soziales_kapital

soziales_kapital
wissenschaftliches journal österreichischer fachhochschul-studiengänge soziale arbeit
Nr. 10 (2013) / Rubrik "Sozialarbeitswissenschaft" / Standort Graz
Printversion: http://www.soziales-kapital.at/index.php/sozialeskapital/article/viewFile/300/501.pdf


Maren Schreier & Christian Reutlinger1:

Sozialraumorientierung Sozialer Arbeit

Folge Österreich. Wer drückt die Stopp-Taste?


Anstelle eines ‚Vorspanns'

Es könnte eine ‚Erfolgsgeschichte’ werden, eine Innovation par excellence: Mit Beharrlichkeit und eindrucksvoller Elastizität bahnt sich eine „Konzeptvokabel“ (Hinte 2012: 4) ihren Weg. Um eine Auseinandersetzung mit Sozialraumorientierung, so viel steht bereits fest, kommt man im deutschsprachigen Feld Sozialer Arbeit nicht (mehr) herum. Auch wir2 stecken mitten drin. Wir haben in den letzten Jahren anregende Diskussionen geführt, mit Studierenden, Professionist_innen/Praktiker_innen, politisch Verantwortlichen und akademisch tätigen Kolleg_innen, in Österreich ebenso wie in der Schweiz und Deutschland. Der Austausch fand in ‚offiziellem Rahmen’ statt, aber auch auf ‚Hinterbühnen’, z. B. in Flur- und Pausengesprächen, am Rande von Tagungen, Fortbildungen und Hochschullehre oder in E-Mail-Korrespondenz mit Studierenden. Dabei haben wir Aufbruchsstimmung und Begeisterung erlebt, sind auf Neugierde und Tatendrang gestoßen und waren beeindruckt von dem hohen Einsatz und der Energie, mit denen viele Praktiker_innen und Professionist_innen die vielfältigen, durchaus herausfordernden sozialräumlichen Projekte und Prozesse im Arbeitsalltag umsetzen. So lässt sich die eine Seite der Medaille beschreiben. Die andere Seite der Medaille zeigt ein anderes Bild: Wo Sozialraumorientierung auftaucht, verbreitet sie Unruhe und Verunsicherung. Begriffe wie „Sozialraumorientierung“, „Sozialraumarbeit“, „sozialraumorientierte Soziale Arbeit“ und „sozialräumliche Jugendarbeit“, aber auch Slogans wie „Vom Fall zum Feld“ oder „Der Fall im Feld“ stehen mal unverbunden nebeneinander, mal verschmelzen sie zu einem undefinierbaren Ganzen. Mal ist von einem ‚ureigenen’ und unverzichtbaren fachlichen Ansatz Sozialer Arbeit die Rede, mal wird Sozialraumorientierung verdächtigt, ein ‚Trojanisches Pferd’ zu sein, mit dessen Hilfe fachfremde Logiken und vor allem rigide Mittelkürzungen durchgesetzt werden. So breit die Palette, so hoch die Verwirrung: Fachkräfte, Wissenschaftler_innen und Studierende zweifeln an ihrer Auffassungsgabe oder ihrem Verstand und trauen sich nicht mehr, Fragen zu stellen; es werden Skepsis oder Unverständnis angesichts der (geplanten oder bereits realisierten) sozialräumlichen Veränderungsprozesse geäußert. Wo Bedenken nicht laut werden dürfen, kann es riskant werden: Professionist_innen/Praktiker_innen berichten von „Maulkörben“, Mobbing, fachlicher Diskreditierung oder internen Versetzungen. Ängste tauchen auf, aber auch Wut oder subversive Strategien, wie z. B. stillschweigender Gehorsam, innere Kündigung, Arbeitsplatzwechsel.

Die inmitten dieser Spannungsverhältnisse gesammelten Eindrücke und Erfahrungen weck/t/en bei uns das Bedürfnis, den Fragen und Irritationen mit Antworten und Orientierungsangeboten zu begegnen. Während wir also überlegten, welche ‚Erkenntnisse’ wir in unseren Artikel speisen und wie wir ‚Klarheit’3 und ‚Entspannung’ in die Debatte bringen könnten, schlich sich ein raumgreifendes Unbehagen ein. Wir spür/t/en Irritation und Widerstände im Zusammenhang mit folgenden Gedanken: Sind wir nicht Teil des Diskurses? Speisen wir nicht, ebenso wie viele Andere, seit Jahren bereits ‚klärende’ Gedanken ein? Aber wieso durchziehen dann noch immer derart viele Spannungsverhältnisse das Feld? Warum scheinen Verwirrung und Unbehagen zuzunehmen, je intensiver man nach Antworten, Erklärungen und Orientierung sucht? Und warum, so könn/t/en wir uns jetzt zugespitzt selbst befragen, haken oder scheitern alle – auch unsere – bisherigen Versuche, den Diskurs – durch Systematisierungs, Analyse- und Interpretationsversuche – ‚aufzuklären’ und zu ‚versachlichen’?


