soziales_kapital

soziales_kapital
wissenschaftliches journal österreichischer fachhochschul-studiengänge soziale arbeit
Nr. 8 (2012) / Rubrik "Thema" / Standortredaktion Vorarlberg
Printversion: http://www.soziales-kapital.at/index.php/sozialeskapital/article/viewFile/235/360.pdf


Frederic Fredersdorf & Pascale Roux:

Evaluation ambulant betreuter Wohnformen des Vereins DOWAS


1. Einleitung
Betreutes Wohnen hat für Menschen ohne festes Wohnverhältnis, die meist auf der Straße leben, eine mehrfache Stützfunktion. Besonders in den Wintermonaten, aber nicht nur in ihnen, stellen zunächst Notschlafstellen eine grundlegende Überlebenshilfe dar. Ein darauf aufbauendes Wohnangebot mit anfänglich intensiverer Betreuung in Wohngemeinschaften und später höheren Graden an Eigenverantwortung in eigenständigen Wohneinheiten bildet für einen Teil der Betroffenen den Rückweg in nicht-prekäre Wohn- und Lebensverhältnisse. Der Verein DOWAS mit seinem Vorarlberger Sitz in Bregenz hat sich zum Ziel gesetzt, derartige Angebote vielseitig für wohnungslose regionale Zielgruppen herzustellen.

Eines dieser Angebote ist das so genannte ambulant betreute Wohnen, kurz: ABW. Im ABW werden KlientInnen mit guter Prognose zum Teil erstmals seit längerer Zeit in ein eigenständiges Mietverhältnis geführt, das oft durch staatliche Unterstützung gesichert ist. BetreuerInnen von DOWAS bereiten den Übergang in die eigene Wohnung in Kooperation mit dem Außenfeld vor und begleiten Betroffene über einen mehrjährigen Zeitraum in ambulanter Form. Das bedeutet, DOWAS sichert das Mietverhältnis nach einem systematischen Betreuungsplan und Zielvorstellungen, die mit der und auf die betreute Person individuell abgestimmt sind.

Inwiefern ABW den gewünschten Erfolg mit sich bringt, und wie dieser aus verschiedenen Perspektiven betrachtet wird, ist nicht nur insgesamt selten Gegenstand einer externen Evaluation. Eine derartige Studie wurde auch in Vorarlberg bzw. DOWAS bis dato kaum realisiert. Im Jahr 2010 entschied sich der Vorarlberger Verein DOWAS daher, seine ABW-Angebote von der Fachhochschule Vorarlberg (FHV), Forschungsbereich Sozial- und Wirtschaftswissenschaften, extern evaluieren zu lassen. Ziel war es, das ABW aus Sicht von KlientInnen, BetreuerInnen und Hausverwaltungen mittels qualitativer themenzentrierter Interviews (vgl. Schorn 2000) zu hinterfragen, um daraus Erkenntnisse zum Status Quo und zu möglichen Optimierungen ableiten zu können.

Im Vorfeld sprach DOWAS insgesamt 25 Ehemalige an am Interview teilzunehmen, deren Betreuung zum Stichtag 29.04.2010 abgeschlossen war, plus eine Person, deren Betreuungsabschluss kurz bevorstand. Bei Telefonkontakten der FHV sagten 20 Personen dem Interview zu. Mit fünf Ehemaligen konnte kein Interview durchgeführt werden, da sie entweder telefonisch nicht erreichbar waren oder mehrfach zu verabredeten Terminen nicht erschienen. Insgesamt wurden im Mittel drei Kontaktversuche unternommen. Zu den 15 Interviewten fanden im Schnitt 2,3 Kontaktversuche statt. Zu jenen, die nicht zum Interview erschienen oder unerreichbar waren, wurden im Schnitt 6,8 Kontaktversuche unternommen. Mit einer Ausnahme wurden alle 15 InterviewpartnerInnen zum vereinbarten Termin angetroffen. Mit den nicht interviewten Personen wurden im Schnitt 2,3 vergebliche Treffen vereinbart.

Insgesamt wurden zwischen Juli und Oktober 2010 15 von Interviews mit ABW-betreuten Personen realisiert sowie sieben Interviews mit den relevanten DOWAS-BetreuerInnen und sieben von zehn möglichen Interviews mit Hausverwaltungen. Interviewaussagen wurden während des Gesprächs i.d.R. digital aufgezeichnet und parallel schriftlich festgehalten und bei Unklarheiten direkt durch Rückfragen kommunikativ validiert. Nachgängig erfolgte eine Abschrift in die EDV, bei der Zusatzaspekte aus dem Gedächtnis die Mitschrift ergänzten. Darüber hinaus wertete die Evaluation ergänzende Daten aus dem internen Dokumentationssystem von DOWAS aus.

Der gemeinsam mit Fachleuten der DOWAS erstellte Interviewleitfaden enthielt Dimensionen der früheren und aktuellen Lebens- und Wohnsituation, die rückblickende Bewertung der ABW-Betreuung durch DOWAS, hierauf bezogene Verbesserungsvorschläge, Aspekte der Selbsteinschätzung zu erworbenen Kompetenzen, Stärken und Schwächen, zu Lebenszielen und zum aktuellen Gesundheitszustand.


2. Ambulant betreutes Wohnen im Verein DOWAS
Neben der niedrigschwelligen Notschlafstelle bietet DOWAS Bregenz ein Konzept betreuter Wohnformen an, das eine differenzierte Abstimmung auf den jeweiligen Bedarf erlaubt. Ein Vorstellungsgremium steuert den Zugang zu allen betreuten Wohnformen und unterbreitet den KlientInnen nach einer intensiven Bedarfsklärung ein möglichst passgenaues Betreuungsangebot innerhalb der drei folgenden Formen:

Erstens: Eine ambulant betreute Übergangswohnung zur zeitlich begrenzten Überbrückung von Krisen und akuten Notlagen. Zweitens: Ein sozialpädagogisches Intensivwohnprogramm in Form einer stationären Wohngemeinschaft mit sieben Plätzen und einer maximalen Aufenthaltsdauer von einem Jahr. Das Intensivwohnprogramm fungiert als eine Art Wohntraining und richtet sich vorzugsweise an Personen mit geringer selbständiger Wohnerfahrung. Drittens: Das ambulant betreute Wohnen (ABW) in Einzelwohnungen (15 bis 20 Plätze mit einer Betreuungsdauer von maximal drei Jahren).

