Doing Whiteness im Kindergarten: Elementarpädagogische Einrichtungen als Orte der Vergesellschaftung
Abstract
Kinder erwerben früh ‚rassistisches Wissen‘ und setzen es in ihren sozialen Praxen ein. Elementarpädagogische Einrichtungen können diesen Prozessen des ‚Doing Difference‘ entgegenwirken. Diskriminierungssensible Pädagogik ist jedoch nicht immer Teil elementarpädagogischer Ausbildungen. Gerade Rassismus bildet häufig einen ‚weißen* Fleck‘ in den Curricula, dabei wäre hegemoniale Selbstreflexion aus einer Critical Whiteness Perspektive besonders wichtig, sind doch nach wie vor die meisten Elementarpädagog*innen weiß*, während immer mehr Kinder und ihre Familien im Kindergarten rassistisch oder migrantisch markiert sind. In diesem Beitrag wird nach einer Einführung in die Critical Whiteness Studies anhand einer ethnografischen Studie in österreichischen Kindergärten dargelegt, wie ‚Doing Whiteness‘ in seinen Intersektionen im Kindergarten praktiziert wird und welche Auswirkungen das auf die Kinder hat. Die teilnehmenden Beobachtungen, die einer Intersektionalen Mehrebenenanalyse unterzogen wurden, legen Rassifizierungsprozesse, aber auch widerständige Strategien der Kinder offen. Der Beitrag schließt mit Überlegungen darüber, wie elementarpädagogische Einrichtungen zu Orten von Demokratie und Menschenrechten werden können, statt zur rassistischen Vergesellschaftung der Kinder beizutragen.
Autor/innen-Biografie
Martina Tißberger
Ist Psychologin und Elementarpädagogin. Sie lehrt und forscht seit 2014 an der Fachhochschule Oberösterreich in Linz im Studiengang Soziale Arbeit. Ihre Forschungsschwerpunkte sind Subjektivierung, Critical Whiteness/Rassismus, Gender, Intersektionalität, Queer Theory, Postkoloniale Theorie und Dekolonialität.