Fragen und Beunruhigungen (vgl. Krondorfer 2013: 89) dieser Art markieren den Ausgangspunkt unseres Reflexionsprozesses. Sie verdichten sich zu mindestens dieser ‚Selbst-Erkenntnis’: Der uns vertraute Weg einer wissenschaftlich fundierten Konturierung von Sozialraumorientierung ist eng mit den o. g. Spannungsverhältnissen verwoben. Wir entkommen ihnen ebenso wenig wie dem damit einher gehenden Unbehagen. Also wagen wir ein Gedankenexperiment und wechseln einmal die Fragerichtung: Was wird sichtbar, wenn wir den Impuls, gleichsam ‚von höherer Warte’ aus ‚aufklären’ zu wollen, umwandeln in einen Impuls der ‚Selbstaufklärung’ (vgl. Krondorfer 2013: 84)? Wenn wir unsere eigene Verwobenheit in den Diskurs ebenso mitdenken wie die Bedingtheit des Sozialraumdiskurses, und damit einmal nicht Sozialraumorientierung zum Kristallisationspunkt unserer Überlegungen machen, sondern das eben skizzierte Unbehagen – was tut sich dann auf (vgl. Lorenz/Schreier i.E.)?

Um uns (und den Leser_innen) die damit einher gehende Reflexionsbewegung sichtbar zu halten, und um das Unbehagen zumindest für einen Moment ‚einzuklammern’, verwenden wir Metaphern, die dem Feld des Kinofilms entlehnt sind. Das mag ungewohnt oder deplatziert anmuten; uns ermöglichte erst eine solche ‚Sicht- und Sprechweise’ die Distanzierung, mit der wir das oben beschriebene Unbehagen kenntlich machen können. Wir laden dazu ein, die hier aufgeworfenen Gedanken weiter zu denken …


„Film ab!“


Abbildung 1: F. Bielecki/pixelio.de

Wir schreiben das Jahr 2013: Der „‚Virus’ der Sozialraumorientierung“ (Krammer 2007: 156) wuchert seit Jahren im deutschsprachigen Raum. Die bundesdeutsche Kinder- und Jugendhilfe ist bereits infiziert. Weitere Arbeitsfelder lassen sich anstecken: In Deutschland, Österreich und der Schweiz entwickeln und implementieren Fachkräfte Sozialer Arbeit in engem Zusammenspiel mit Wissenschaftler_innen und Politiker_innen sozialraumbezogene Ansätze, u. a. für die offene Kinder- und Jugendarbeit, die Sozialen Dienste, die Behindertenhilfe, die kirchliche Sozialarbeit, die Altenarbeit, die Gesundheitsförderung und die Psychiatrie. Auch im Zusammenhang mit Gemeinwesenarbeit, Sozialplanung und Kriminalprävention, Politikberatung und Organisationsentwicklung oder arbeitsfeldbezogener bzw. kommunaler Leitbildentwicklung taucht das Sozialraum-Motiv auf.4 Obgleich es noch immer Gebiete und Felder gibt, die gegen den Virus immun scheinen, ist seine Verbreitung augenfällig: Von den Alpen bis zur Nordsee, vom Rhein bis zu Elbe und Donau, in Städten ebenso wie im ländlichen Raum (vgl. Kluschatzka/Wieland 2009) prägt der Sozialraum-Diskurs Soziale Arbeit nachhaltig.

Zwar wird vereinzelt auf Mutationen und Nebenwirkungen verwiesen (vgl. ver.di 2004; Diebäcker 2008, 2013; Höllmüller 2012; Seithe/Wiesner-Rau 2013: 19ff), doch die hohe Anpassungsfähigkeit des ‚Virus’ nimmt allen Warnungen den Wind aus den Segeln. Sozialraumorientierung lässt sich vielfältig nutzen und „flexibel“, ja „maßgeschneidert“ (Budde/Früchtel 2004: 94) einsetzen: „als handlungsleitende Folie sowohl für praktisches Handeln (…) wie auch als organisationale Folie für den integrierten Umbau von Leistungen“ (Hinte 2012: 4). Zudem verheißen die Protagonist_innen des Diskurses positiv(st)e Wirkungen! Das Feld der Kinder-, Jugend-, Familien- und Erziehungshilfe sei beispielsweise gegenwärtig gar nicht besser und wirkungsvoller zu gestalten (vgl. Schrapper 2006: 52). Auch für die Adressat_innen Sozialer Arbeit, für die Bereiche der Steuerung und Finanzierung Sozialer Dienste und damit letztlich für alle Bürger_innen (vgl. Waldvogel 2007: 150) werden „Gewinn[e]“ in Aussicht gestellt (Krammer 2007: 152). Sozialraumorientierung: ein ‚Volltreffer’!