Von allen Wohnprogrammen bietet und fordert das ABW das größte Maß an Selbständigkeit. Erklärtes Ziel dieser Betreuungsform ist es, KlientInnen nach Ende der Betreuung zu ermächtigen, in einer Wohnung mit eigenem Mietvertrag zu leben, die sie selbständig erhalten können, und in der sie ohne das Mietverhältnis gefährdende Konflikte mit dem Wohnumfeld leben. ABW-KlientInnen mieten Wohnungen von Anfang an eigenständig; sie erhalten einen auf drei Jahre befristeten Mietvertrag. Die Wohnungen stammen aus dem Bestand gemeinnütziger Wohnbauträger und werden über das Soziale Netzwerk Wohnen vergeben. Die Zustimmung zu einer Betreuung ist Voraussetzung für die Vermittlung in eine Netzwerkwohnung, prinzipiell ist die Betreuung aber freiwillig: Ein Abbruch hat keine unmittelbaren Konsequenzen auf das Mietverhältnis. Dieses kann nur von den Wohnbauträgern (als Vermieter) durch Vertragsablauf oder ein reguläres Delogierungsverfahren beendet werden. Insofern vermittelt DOWAS in solche Wohnungen nur Personen mit einer sehr positiven Prognose und einer hohen Verbindlichkeit, vorzugsweise KlientInnen, die DOWAS schon aus anderen Betreuungskontexten kennt. Unter diesen Voraussetzungen sollte die Wohnbetreuung in einer Netzwerkwohnung auch in einem absehbaren Zeitraum beendet werden können.


3. Interviewresultate
3.1 ABW-KlientInnen
Nachfolgend werden zentrale Ergebnisse der qualitativen Befragung der ABW-KlientInnen präsentiert, angereichert durch Analysen des EDV-basierten DOWAS-internen Dokumentationswesens. Mit einer Ausnahme schloss DOWAS die Betreuung bei insgesamt 25 von 26 kontaktierten Personen im Zeitraum zwischen dem 15.10.2006 und dem 30.04.2010 ab. Durchschnittlich lag die Betreuungsdauer der 25 Ehemaligen zwei Jahre zurück, mit einer Spannweite zwischen vier und 46 und einer Standardabweichung von zwölf Monaten. Anders formuliert, lag die Betreuung bei vier Personen bis zu einem Jahr, bei acht Personen zwischen einem und zwei Jahren, bei sieben Personen zwischen zwei und drei Jahren und bei sechs Personen zwischen drei und vier Jahren zurück.

Soziodemographische Merkmale der Befragten: Insgesamt handelt es sich bei der Stichprobe um ältere Personen mit einem Durchschnittsalter von 48 Jahren. Zwei Befragte waren jünger als 40 Jahre, acht zwischen 40 und 59 Jahre alt und fünf älter 60 Jahre. Zwölf Befragte waren männlich, drei weiblich. Vor ihrer Wohnungslosigkeit waren acht Personen auf dem ersten Arbeitsmarkt beschäftigt. Zwei hatten keine Berufsausbildung. Zum Zeitpunkt der Befragung waren fünf Befragte pensioniert, vier auf Arbeitssuche, drei im Krankenstand und drei zum Teil auf dem ersten Arbeitsmarkt tätig.

Wohnverhältnisse vor Aufnahme in das ABW: Diese Analyse wurde für die 15 Befragten und für weitere elf nicht befragte ehemalige ABW- KlientInnen aus dem Dokumentationssystem von DOWAS erstellt (Stand: 29.04.2010). Die meisten KlientInnen stammen aus prekären Wohnverhältnissen: Nur 15% (4) lebten zuvor in einer eigenen Wohnung, 25% (6) wechselten von einer anderen stationären Wohnbetreuung nach DOWAS, 15% (4) innerhalb von DOWAS von der stationären in die ambulante Betreuung. Je zwei (7,7%) waren entweder von akuter Wohnungslosigkeit betroffen, lebten in der elterlichen Wohnung oder hatten einen stationären Aufenthalt im Spital oder in der Therapie hinter sich. Je eine Person kam ins ABW von einer anderen Notstelle, aus dem Gefängnis, von einer DOWAS-Notstelle oder Notwohnung, einem Pensionszimmer oder einer Stätte, in der sie inoffiziell mitwohnen konnte.

Wohnverhältnisse nach Abschluss des ABW: Im Anschluss an das ABW wurden gemäß Dokumentationssystem von diesen 26 Personen annähernd drei Viertel (73% = 19) in eine eigene Wohnung überführt. Bei je zwei Personen erfolgte ein Abbruch entweder seitens DOWAS oder des/der KlientIn. Zählt man eine Person hinzu, die anschließend bei der Partnerin lebt, so realisierte DOWAS bei 76,9% dieser Zielgruppe ein reguläres Wohnumfeld. Von den verbleibenden sechs Personen wurden zwei in eine stationäre Therapie überführt. Je eine lebt in einem sozialen Wohnnetzwerk, einer anderen ambulanten Einrichtung und in der stationären Wohnbetreuung von DOWAS. Eine Person lebt zum Stichtag im Gefängnis. Mit über vier Fünfteln dieser Zielgruppe (84,6% = 22 von 26) realisierte DOWAS einen regulären Betreuungsabschluss.

Das Dokumentationssystem der Geschäftsführung bot eine weitere Analysevariante: Zu weiteren sechs dokumentierten KlientInnen, die sich nicht an der Befragung beteiligten, liegen zwar keine Daten über die Wohnform vor Aufnahme in das ambulant betreute Wohnen vor, jedoch über die Abschlussart und den Wohnverbleib. Hierbei handelt es sich mehrheitlich um Personen, bei denen die Wohnbetreuung von einer der beiden Seiten abgebrochen wurde - nur zwei Betreuungen wurden regulär beendet. Dennoch lebten zum Stichtag vier der sechs Ehemaligen in einer eigenen Wohnung, was vermutlich auch auf den Betreuungseinfluss zurückgeführt werden kann (die beiden anderen leben in unbekannten oder prekären Verhältnissen).

Wird die Verbleibsstatistik nun zusätzlich mit diesen sechs Personen aufgestellt, so bestätigt sich die oben genannte Erfolgsquote der wohnungsspezifischen Eingliederung: Zum Stichtag leben drei Viertel (75% = 24 von 32) in geregelten Wohnverhältnissen, 9,3% (3) in prekären oder unbekannten Verhältnissen und 15,6% (5) in anderen betreuten Formen.

