeitet im Lehr- und Forschungsbereich Disability Studies und Inklusive Pädagogik am Institut für Erziehungswissenschaft an der Universität Innsbruck. Er ist Principal Investigator des Horizon-Europe-Projekts „Increasing responsiveness to citizen voice in social services across Europe“ (2023–2026) und Experte im European Disability Expertise (EDE) Netzwerk der Europäischen Kommission.