Entsprechend ansteckend ist die Euphorie im Feld Sozialer Arbeit: Man habe ihn, so tönt es aus vielen Ecken, endlich gefunden, den überfälligen und „notwendige[n] Perspektivwechsel“ gegenüber der bestehenden Praxis (Plankensteiner et al. 2013: 8).5 Hoffnungen und Erwartungen könnten höher nicht sein: Es geht um nichts weniger als um eine ‚zeitgemäße’ fachliche Neuausrichtung Sozialer Arbeit (vgl. SiO Sondernummer 1/2012; Plankensteiner et al. 2013). Ein „Paradigmenwechsel“ (Waldvogel 2007: 150; BMWFJ 2011: 544; Fehren/Kalter 2012: 30) vollzieht sich!6


Der Virus findet vielfältige Verbreitungswege: Sammelbände, Lehr- und Methodenbücher überfluten das Feld, zahlreiche Homepages7 ermöglichen Einblicke in die mannigfaltigen theoretischen wie praktischen Spielarten der Sozialraumorientierung. Die Stichworte „Sozialraum“ und „Sozialraumorientierung“ wurden in Fachlexika aufgenommen (vgl. Kessl/Reutlinger 2011; Fehren 2011; Bakic et al. 2008), womit die hohe fachliche Relevanz besiegelt ist. An Fachhochschulen und Universitäten wird sozialraumbezogen geforscht und gelehrt, auf Fachtagungen und im Rahmen von Fortbildungsreihen wird sozialräumliches Wissen vermittelt und Handlungskonzepte werden diskutiert. In der Praxis wird beispielsweise das „Fachkonzept Soziale Arbeit“ (vgl. Hinte/Treeß 2007) aufgegriffen, das SONI-Modell (Früchtel et al. 2010) angewandt oder das transdisziplinäre „St. Galler Modell zur Gestaltung des Sozialraums“ in unterschiedlichen Kontexten ausbuchstabiert (Reutlinger/Wigger 2010).

Auch wenn immer wieder betont wird, dass die Verbreitung des ‚Virus’ und seiner Auswirkungen in Deutschland viel weiter vorangeschritten ist: Es ist unübersehbar, dass Sozialraumorientierung auch in Österreich um sich greift. Davon zeugt beispielsweise die Fachzeitschrift „Sozialarbeit in Österreich (SiO)“ des Österreichischen Berufsverbandes der Sozialarbeiter_innen (obds): Sie widmet der Sozialraumorientierung eine Sonderausgabe (vgl. SiO Sondernummer 1/2012). Die Herausgeber_innen präsentieren mit dieser „seitenstärkste[n] SiO“ aller Zeiten (SiO Sondernummer 1/2012: 2) insbesondere den „Grazer Weg der Sozialraumorientierung“8, der als „größte[r] Umbau- und Neugestaltungsversuch in der österreichischen Jugendwohlfahrt der letzten Jahrzehnte“ (Höllmüller 2012: 42) gilt.9 Auch der 6. Bericht zur Lage der Jugend in Österreich betont die fachliche Relevanz der Sozialraumorientierung, bzw. des „sozialräumlichen Blickwinkel[s]“ (BMWFJ 2011: 511; vgl. auch Deinet/Krisch 2006).10 Die Verfasser_innen des Jugendberichtes stellen die hohe Bedeutung sozialräumlichen Lernens und sozialräumlicher Bildungs- und Beschäftigungsförderung heraus. Sie empfehlen eine Kooperation und sozialräumliche Orientierung von Jugendarbeit, Jugendamt und Schule und weisen auf die Notwendigkeit sozialraumorientierter Planung und Budgetierung hin. Dass sich die damit verbundene Neuordnung der Jugendsozialarbeit gegenwärtig – in fachlicher und regionaler Hinsicht – „noch auf kleinere Teilbereiche des [österreichischen] Hilfesystems“ (BMWFJ 2011: 543f) beschränkt, mildert deren innovatives ‚Ansteckungs’-Potenzial keinesfalls .

Entsprechend rege, kontrovers und emotional werden (feld- und ortsspezifisch, aber auch disziplin- und länderübergreifend) Aspekte der theoretischen, konzeptionellen, methodischen und strategischen Ausgestaltung debattiert. Ein Teil dieser Diskussionen wird etwas ‚abgeschottet’ im akademischen Kontext verhandelt. Hier – in Zeitschriften, Büchern, Arbeitspapieren oder Referatsmanuskripten – zeichnet der Fachdiskurs inklusive seiner Rezeption ein schillerndes Bild. Die Stimmen, Rollen und Positionen diskursbeteiligter Akteur_innen aus unterschiedlichen nationalen, lokalen, disziplinären, professionellen oder auch politischen Kontexten vermischen sich; mal sprechen/schreiben sie mit ‚einer Stimme’, mal agieren sie gegeneinander oder aneinander vorbei, mal ignorieren sie sich. Die bisher abgedrehten Szenen wechseln zwischen der o. g. Euphorie und einer den Diskurs von ‚Beginn an’ begleitenden Kritik (vgl. exemplarisch Diebäcker 2008; Krauskopf 1999; Sandermann/Urban 2007). Letztere jedoch scheint regelmäßig zu ‚verpuffen’: Obgleich mit all den wohlklingenden Versprechen durchaus disparate Intentionen einher gehen, und auch wenn in manchen Szenen Argwohn und Skepsis laut werden11 (vgl. exemplarisch Pantucek 2007; Diebäcker 2008; Dahme/Wohlfahrt 2010; DBSH 2010), so wird das Gesamtbild – wenn überhaupt – nur marginal getrübt (vgl. Hinte 2009).