Gründe der vormaligen Wohnungslosigkeit: Für 73% der Befragten war eine Suchtproblematik Grund der früheren Wohnungslosigkeit. Dabei war Alkohol mit 40% etwas häufiger vertreten als andere illegale Substanzabhängigkeiten (33%). Der Verlust des Arbeitsplatzes (47%) und psychische Probleme wurden als weitere häufige Gründe angegeben. Familiäre Probleme (auch als Folge der Suchtproblematik), sonstige psychische Probleme und die Rückkehr aus dem Ausland oder anderen Regionen Österreichs führten bei 33% der Befragten zur Wohnungslosigkeit. Von 40% wurden weitere sonstige Gründe benannt, darunter etwa: "Kümmerte mich um nichts mehr", "Haftstrafe", "Mangelnde Unterstützung der Gemeinde bzw. des Sozialamtes".

Mietverhältnis während der Betreuungsphase: Während der ABW-Betreuung konnten neun Personen ihr Mietverhältnis ohne Vorkommnisse führen. Eine Person machte dazu keine Angaben. Bei fünf Personen traten Probleme auf: Zwei gaben an, Probleme mit der Mietzahlung gehabt zu haben, zwei berichteten von Regelverstößen und eine von eigenem aggressiven Verhalten. Die mittlere Betreuungsdauer betrug 47 Monate mit einer Spannweite von 12 bis 120 Monaten.

Bewertung der ABW-Betreuung: Sieben Befragte sammelten vor oder nach der DOWAS-Betreuung Erfahrungen mit anderen Betreuungsformen (mit einer anderen stationären Wohnungseinrichtung, einer Suchthilfeeinrichtung oder einer betreuten Wohngemeinschaft). Fünf von ihnen empfanden die DOWAS-Betreuung als besser. Je eine Person sah die Betreuungen als gleich gut an bzw. die alternative Betreuungsform als besser.

Als positivere Aspekte der DOWAS-Betreuung wurden im Kontext aller Interviews genannt: die hohe Selbstständigkeit, die den Betreuten in DOWAS zugetraut wird, die persönlichere Betreuung, dass man bei DOWAS ernst genommen wird und nicht nur Medikamente bekommt und dass DOWAS auch bei Amtsangelegenheiten hilft. Die meisten Befragten gaben an, vor allem bei der Wohnungssuche und in Finanzfragen unterstützt worden zu sein. Als unterstützende und hilfreiche Aspekte der DOWAS-Betreuung im ABW-Bereich wurden weiterhin genannt: stützende individuelle Gespräche, ein respektvoller Umgang, Hilfe bei Amtsgängen, psychosoziale Hilfe, umfassende Informationen und Beratung, Unterstützungen um die Wohnung halten zu können und Hilfe bei der Jobfindung. Ein/e Befragte/r äußerte sich dahingehen positiv, dass Betroffene die Unterstützungsleistung von DOWAS oft erst im Nachhinein wahrnehmen.

Alle Befragten gaben an, dass die DOWAS-Unterstützung für sie zum damaligen Zeitpunkt passend für sie war, weil DOWAS auf sie eingegangen sei und ihnen ein Beziehungsangebot gemacht habe. Einige betonten, dass die von DOWAS ermöglichte Grundsicherung enorm wichtig für sie war. Auf einer Skala von 1 (sehr schlecht) bis 10 (sehr gut), bewerteten die Befragten die ABW-Betreuung im Mittel mit 8,6. Diese quantitative Bewertung liegt im sehr guten Bereich, was die qualitativen Aussagen zu diesem Thema stützt. Die Spannweite der Bewertungen betrug 5 bis 10 Wertungspunkte. Der Wert ist auch qualitativ als positiv anzusehen, da das Betreuungsverhältnis stets von einer für beide Seiten schwer zu gestaltenden Abgrenzungsproblematik begleitet wird. Da die Betreuung überwiegend in den Privaträumen der KlientInnen stattfindet, erweist es sich für beide Seiten als schwierig, ein professionelles Betreuungsverhältnis zu gestalten, das sich nicht mit privaten Beziehungsebenen überschneidet.

Als Qualitätsmerkmal der Betreuung schätzten es einige Befragte als hilfreich ein, dass die Betreuungsperson jederzeit für sie da war und mit ihr stützenden Gespräche geführt werden konnten. Die Betreuungsperson unterstützte die Zielgruppe, stellte eine verlässliche Bezugsperson dar, die den Kontakt auch von sich aus gesucht hat. Sie übermittelte wichtige Informationen und zwang die Betreuten "zu nichts".

Neben den positiven Aspekten erfragte die Evaluation auch Belastungsfaktoren, die sich im Kontext der ABW-Betreuung ergaben. Fünf Befragte erlebten die "noch schlechtere" Verfassung von Anderen (im Umfeld) als belastend. Dann wurden fünf zentrale Aspekte im Kontext der Betreuungssituation als belastend empfunden: wenn BetreuerInnen ihr Beziehungsverhalten nicht abgrenzen, wenn überbehütender Kontakt besteht, wenn Unzuverlässigkeiten in der Betreuung auftauchen, wenn sich BetreuerInnen unprofessionell verhalten und wenn häufige Betreuungswechsel stattfinden. Zwei Befragte hatten die Betreuung abgebrochen, weil sie sie für die eigenständige Wohnungssituation als überfordernd empfanden.

Danach gefragt, woran sie erkennen würden, dass die DOWAS-Betreuung hilfreich war, nannten die Befragten ihre verbesserte Lebenssituation und das Erreichen von Lebenszielen. Je eine Person macht eine erfolgreiche Betreuung am Engagement der SozialarbeiterIn und an der eigenen Dankbarkeit fest. Im Mittel bewerteten die Befragten den Kontakt zur damaligen Betreuungsperson als sehr gut und zwar mit 9,4 auf einer zehnstufigen Skala (Spannweite: 6 bis 10).

Umgang mit Finanzen: Zwei Drittel der Befragten äußert auf Nachfrage, derzeit finanziellen Schwierigkeiten zu haben. Bei sechs Befragten lagen Schulden ohne Exekutionstitel vor, bei einem/einer waren es Schulden mit Exekutionstitel; drei Personen vollzogen erfolgreich den Privatkonkurs. Die prekäre finanzielle Lage traf auf viele Befragte zu, weil die Zielgruppe meist von Sozialleistungen oder Zuwendungen unter oder nahe der Armutsgrenze lebte.