Mal angesichts, mal ungeachtet dieser ‚Debatten’ steht die Praxis (i. d. R. Träger, Jugendämter, Kommunen oder Landkreise inklusive aller involvierten Fachkräfte) vor vielen Fragen: Auf welchen der fahrenden Sozialraum-Züge springen wir auf, und: Wer übernimmt die Fahrtkosten? Oder: Wie lassen sich Strukturen und Arbeitsweisen Sozialer Arbeit mittels Sozialraumorientierung ‚maßgeschneidert’, effizient und nachhaltig an lokalspezifische Bedarfe anpassen? Im „Grazer Modell“ werden diese Frage so formuliert:

„Wie kann es gelingen, die Qualität der Sozialen Arbeit nicht nur zu sichern, sondern auch weiterzuentwickeln? Wie müssen Organisationsformen gestaltet sein, um auf derzeitige und zukünftige gesellschaftliche Herausforderungen schnell und flexibel reagieren zu können?“ (vgl. Stadt Graz o.J.).
Weitere Fragen tauchen auf: Wie radikal lassen sich vorhandene Strukturen, Prozesse und Verfahren reformieren und welche Zeitspanne ist dafür zu veranschlagen? Wie lässt sich das Vorhaben strategisch, finanziell und personell am besten aufgleisen – welche Herausforderungen gehen damit einher?

In manchen Szenen lassen sich weitere Stimmen erahnen. Es sind die Stimmen vieler Akteur_innen Sozialer Arbeit, die – mal freiwillig, mal unfreiwillig – auf den ‚Hinterbühnen’ des Diskurses agieren; die ihre Sicht auf Sozialraumorientierung eher ‚inoffiziell’ äußern: in Teamsitzungen, Flur- und Pausengesprächen; oder deren Texte zwar publiziert, aber nicht rezipiert werden. Es sind Stimmen, die hartnäckige und unbequeme, sperrige wie kritische Fragen an das ‚Selbstverständliche’ und/oder ‚Alternativlose’ richten; die Brüche, Inkonsistenzen und Widersprüche erahnen, erleben oder (empirisch) aufdecken; die Ängste, Irritation, Verunsicherung, Unverständnis, manchmal gar Wut verspüren angesichts der beharrlichen Verbreitung des ‚Sozialraum-Virus’. Es sind Perspektiven und Deutungsweisen, die dem ‚Schein’ sozialraumorientierter Sozialer Arbeit Glanz und Strahlkraft nehmen (könnten) – und die vom Mainstream-Diskurs machtvoll übertönt, an den Rand gedrängt oder diskreditiert werden.

Der Diskussions- und Beratungsbedarf ist in allen Szenen hoch. ‚Expert_innen’ und ‚Expertisen’ stehen hoch im Kurs. Sozialraumorientierung lässt sich verkaufen! Damit ist sie zu einem bedeutsamen Marktfaktor, zu einem ‚Exportschlager’, geworden …


Abbildung 2: F. Bielecki/pixelio.de

An dieser Stelle halten wir den Film einmal an und nutzen diese ‚Pause’ als Denk- und Reflexionsmöglichkeit. Mit diesem ‚Kunstgriff’ versetzen wir uns in eine Beobachter_innen-Rolle, wir tun so, als ob wir diesen Film gerade zum ersten Mal gesehen hätten. Wir lassen zunächst die Eindrücke auf uns wirken und verknüpfen sie dann in einem zweiten Schritt mit unseren Erfahrungen: Was fällt uns auf?


... die hohe Attraktivität des Sozialraum-Motivs leuchtet ein! Zunächst müssen wir uns eingestehen: Die hohe Attraktivität des Sozialraum-Motivs leuchtet ein! Da ist zum einen seine Kontinuität: Seit mittlerweile rund 120 Jahren ist die Orientierung am (städtischen) Sozialraum ein Kernthema Sozialer Arbeit (vgl. Scheipl 2008: 23; Bingel 2011). Nicht zuletzt deshalb gilt Sozialraumorientierung – anders als viele ‚Trends’ der vergangenen Jahre (wie z. B. Sozial- und Case-Management, Lösungsorientierung oder die Debatten um Qualität und Wirkungsorientierung)12 – als „grundlegendes Konzept Sozialer Arbeit“ (Stoik 2008, o.S.). Zudem beeindruckt die ‚Tatsache’, dass sie sich passgenau an unterschiedliche Vor-Ort-Bedingungen und Kontexte anschmiegt. Mit dem Sozialraum-Motiv lassen sich soziale und lokalpolitische, adressat_innenbezogene, disziplin- wie professionspolitische, theoretische wie konzeptionelle und sogar ethische Themen und Anliegen verknüpfen (vgl. Pantucek 2007: 44f)! Damit erweist sich Sozialraumorientierung als hochgradig anschlussfähig an den gesellschaftlichen wie fachlichen ‚Zeitgeist’ (vgl. Bingel 2011: 203). Darüber hinaus lassen sich mittels Sozialraumorientierung sogar die Organisations- und Finanzierungsformen von Trägern und öffentlicher Verwaltung an sozialarbeiterischen/sozialpädagogischen Prinzipien ausrichten (vgl. Hinte 2006). Auch wenn insbesondere dieser Aspekt scharfe Kritik auf den Plan ruft (vgl. exemplarisch Dahme/Wohlfahrt 2010): Dass Sozialraumorientierung „ein Gewinn für alle“ ist (Krammer 2007: 152), heben die Protagonist_innen des Diskurses doch zu Recht hervor!?

An dieser Stelle spüren wir, wie sich ‚zusehends’ Irritation einschleicht. Irgendetwas hakt. Folgen wir also dem eingangs gesetzten Impuls der Selbstaufklärung und spüren wir unserem Unbehagen nach, indem wir den Sozialraum-Diskurs aus einer alternativen Perspektive betrachten. Wo taucht das Unbehagen auf?


... der ‚Sozialraum-Sog’ hat (auch) uns erfasst
Die Handlung nimmt in rascher Bildfolge ihren Lauf – wir spüren, dass wir in einen Sog geraten. Produzent_innen, Drehbuchautor_innen, Regisseur_innen, Darsteller_innen und Cutter_innen gelingt es auf faszinierende Weise, Sozialraumorientierung mit hoher Bedeutung zu versehen. Obgleich sich unverbundene Parallelhandlungen abzeichnen und ein ‚Happy-End’ noch in Frage steht, hinterlässt das Gesehene den Eindruck eines weit entwickelten, erfolgreichen ‚Projektes’. Die ‚zentralen’ Charaktere, Szenenbilder und Handlungsstränge stehen; die Breite der Diskussionen, die Masse der Veröffentlichungen, der Nachdruck, mit dem auf ‚Erfolg’ und ‚Gewinn’ verwiesen wird und nicht zuletzt der Aufwand, mit dem sozialräumliche Reorganisationsprozesse in lokalen Kontexten – auch gegen Vorbehalte und Widerstände – durchgesetzt werden: all dies beeindruckt. Und noch ein weiterer Aspekt besticht: Mit „Sozialraum/-orientierung“ lassen sich Bilder von ‚moderner’ und ‚wirksamer’ Sozialer Arbeit transportieren. Dieser Aspekt verlockt insbesondere in Zeiten, in denen Relevanz und Funktion Sozialer Arbeit in Frage gestellt werden. Während die Gesellschaft hoch komplex erscheint und Sozialer Arbeit gering(st)e Interventionsspielräume zugeschrieben werden, wirken (lokale) ‚Sozialräume’ verführerisch (unabhängig davon, ob man Sozialraum raumtheoretisch absolutistisch oder relational fasst (vgl. hierzu Kessl/Reutlinger 2010): Mit der Idee von ‚Sozialräumen’ lassen sich überschaubare und damit konzeptionell, (sozialraum-)analytisch und empirisch mindestens annähernd ‚greifbare’ Einheiten konstruieren. Der Rückgriff auf das Sozialraum-Motiv ermöglicht Sozialer Arbeit die Inszenierung von Handlungsnotwendigkeit und -fähigkeit zugleich: ‚Hier’ ist Soziale Arbeit zuständig, hier lässt sich gestalten (vgl. Bingel 2011)!

Eine ebenso mitreißende wie essentialisierende Wirkung entfaltet der mit all diesen Verheißungen einher gehende Plausibilitätseffekt: „There is no Alternative!“ Dass Sozialraumorientierung gut, sinnvoll und aus Sozialer Arbeit gar nicht mehr wegzudenken ist, scheint außer Frage zu stehen – auch wenn es, wie die kontroversen Debatten zeigen, durchaus darauf anzukommen scheint, wie Sozialraumorientierung ‚ausbuchstabiert’ und (theoretisch, konzeptionell, methodisch, ethisch, strategisch usw.) gefüllt wird.13


... wir spielen mit
Es ist augenfällig: Die Produktion ist in vollem Gange – und wir sind mitten drin. Wir nähren uns von und mit den ‚Erfolgsgeschichten’ des Sozialraum-Diskurses: lehrend, referierend, publizierend, forschend und beratend. Mehr noch: Indem wir Deutungs- und Analysefolien entwerfen, uns zu Reichweite und Grenzen einzelner Konzepte äußern, ‚eigene’ Ansätze konturieren und damit eine ‚angemessenere’ Deutung von Sozialraumorientierung vertreten, bringen wir Sozialraumorientierung – in welcher Ausprägung auch immer – (mit) hervor. An uns selbst kommen wir also ebenso wenig vorbei wie an den Bedingungen, die uns eine Positionierung im Diskurs, ein Mitwirken bei Drehbuchgestaltung und Filmdreh ermöglichen.