Sechs Befragte gaben an, dass ihnen DOWAS bei der Regelung ihrer finanziellen Situation helfen konnte. Dies bezieht sich auf Hilfe bei der Schuldenregulierung, der Schuldenberatung und den Privatkonkurs. Weiterhin wurden sie unterstützt beim allgemeinen Umgang mit Geld. Fünf wollten keine Hilfe von DOWAS in Bezug auf ihre finanziellen Probleme in Anspruch nehmen.

Wohnumfeld: Alle 14 Befragte mit Mietverhältnis empfanden ihre Wohnung als wohnlich. Einigen war bewusst, dass andere die Wohnung nicht als wohnlich empfinden würden. Neun Befragte gaben an, ihre Wohnung selbst eingerichtet zu haben und acht besaßen darin auch persönliche Gegenstände. Ihre Wohnung hatten drei Personen mit Hilfe von DOWAS oder dem Sozialamt eingerichtet, andere Befragte besorgten sich die Möbel im Gebraucht- oder Flohmarkt oder bekamen sie geschenkt. Zwölf Personen gaben an, sich in ihrer Wohnung wohl zu fühlen. Eine fühlte sich nur eingeschränkt wohl, eine weitere fühlte sich in ihrer Wohnung unwohl. Die befragte Person ohne Wohnung empfand diesen Zustand als defizitär und wollte ihn gerne ändern.

Alle Befragte gaben an, Einkaufen, Putzen und die Wäsche gut selbst bewältigen zu können. Einzig beim Aufräumen und Kochen gab jeweils eine Person Schwierigkeiten zu. Den meisten fiel die Haushaltsführung eher leicht. Zwei Personen gaben an, damit etwas Mühe zu haben. Die Schwierigkeiten resultierten daraus, dass Haushaltsführung keinen Spaß mache und die Person auch keinen Wert darauf legte. Die zweite Person mit Schwierigkeiten in der Haushaltsführung nannte psychische Probleme als Hinderungsgrund. Viele Befragte nannten aber auch Gründe, warum es ihnen nicht schwer fällt den eigenen Haushalt zu führen: "Es gehört halt zum eigenen Leben." "Es geht einem dadurch besser." "Es ist nur ein kleiner Haushalt." "Das konnte ich schon immer." "Es ist mir wichtig."

Die Befragten gaben mehrheitlich an, zu ihren Nachbarn eher ein gutes Verhältnis zu haben. Zwei empfanden die Qualität ihres Verhältnisses zu den Nachbarn eher im unteren Mittelfeld. Die überwiegende Mehrheit hatte keine Probleme, die Hausordnung einzuhalten. Eine Person berichtete von kurzfristigen Problemen wegen der Kehrwoche, eine andere von Problemen wegen der Hundehaltung. In beiden Fällen erwies sich die Intervention durch die DOWAS-Betreuung als konfliktlösend.

Die Hälfte der Befragten erhielt bis zum Zeitpunkt der Befragung keine Rückmeldung von der Hausverwaltung in Bezug auf ihr Wohnverhältnis. Sechs Befragte berichteten von positiven Rückmeldungen - darunter auch welche seitens der anderen Mieter - und zwei von negativen.

Lebensziele: Die Frage, ob die in DOWAS vorgenommenen Lebensziele erreicht wurden, bejahten zehn Befragte, zwei konnten ihre Ziele nicht erreichen, drei hatte keine Ziele vereinbart. Einen eigenen Wohnraum zu haben, Finanzen zu regulieren und ein "normales" Leben zu führen waren die drei am häufigsten genannten Ziele der Befragten. Weitere Ziele lagen darin, abstinent zu werden, Probleme zu bearbeiten und eine Therapie zu beginnen, Arbeit aufzunehmen, Gesundheit zu stabilisieren und ein neues soziales Netz aufzubauen.

Die beiden Eigenschaften "sich wieder als Mensch zu fühlen" und "sozial integrierter zu sein" wurde am häufigsten als psychosoziale Veränderung durch die DOWAS-Betreuung angegeben. Jeweils drei Befragte gaben an, durch die Betreuung eine eigene Wohnung erhalten zu haben, gelernt zu haben Hilfe anzunehmen und insgesamt stabiler geworden zu seien. Trotz der überwiegend positiven Rückmeldung gaben drei Befragte an, dass sich durch die DOWAS-Betreuung nichts in ihrem Leben verändert habe.

Auf die Nachfrage, was DOWAS aus ihrer Sicht unternehmen könne, damit ABW-KlientInnen ihre Ziele besser erreichen können, meinten sieben Befragte, DOWAS könne nichts Anderes tun, als jene Dinge, die der Verein jetzt bereits unternimmt. Jeweils drei Befragte gaben an, dass DOWAS mehr auf die individuellen Bedürfnisse eingehen könne und dass ein stabilerer Rahmen sowie eine zielorientiertere Beratung hilfreich sei. Zwei Befragte empfahlen eine konsequentere Haltung und strengere Kontrollen. Insgesamt gaben die Befragten mehr Antworten auf die Frage, was KlientInnen tun könnten, um ihre Ziele zu erreichen (33 Antworten) als darauf, was DOWAS besser machen könnte (24 Antworten). Die beiden Aspekte "Hilfe und Betreuung annehmen" sowie "mehr Eigeninitiative zeigen" wurden mit Abstand von den meisten Befragten als Hauptfaktoren der Eigenverantwortung genannt. Weiterhin nannten die Befragten zu diesem Thema "Zuverlässigkeit und Ehrlichkeit", "Entscheidung für den Neuen Weg", "Ziele ernsthaft verfolgen und realistische Ziele setzen". Eine Person gab an, Klienten könnten nichts weiter dazu beitragen.

Gesundheit und Soziales: Im Schnitt bewerteten die Befragten auf einer sechsstufigen Skala ihren aktuellen Gesundheitszustand eher als gut (Mittelwert 4,0). Neun Befragte gaben dabei eine positive Bewertung ab. Einsamkeit ist durchaus ein Problem für die Zielgruppe. Sieben Befragte gaben an sich einsam zu fühlen, obwohl elf aussagten, über genügend soziale Kontakte zu verfügen. Anscheinend spielt die Qualität der Kontakte eine Rolle, denn im Schnitt gaben die Befragten an, über nahezu zehn Personen an sozialen Kontakten zu verfügen. Dies könnte ein passables soziales Netzwerk darstellen, wenn die Kontakte auch in Krisenzeiten hilfreich beiseite stünden. Eine Person gab an, nur über einen sozialen Kontakt zu verfügen. Die meisten sozialen Kontakte bestehen zu Verwandten, gefolgt von neuen Freunden. Drei Befragte nannten verschiedene professionelle HelferInnen als soziale Kontakte. Für eine Person stellt dies sogar momentan die einzige Kontaktmöglichkeit dar.