Die damit einher gehende ‚Selbst-Gewissheit’ verschleiert allerdings einen Aspekt, der im ‚Subtext’ des Films mitschwingt: Indem wir zu Sozialraumorientierung sprechen/schreiben/forschen, sind wir Teil der ‚Kämpfe’ um akademische, disziplin- wie professions- oder auch lokalpolitische Anerkennung (vgl. Hark 2005: 176ff; Bourdieu 1992). Eben diese Auseinandersetzungen gehen jedoch mit Ein-, Aus- und Abgrenzungsprozessen einher, die im gegenwärtigen Sozialraum-Diskurs ausgeblendet werden: „Wissenschaft-Machen“ (Hark 2005: 172) ist immer auch ein ‚Ringen’ um die ‚legitime’ Deutung von ‚Wissen’ und ‚Wirklichkeit’ (hier: „Sozialraum/-orientierung: ein Gewinn!“). Was der Deckmantel ‚wissenschaftlicher Neutralität und Objektivität’ allzu oft verschleiert, offenbart sich als nicht unwesentlich interessengeleitete, strategische und konfliktäre politische Praxis (vgl. ebd.; Scott 1997: 18; Schreier 2013: 191ff). Diese – akademischen, disziplin- wie professions- und lokalpolitischen – ‚Kämpfe’ um Sozialraumorientierung gehen notwendigerweise damit einher, dass viele Stimmen – und also viele weitere, weniger anerkannte Deutungsweisen und Wissensformen – machtvoll ‚übertönt’, an den Rand gedrängt, diskreditiert oder tabuisiert werden (vgl. Hark 2005: 392). Sie bleiben sprichwörtlich ‚auf der Strecke’ – um welchen Preis?

Aus dieser Perspektive lassen sich die eingangs skizzierten Spannungsverhältnisse anders in den Blick nehmen: Sie sind – auch von uns, im ‚Glauben’ an eine ‚angemessenere Sozialraumorientierung’, reproduzierte – Effekte einer gegenwärtig wirkmächtigen, wirklichkeitskonstituierenden Erzählung: Sozialraum/-orientierung – ein Gewinn für alle!?


... was wird gespielt?
Nur auf den ersten Blick wirkt der bisherige Handlungsverlauf eingängig und schlüssig. Bei genauerer Betrachtung zeigen sich Risse und Blindstellen in der Oberfläche der Sozialraum-‚Gewissheiten’: Es wird nicht deutlich, in welche Richtung sich der Film entwickeln wird und welchen Ausgang er nehmen könnte; dies betrifft sowohl die Haupterzählung („Sozialraum/-orientierung – ein Gewinn!“) als auch die zahlreichen Nebenstränge (z. B. die kommunalen sozialräumlichen Reorganisationsprozesse). Ebenso wenig lässt sich erkennen, in welche Richtung und mit welcher Absicht die Darsteller_innen – wir inklusive – den Verlauf beeinflussen. Da überdies nur vereinzelt sichtbar wird, dass die Bedingtheit, beispielsweise die Historizität und Kontextgebundenheit, von Sozialraumorientierung mitgedacht und thematisiert wird (vgl. den folgenden Absatz), fragen wir uns an dieser Stelle: Was wird eigentlich gespielt unter dem Titel „Sozialraumorientierung“ – und was macht ein Mitwirken für uns derart attraktiv?


... wieso ‚passt’ Sozialraumorientierung eigentlich überall?
Sozialraumorientierung, so die Narration, erweist sich länder- wie arbeitsfeldübergreifend und auch in historischer Perspektive als hochgradig attraktiv und anpassungsfähig. Sie hat sich zu einem regelrechten ‚Exportschlager’ entwickelt, obgleich sich die Implementierungskontexte in vielerlei Hinsicht unterscheiden: hinsichtlich ihrer zeitgeschichtlichen, sozialstaatlichen, demokratietheoretischen, lokalpolitischen und hochschulpolitischen Verfasstheit beispielsweise; aber auch hinsichtlich ihrer (bundes-)länder- bzw. kantonspezifischen Traditionen und Diskurse, bezogen auf Arbeitsfelder, Berufsbilder, Ausbildungsgänge, Tätigkeitsprofile oder Professionalisierungsgrade Sozialer Arbeit (vgl. Knapp 2004; Pantucek 2007; Freigang 2009). Eben diese ‚Elastizität’ ruft bei genauerer Betrachtung unsere Skepsis auf den Plan: Könnte es sein, dass die oben beschriebene ‚Sogwirkung’ von Sozialraumorientierung dazu verleitet, allzu schnell blind gegenüber den jeweiligen Kontexten, aber auch blind gegenüber diskursinhärenten Spannungsverhältnissen zu werden? Im Nachdenken darüber taucht eine weitere Frage auf, scheinbar banal und vielleicht gerade deshalb so irritierend: Da sich Sozialraumorientierung in derart unterschiedlichen Situationen als die Lösung bzw. die Antwort anzubieten scheint – wie lautete noch gleich die Ausgangsfrage?