Auf die Fragen, ob sich durch die Wohnbetreuung von DOWAS die eigene Lebens- bzw. Wohnsituation verbessert habe, antworteten jeweils 14 Befragte mit "Ja".


3.2 DOWAS-BetreuerInnen
Der zweite Teil der qualitativen Studie bezog sich auf die Bewertung der ambulanten Wohnbetreuung aus Sicht des Betreuungspersonals. Ziel war es, inhaltliche und methodische Erfahrungen mit der Betreuungsleistung zu reflektieren und Optimierungspotential aufzuzeigen. Der Interviewleitfaden enthielt Dimensionen zur Bewertung des Betreuungsprozesses, zum DOWAS-Hilfsangebot, zum Verhältnis zur Klientel und zur beruflichen Reflexion.

Betreuungsprozess: Von den sieben Befragten hatten drei zum Interviewzeitpunkt drei bis fünf Betreuungen durchgeführt und wiesen somit in diesem Bereich eine eher geringere interne Erfahrung vor. Die anderen vier Befragten realisierten mehr als zehn, teilweise über zwanzig, Betreuungen und konnten damit ein deutlich umfangreicheres internes Bild über den ABW-Bereich darstellen. Weil sich beide Gruppen in diesem Aspekt voneinander unterscheiden, sind einige der folgenden Auswertungen nach diesen zwei Gruppen differenziert. Die erste Gruppe (mit geringerer interner Erfahrung) wird als "Gruppe A" bezeichnet, die zweite (mit umfangreicherer interner Erfahrung) als "Gruppe B".

Als förderlich empfand Gruppe A wöchentliche Teamsitzungen und Fallbesprechungen, regelmäßige Supervision, den Einbezug externer Institutionen, die Zusammenarbeit mit der Bezirkshauptmannschaft, eine bereits bestehende Beziehungsebene zur Klientel und die Integration der Klientel in ein funktionierendes soziales Umfeld. Nicht alle Mitglieder aus Gruppe A erkennen in der ABW belastende Umstände, und es werden im Vergleich zu den förderlichen Aspekten auch weniger Themen angesprochen. Wenn etwas belastet, dann waren es spontane Vorfälle, bei denen schnell aus der täglichen Arbeit heraus agiert werden musste.

Gruppe B konnte aufgrund längerer Erfahrung einige Verbesserungen aufzählen, die vor dem Interviewzeitpunkt für sie belastend waren, aber derzeit bereits verbessert wurden. Das bezieht sich auf Rechtssicherheit bei Mietverträgen, den verbesserten Auswahlprozess der Klientel für die ambulante Wohnbetreuung, den verfügbaren Zeitumfang, das funktionierende Team, das gute Wohnangebot und den Abbau bürokratischer Zusatztätigkeiten. Weitere förderliche Aspekte ergaben sich daraus, dass DOWAS und die Klienten bereits gut bekannt waren. Einige Mitglieder aus Gruppe B erkennen Belastungsfaktoren in unterschiedlichen Zielvorstellungen gegenüber der Leitung in Bezug auf Erfolgskriterien, die u. U. durch die längere Betreuungszeit auch aus dem Blick geraten können. Weiterhin wird genannt, dass sich eine geringe ABW-Erfahrung sowie bürokratische Tätigkeiten zu Beginn der Betreuung auch als belastend darstellen können. Belastend wirkt sich zudem eine fehlende oder abbrechende Beziehung zum Klienten aus. Nähe und Distanz ausgewogen zu gestalten, erweist sich jedoch als problematisch: Eine zu große Nähe wird ebenfalls als hinderlich wahrgenommen.

Insgesamt gesehen, konnten beide Gruppen detailliert diverse Aspekte der Betreuungsarbeit nennen, die von ihnen seitens DOWAS erwartet wurden, als da wären: Zielvereinbarungen, Zieleinhaltungen und Erfolgsdokumentation, systematische Kontaktpflege, Fragen der Abgrenzung und Rollenklärung gegenüber der Klientel, die eigene Reflexion und der Erfahrungsaustausch im Team.

Gemäß ihrer Aussagen setzten beide Gruppen den Betreuungsprozess schwerpunktmäßig an den Zielen und Zielvereinbarungen sowie der regelmäßigen Kontaktpflege zur Klientel um. Zielorientierte Betreuung wird in DOWAS jedoch teilweise unterschiedlich bewertet, wofür zwei abweichende Aussagen stehen: Ein/e Interviewpartner/in äußert den Wunsch nach einem "gemeinsamen Bekenntnis zur zielorientierten Arbeit", und jemand Anderes schildert von sich, Ziele "meist aus dem Auge" zu verlieren.

Alle Befragte aus Gruppe A und auch die Mehrheit aus Gruppe B empfanden Fallbesprechungen als hilfreich. Jüngere würden von den Erfahrungen der Älteren profitieren und durch die externe Sicht eigene Verstrickungen erkennen. Erfahrene schätzten an der Fallbesprechung die verschiedenen eingebrachten Perspektiven, den Impuls für neue Ansätze und auch das fachliche Feedback. Es wurde der Wunsch ausgesprochen, Fallbesprechungen durch externe Personen moderieren zu lassen, um eine Außensicht einzubringen. Nur eine Person erachtete die kollegiale Vielfältigkeit eher als hinderlich. Sie war der Ansicht, Fallbesprechungen würden ihr wegen der Heterogenität der Fälle und des Teams "nichts bringen", sprach aber den Besprechungen für neue KollegInnen eine Bedeutung zu.