... der Diskurs perpetuiert sich mitsamt seinen Unschärfen selbst
Der Filmzusammenschnitt blendet nicht nur zentrale Fragen, sondern auch Antworten konsequent aus. So haben wir nicht erfahren, wie die häufig gestellten Fragen: „Was ist und wozu Sozialraumorientierung?“ oder „Inwiefern unterscheiden sich die verschiedenen Ansätze?“ beantwortet werden. Das könnte, so ließe sich einwenden, dem Konstruktionseffekt der Film-Metapher geschuldet sein: Wir haben den Film in der präsentierten Form zusammengeschnitten. Also sind wir es, die Fragen wie Antworten zurück halten. Ein rhetorisches Spiel? Einerseits, ja. Andererseits bezweifeln wir, dass es anderen Regisseur_innen gelänge, dies ‚eindeutiger’ zu inszenieren. Wenn wir einzelne Filmsequenzen einmal heran zoomen, dann erkennen wir nämlich, dass und inwiefern der Sozialraumdiskurs mittlerweile um sich selbst kreist: Ungeachtet anders lautender Behauptungen (vgl. Haller et al. 2007a: 7) zeigt sich das Feld sozialraumbezogener Ansätze keineswegs profiliert. Vielmehr suggerieren allgegenwärtige Unschärfen eine ebenso beruhigende wie beunruhigende ‚eindeutige Beliebigkeit’. Das scheint ein offenes Geheimnis des Diskurses zu sein: Brandstetter und Sommer beschreiben das „österreichische Verständnis“ des Sozialen Raums als „vielgestaltig und hoch dynamisch“; weder seien „gemeinsame Argumentationszüge noch vergleichbare Begrifflichkeiten“ zu erkennen (Brandstetter/Sommer 2008: 1).

Diese im Jahr 2008 getroffene Einschätzung lässt sich problemlos in die Gegenwart und auf den gesamten deutschsprachigen Raum Sozialer Arbeit übertragen. Daran irritiert weniger die Feststellung, dass der Diskurs von Unschärfen durchzogen ist. Irritierend ist deren diskurstypischer, wenn nicht gar diskursstabilisierender Charakter: Könnte es sein, dass eben diese Unschärfen eine homogenisierende, macht- wie herrschaftsblinde ‚Vereinigung’ (oder, weniger euphemistisch formuliert: Gleichschaltung) der vielen unterschiedlichen, teils gegensätzlichen Interessen, Absichten oder Logiken überhaupt erst ermöglicht? Dieser Verdacht verdichtet sich, wenn man in den Blick nimmt, dass die Inkonsistenzen der Begriffsverwendung sowie die Vermischung inhaltlich und formal höchst unterschiedlicher Konzepte ebenso wie das eben bereits problematisierte Ausblenden lokalspezifischer Kontextbedingungen und der Gefahr fachfremder Indienstnahme Sozialer Arbeit bereits seit den ‚Anfängen’ sozialraumbezogener Sozialer Arbeit problematisiert werden (vgl. Krauskopf 1999; Merchel 2007; Sandermann/Urban 2007; Düring 2011; Trede 2011). Ganz aktuell resümiert Bestmann bezogen auf Sozialraumorientierung: „Eine eindeutige Begriffsverwendung hat sich bislang nicht durchgesetzt“ (Bestmann 2013: 40).

Ungeachtet (oder: infolge) dessen wirkt der o. g. ‚Sog des Sozialräumlichen’. Im ‚Zoom’ wird zudem deutlich, dass die Akteur_innen – im akademischen Kontext ebenso wie im Alltag der Praxis – allzu rasch in Strudel der Positionierungserfordernis geraten. Ein nicht unerheblicher Teil der Debatten ist durchsetzt von Polemik. In manchen Beiträgen bricht sich – unter dem schützenden Deckmantel rhetorischer Stilmittel (Floskeln, Ironie, Sarkasmus oder Zynismus) – eine Emotionalität Bahn14, die in dieser Häufung erstaunt. Nicht zuletzt erwecken diese ‚Grabenkämpfe’ den Anschein, sich in Sackgassen verfahren zu haben. Einmal in einer solchen Sackgasse gelandet, so ließe sich zuspitzen, bleibt nicht viel mehr, als die Relevanz des Sozialraumdiskurses und/oder die eigene Bedeutsamkeit selbst zu perpetuieren. Die ‚Erfolgsgeschichte Sozialraumorientierung’ entlarvt sich selbst: als ‚Realitätseffekt’ (vgl. Scott 1997:7f) der oben skizzierten machtvollen ‚Kämpfe’ um Anerkennung, Geltung und Legitimität Sozialer Arbeit (vgl. Bingel 2011).


Anstatt eines Abspanns – weitere Denkanstöße15
Mit unserem ‚filmisch’ in-Szene-gesetzten Gedankenexperiment ging die Absicht einher, vertraute ‚Sehgewohnheiten’ zu verschieben und Alternativen frei zu legen. Wir waren neugierig: Inwiefern lässt sich Sozialraumorientierung ‚anders-wahrnehmen’ und ‚anders-denken’ (vgl. Hark 2005: 390ff; Foucault 2008: 1161)? Inspiriert und motiviert hat uns eine Irritation, die sich von diskursinhärenten Spannungsverhältnissen sowie unseren Verstrickungen in den Sozialraumdiskurs nährte. Unserem Vorgehen lag (und liegt) die Vermutung zugrunde, dass es produktiver sein könnte, diesen Spannungsverhältnissen ins Auge zu blicken, sie also anzuerkennen und zu berücksichtigen, als vor ihnen die Augen zu verschließen oder sie gar zu leugnen (vgl. Scott 1997: 6).