Kompetenzentwicklung: Beide Gruppen ähnelten sich in der Bewertung, welche Kompetenzen bei der ABW-Zielgruppe am vordringlichsten gestärkt werden sollten: Als einer der meistgenannten Aspekte wurden Finanzkompetenzen genannt, weil diese die absolute Basis für ein erfolgreiches eigenständiges Wohnen darstelle. Soziale Kompetenzen wurden ebenfalls öfter genannt - zweimal sogar als Hauptkompetenz - weil diese es der Zielgruppe erleichtere, sich in ihrem neuem Umfeld zu integrieren. Mehrfach betonten die BetreuerInnen auch die Suchtproblematiken der Zielgruppe und den Umstand, dass die Klientel etwas dagegen tun müsse. Letztlich führten die Befragten noch allgemeine Sekundärtugenden an wie Verlässlichkeit, Wohnungspflege und Hygiene. Für den weiteren Betreuungsverlauf spielten aus Sicht der professionellen HelferInnen eine Reihe lebenspraktischer Fragen eine Rolle: geregeltes Leben, Ernährung, Beziehungen, Arbeit, Persönlichkeit, Gesundheit. Zudem wurde in diesem Kontext erneut der Aspekt der eigenen Abgrenzung zur Zielgruppe als bedeutsam erwähnt.

Betreuungswechsel: wurden von beiden Gruppen mehrheitlich wegen der schwierigeren Beziehungsarbeit als eher hinderlich und nachteilig bewertet, nur zwei BetreuerInnen sahen darin eher keine gravierende Problematik. Betreuungswechsel sollten nur im Notfall eingesetzt werden. Es sei im Vorfeld stets gut zu überlegen, ob sie Sinn machen, weil sie auch von Klienten aus Eigennutz instrumentalisiert werden können. Betreuungswechsel sind nach einer Ansicht sinnvoll, wenn die Beziehung zwischen dem Klienten und der Betreuungsperson gestört ist.

Während zwei Befragte keine Verbesserungsmöglichkeiten für den Betreuungsprozess sahen, entwickelten die anderen fünf in Summe etliche Vorschläge. Diese reichten von der Optimierung des internen Dokumentationswesens über die Gestaltung des Gesprächs-Settings mit der Klientel, die fortzusetzende Organisationsentwicklung in DOWAS bis hin zur Schaffung weiterer Dienstleistungsangebote im Bereich der Harm Reduction (Spritzentausch) sowie der Freizeitgestaltung.

Verhältnis zur Klientel: Die Betreuungspersonen grenzten sich zur Zielgruppe auf unterschiedliche Art und Weise ab. Die meisten gaben an, dass ihnen dies gelingt, nur eine Person erkannte bei sich diesbezüglich Defizite und eine andere räumte ein, dass ihr die Abgrenzung schwerfalle. Einerseits erwiesen sich direkte kommunikative Strategien als hilfreich: von Beginn an die unterschiedlichen Rollen zu klären und permanent darauf zu verweisen, Gesprächsstandards zu definieren und einzuhalten, das eigene Privatleben kaum zu thematisieren, nur in Notfällen in die Wohnung der Klienten zu gehen und die Klientel trotz aller Abgrenzung ernst zu nehmen und als mündige BürgerInnen anzusehen. Andererseits halfen auch innerpsychische Verarbeitungs- und Bewältigungsstrategien: sich mit der eigenen Freizeitgestaltung deutlich gegenüber den Klienten abzugrenzen, Freizeit aktiv zu gestalten, sich selbst innerhalb der Betreuungssituation nicht als wichtig anzusehen, nicht ins Helfersyndrom zu verfallen und selbst auch Hilfe einzufordern, wenn sie benötigt wird.


3.3 Vorarlberger Hausverwalter aus dem ABW
Der dritte Teil der Studie bezog sich auf jene Hausverwalter, in deren Zuständigkeitsbereich KlientInnen des von DOWAS betreuten Wohnens fallen bzw. fielen. Ziel war es, die Qualität der Betreuungsdienstleistung von DOWAS aus Sicht der Hausverwaltungen zu reflektieren. Der Interviewleitfaden enthielt Dimensionen zur Bekanntheit und Bewertung von DOWAS, zur Zusammenarbeit mit DOWAS und zur Bewertung der ABW-Zielgruppen.

Bekanntheit und Bewertung von DOWAS: Allen Interviewpartnern war der Verein DOWAS bekannt, teilweise durch die direkten Kontakte zum Betreuungspersonal oder durch Informationsveranstaltungen und persönliche Bezüge. Eine Nachfrage zu den konkrete Arbeitsinhalten von DOWAS wurde relativ allgemein und übergreifend beantwortet; Detailaspekte der Dienstleistungen von DOWAS konnten die sieben Interviewten nicht nennen.

Die Interviewten erkannten mehrheitlich Vorteile im ABW-Angebot. Damit erhielten Hausverwalter über die Betreuungsperson einen besseren Zugang zu den Bewohnern. Weiterhin war es für die Hausverwaltung konstruktiv, wenn DOWAS vorab allgemeine Information über einen Klienten geboten hatte, denn diese ist z.B. über die städtische Zuweisung nicht erhältlich. Ein weiterer Vorteil wurde darin gesehen, dass die Zielpersonen durch die Betreuung besser in die Hausgemeinschaft eingegliedert werden können; Hausverwalter könnten dadurch bereits im Vorfeld besser auf eine bestimmte Person eingehen und deren Integration unterstützen.

Bereits bei dieser Frage wurde die gute Zusammenarbeit mit den DOWAS-BetreuerInnen erwähnt. Bis auf einen Verwalter, der aufgrund seiner Uninformiertheit hierzu nichts aussagen konnte, äußerten sich die anderen sechs positiv bis sehr positiv über die Arbeit von DOWAS. Als positiv hoben einige Verwalter systematische Treffen hervor, auch wenn nicht immer eine Fallproblematik anstand. Die so erlebte, rasche und kompetente gemeinsame Problemlösung wurde besonders positiv vermerkt. Während einige Verwalter mit der bisherigen Menge und Qualität an Information seitens DOWAS zufrieden waren und keine weiteren Infos benötigten, wünschten sich andere dagegen vor allem mehr Vorab-Informationen bevor ein neuer betreuter Klient einquartiert werde. Diese Informationen sollten durchaus den Datenschutz befolgen. Es ging dabei eher um eine generelle Vorankündigung, um die Nennung der Betreuungsperson von DOWAS und um einige zentrale Lebensaspekte, den neuen Bewohner betreffend, damit man besser vorbereitet sei.

Bewertung von DOWAS-Zielgruppen: Die interviewten Hausverwalter bestätigten insgesamt, dass die aktuell von DOWAS betreuten KlientInnen zum Interviewzeitpunkt in ihren Häusern und Siedlungen integriert lebten. Sie verhielten sich unauffällig, was die Verwalter überaus positiv bewerteten. Insgesamt beschrieben sie vier überwiegend frühere Ausnahmen bzw. Auffälligkeiten, von denen sie nur zwei den DOWAS-Klienten zuordneten. Eines der beiden Vorkommnisse wurde dabei als Bagatelle angesehen (zerbrochene Scheibe) und als unbedeutend gewertet. Beim anderen handelte es sich um das Nichteinhalten der Hausordnung, was aber zufriedenstellend geklärt werden konnte.

Nach Möglichkeiten einer besseren Zusammenarbeit mit DOWAS befragt, wiederholten einige Verwalter ihre Zufriedenheit mit der derzeitigen Situation, weswegen sie keine Verbesserungsvorschläge machten. Ein Interviewpartner verwies als Antwort auf optimierbare Informationsaspekte, was er bereits in einer Frage zuvor anmerkte. Im Kontext der offenen Abschlussfrage betonten die Hausverwalter erneut die konstruktive Zusammenarbeit mit DOWAS, teilweise mit hoffnungsvollem Blick in die Zukunft, dass das so bleiben möge.


4. Schlussfolgerungen
Wie die Interviews mit den Betroffenen zeigen, sind ABW-Zielgruppen mehrfach belastet: Eine prekäre Wohnsituation ist stets auch von einer prekären psychosozialen Lage begleitet, welche mit Defiziten im finanziellen und gesundheitlichen Bereich und in den Beziehungsnetzwerken assoziiert ist. Wie bei anderen Einheiten der therapeutischen Kette stellt sich dabei heraus, dass ABW-Angebote zwar kein Allheilmittel sind, sie aber unverzichtbarer Teil einer höherschwelligen Stufe zur psychosozialen Reintegration darstellen.

Der Umstand, dass sich von anfänglich 27 in Frage kommenden Personen letztlich nur 15 (das sind gut die Hälfte, 55%) gesprächsbereit zeigten, deutet die Schwierigkeiten der Zielgruppe an. Ohne den konkreten ABW-Zielgruppen zu nahe zu treten, ist es doch wahrscheinlich, dass einige Gründe für die Verweigerung des Interviews in den weniger angepassten Lebensumständen der Klientel liegen dürften. Andererseits zeigten die 15 Befragten mehrheitlich - und in unterschiedlicher qualitativer Ausprägung - dass das ABW-Angebot von DOWAS und die Güte der Betreuungen durchaus zur materiellen und seelischen Stabilität von BewohnerInnen beiträgt. Allein deshalb bildet es einen wertvollen Bestandteil des Vorarlberger Angebots. Diese Dienstleistung wird teilweise von den Betroffenen wie von den Hausverwaltungen mit anderen und ähnlichen Angeboten verglichen und aus verschiedenen Gründen sogar als höherwertig eingestuft.

Für den Erfolg der DOWAS-ABW spricht zunächst, dass drei Viertel der Grundgesamtheit zum Interviewzeitpunkt eigenständig zur Miete lebten. Zum anderen sprechen weitere aktuelle Lebensumstände der 15 Befragten dafür. Nach eigener Auskunft hatten zwar die meisten noch Schulden, kamen aber damit und mit anderen Lebensumständen nach eigener Aussage leichter zurecht als vor ihrem DOWAS-Aufenthalt. Erfreulich ist zudem, dass einige Befragte ihre verbesserte Konfliktfähigkeit erwähnten und damit auch auf die Zunahme sozialer Kompetenz verwiesen.

Weiterhin ist es erfreulich und als Erfolg zu werten, dass die Hausverwalter rückmeldeten, alle DOWAS-KlientInnen - also auch die nicht befragten - würden unauffällig in ihren Verwaltungsbereichen leben. Dieses insgesamt gute externe Urteil ist insofern äußerst positiv zu werten, als es bisherige Antworten der KlientInnen zu ihrem aktuellen Wohnverhältnis bestätigt. Seitens der Verwalter waren auch keine Gefälligkeitsantworten oder Tendenzen zur übertrieben positiven Antwort zu erwarten. Vielmehr hätten sie das Interview als Kooperationspartner von DOWAS - welches ihnen als externes Qualitätssicherungsverfahren erläutert wurde - durchaus für Beschwerden über konkrete Vorkommnisse oder als Forum für Verbesserungsvorschläge nutzen können. Die Tatsache, dass neben den positiven Rückmeldungen durchaus einige Verbesserungsvorschläge bezüglich des Informationsmanagements genannt wurden, bestätigt diesen generell guten Eindruck.

Von den sieben befragten DOWAS-BetreuerInnen wiesen drei eher geringere und vier umfangreichere Erfahrungen in der ABW-Betreuung vor. Entsprechend unterschiedlich erwiesen sich die Rückmeldungen zu den diversen erfragten Arbeitsaspekten. Viele organisatorische Elemente in DOWAS wurden positiv bewertet. Das bezieht sich auf Supervisionsangebote im Team und für die Einzelperson, auf die Übernahme von Verwaltungsarbeit seitens der Geschäftsführung und auf die gute Arbeitsgrundlage in den Teams.

Gemäß der obigen Rückmeldungen empfahl die Evaluation dem Verein DOWAS unter anderem:

  • die mehrheitlich vorhandene Suchtproblematik der Betroffenen in der Beratung aktiv zu berücksichtigen, auch wenn DOWAS primär das Ziel der Wohnungslosigkeit verfolgt. Denn diese Problematiken können mittelfristig der Grund für eine erneute Wohnungslosigkeit sein. Es geht dabei nicht darum, Suchthilfe zu leisten, sondern vielmehr, die Klientel an entsprechende Einrichtungen zu vermitteln;
  • die persönliche Betreuung beizubehalten und dabei seitens der Betreuungspersonen die unterschiedlichen Rollen von Klient/in und Betreuungsperson deutlich klarzustellen. Eine funktionierende Beziehungsebene wurde nicht nur von der Zielgruppe sondern auch von den Mitarbeiter/innen als wesentlicher Erfolgsfaktor genannt. Entsprechend empfanden einige KlientInnen Aspekte misslingender Beziehungsarbeit als belastend;
  • die zielorientierte Betreuung beizubehalten. Die KlientInnen bewerteten diese Form der Hilfe in Wohnungs- und Finanzfragen sowie in Fragen der Lebensführung als passend und sehr gut. Hauptmerkmale für eine gelingende ABW-Betreuung stellen aus Sicht der Klientel verbesserte Lebensumstände dar, weswegen diese weiterhin als Ankerpunkte der Betreuungsarbeit genutzt werden sollten;
  • die Zielgruppe zu befähigen, verstärkt Selbstreflexion betreiben zu können. Etliche Befragte verwiesen darauf, dass sie selbst durch diverse selbstreflexive Kompetenzen wesentlich zum Gesamterfolg beitragen können;
  • im Zuge der Betreuung die Sozialkontakte der Zielgruppe zu fördern und ihrer Einsamkeit entgegenzuwirken. Über die Hälfte der Befragten war seinerzeit einsam, und knapp drei Viertel gaben an, nur über ungenügende Sozialkontakte zu verfügen. Aus der Netzwerkforschung ist bekannt, dass gelingende, hilfreiche und zahlenmäßig ausreichende Sozialkontakte, ein "soziales Immunsystem" (Hurrelmann 2006: 50; 82, 121), einen Schlüssel für nachhaltige bio-psycho-soziale Gesundheit darstellen.
  • die sehr gut gelingende valide Indikation bzw. Unterscheidung beizubehalten, mit der es gelingt, Betroffene entweder für betreute Wohngemeinschaften, für DOWAS-verwalteten Wohnraum oder für ein zwar betreutes aber eigenständiges Mietverhältnis zu differenzieren;
  • bei der externen Logierung darauf zu achten und mit den Hausverwaltungen im Voraus abzusprechen, dass speziell im Fall von Alkohol- und Drogenabhängigkeiten "Ballungen" im Wohnblock vermieden werden. Diese können oftmals Anlass für spätere Auffälligkeiten und Beschwerden sein und würden zudem einer "Ghettoisierung" Vorschub leisten;
  • ein System zur strukturierten Vorab-Information seitens der BetreuerInnen für die Hausverwaltungen zu implementieren. Es könnte wesentliche Parameter der Klientel enthalten, welche generell vorab einer neuen betreuten Wohnbesetzung im persönlichen Austausch weitergeleitet werden;
  • auch wenn keine Vorkommnisse zu vermelden sind, als Betreuungsperson halbjährlich direkte Kontakte zu den jeweils zutreffenden Hausverwaltern aufzunehmen, um das gut funktionierende Wohnungsnetzwerk nachhaltig zu pflegen;
  • Fallbesprechungen besonders für neue Kolleginnen und Kollegen durchzuführen, weil diese nach eigener Aussage besonders davon profitieren;
  • professionelle Abgrenzung insbesondere mit Blick auf einsame KlientInnen mit geringen konstruktiven sozialen Netzwerken zu thematisieren und zu bearbeiten. Einsame Betroffene erweisen sich für die Abgrenzung der Betreuungsfunktion als problematisch, da sie in der Betreuungsperson oft die nahestehende Freundschaft suchen, was es den BetreuerInnen erschwert, ihre eigene Berufsrolle auszubalancieren;
  • Betreuungswechsel möglichst zu vermeiden und nur bei kritischen Beziehungen zwischen KlientIn und Betreuungsperson umzusetzen. Dies wurde sowohl von etlichen KollegInnen aus DOWAS so gesehen als auch von einigen KlientInnen. Therapiestudien verweisen seit längerem darauf, dass die Therapeutenvariable einziger Prädiktor für den therapeutischen Erfolg ist (Herbst 1992). Anders formuliert: Eine gute und stabile professionelle Beziehung zwischen Betereuungsperson und KlientIn lässt den Betreuungserfolg eher wahrscheinlich werden.


Literatur
Herbst, Klaus (1992): Verlaufsanalyse bei Drogenabhängigen nach stationärer Behandlung. In: Sucht 3/1992: 147-154
Hurrelmann, Klaus (2006): Gesundheitssoziologie. Juventa: Weinheim
Schorn, Ariane (2000): Das themenzentrierte Interview. Ein Verfahren zur Entschlüsselung manifester und latenter Aspekte subjektiver Wirklichkeit. In: Forum Qualitative Sozialforschung 1(2), Art. 23. URL: http://nbn-resolving.de/urn:nbn:de:0114-fqs0002236. download am 15.07.2012


Über die AutorInnen

Prof. (FH) Dr. Frederic Fredersdorf, Jg. 1955
fre@fhv.at

Leitet seit April 2009 den Forschungsbereich "Sozial- und Wirtschaftswissenschaften" an der Fachhochschule Vorarlberg (FHV). Zwischen 2002 und 2009 war er dort für die sozialarbeiterischen Studiengänge verantwortlich, in denen er nach wie vor zu Aspekten der empirischen Sozialforschung lehrt. Seit Anfang der 90er Jahre fungierte er in Deutschland als Bildungsmanager, Sozialforscher, Dozent und Unternehmensberater in leitender Position. Forschungsschwerpunkte und -projekte stammen aus den Bereichen Bildung (Bildungscontrolling), Gesundheit (Suchthilfe, Suchtprävention) und Soziales (Sozialkapital, Sozialerhebungen, Kulturstudien). Frederic Fredersdorf begutachtet seit 2008 im Auftrag des österreichischen FH-Forschungsforums eingereichte Tagungsbeiträge sowie im Auftrag der österreichischen Ernst-Mach-Gesellschaft eingereichte Stipendiatsanträge ausländischer Studierender. Seit 2012 ist er zudem Senatsmitglied in der österreichischen Christian-Doppler-Gesellschaft zur Begutachtung von Förderanträgen zu Josef-Ressel-Zentren.

URL: http://www.fhv.at/forschung/sozial-und-wirtschaftswissenschaften

Dr. Dipl. Psych. Pascale Roux, Jg. 1967
rp@fhv.at

Ist seit 2012 Hochschullehrerin an der FH Vorarlberg im Studiengang Soziale Arbeit. Zwischen 2002 und 2008 war sie an der FH Vorarlberg als wissenschaftliche Mitarbeiterin im Forschungszentrum für Nutzerzentrierte Technologien und im Forschungsbereich Sozial- und Wirtschaftswissenschaften tätig, wo sie Beiträge zu diversen sozialpsychologischen Studien leistete. Ihr Psychologiestudium absolvierte sie an der FU Berlin und der Albert-Ludwigs-Universität Freiburg, ihre Promotion an der Universität Duisburg-Essen. Arbeits- und Forschungsschwerpunkte: Klinische Psychologie, Methodologie, Gender, Sozialkapital, Gesundheit.

URL: http://www.fhv.at/forschung/sozial-und-wirtschaftswissenschaften






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