Es war ein Versuch, die ‚Verlockungen’ akademischer Distanzierung (‚Klarheit!’ ‚Eindeutigkeit!’ ‚Erkenntnis’!) abzuwehren und uns statt dessen – mitsamt unserer Verwobenheit – in das uns (um-)formende und von uns mit geformte diskursive wie institutionelle Äußere (vgl. Hark 2005: 390) des Sozialraumdiskurses hinein zu denken und zu schreiben. Was hat sich dadurch aufgetan?

Spürbar wird: Eine selbstreflexive Inblicknahme der Spannungsverhältnisse erhellt und beunruhigt gleichermaßen; sie wirft mehr Fragen auf, als Antworten denkbar sind. Sie geht also mit Selbst-Beunruhigungen einher, an deren Fluchtpunkt weder ‚Klarheit’ noch ‚Gewissheiten’ stehen. Die Herausforderung besteht darin, Selbst-Aufklärung als intendierte Selbst-Beunruhigung umzusetzen. Das gibt zu denken – und wird damit ‚produktiv’! Indem Spannungsverhältnisse nicht länger geleugnet werden, sondern als untrennbarer Bestandteil des Sozialraumdiskurses anerkannt werden (vgl. Scott 1997: 6), lassen sich – entlang von Brüchen, Widersprüchen und Selbstbeunruhigungen – Gewissheiten verschieben: im Denken ebenso wie im Schreiben/Sprechen und Handeln.

Ein solches Vorhaben ist unbequem und anregend zugleich. Unbequem nicht nur, weil derartige Reflexionsprozesse Ressourcen benötigen (Raum, Zeit und Mit-Denker_innen beispielsweise), und weil der ‚Ausgang’ bzw. das ‚Resultat’ stets ungewiss bleibt. Ein sich herantastendes Irritieren und/oder Durchbrechen des Gewohnten erfordert darüber hinaus eine „gewisse Ent-Identifizierung“ (Scott 1997: 18, kursiv i. Orig.) gegenüber unserem (bisherigen) Selbstverständnis innerhalb des Diskurses. Wir müss/t/en uns, bildlich gesprochen, am eigenen Lack kratzen. Dies wiederum liegt, so ist zumindest unsere Wahrnehmung, ‚quer’ zum gegenwärtigen ‚Mainstream’ akademischer Wissensproduktion und -verbreitung. Es kann also mit Abwehr und Widerständen einher gehen: Dem Unbehagen entkommen wir damit nicht (vgl. Lorenz/Schreier i.E.). Aber: Wir gewinnen an Perspektiven!

Es könnte sich also lohnen, all den Widersprüchen und Uneindeutigkeiten des Sozialraum-Diskurses einmal ‚Raum’ zu geben; sie anzuerkennen und mit ihnen (anders) zu denken – entbunden vom Drang oder Zwang, der mit Vorstellungen von Klarheit, Eindeutigkeit und Erkenntnis einher geht (vgl. Hark 2005: 393ff).


Verweise
1 Die Möglichkeiten, die Autor_innen-Reihenfolge festzulegen, sind vielfältig, selten beliebig – und stets begleitet Unausgesprochenes diesen Akt. Man kann dem Alphabet folgen und/oder vorherrschende akademische Hierarchisierungspraktiken reproduzieren (so gibt es den ‚Brauch', institutionell niedriger Gestufte grundsätzlich zuletzt zu nennen, es findet sich ein mal gönnerhaftes, mal diskriminierungssensibles – „Ladies first“ – oder schlicht: ‚Titelitis').
Wir markieren bewusst, dass diesem Artikel ein gemeinsam geführter Diskussions- und Reflexionsprozess zugrunde liegt. Der ‚Charakter' des Beitrags ist geprägt von Schreib- und Denkweisen, die Maren Schreier eingebracht hat. Das Zusammenspiel unserer Herangehensweisen – Christian Reutlinger hat sich vor diesem gemeinsamen Prozess mit ganz anderen Texten zu Sozialraum positioniert – formt den Artikel.
2 Wir arbeiten in verschiedenen Forschungs- und Beratungsprojekten sowie in der Hochschullehre, u. a. im Kontext des Kompetenzzentrums Soziale Räume der FHS St. Gallen. In diesem Zusammenhang publiziert, forscht, lehrt und referiert Christian Reutlinger zu Sozialraumarbeit und Sozialraumforschung. Maren Schreier lehrt und referiert u. a. zu den Themenfeldern Gemeinwesen- und Sozialraumarbeit. Im Rahmen ihrer Dissertation beleuchtet sie die aktuelle ‚Rede' vom Sozialraum aus einer diskursanalytischen Perspektive.
3 Wir setzen hier und im Folgenden einige Begriffe in einfache Anführungszeichen, um damit den wirklichkeitskonstituierenden Charakter von Worten sichtbar zu machen: Sprache formt und begrenzt unser Denken, Worte schaffen Wirklichkeiten, gerade weil sie oftmals mehr transportieren als schlichte ‚Tatsachen-Bezeichnungen‘.
4 Vgl. für die unterschiedlichen Arbeitsfelder exemplarisch: Albrecht 2008; Bestmann 2009; Brandstetter 2009; CURAVIVA et al. 2010; Deinet/Krisch 2006; Geser/Hämmerle 2009; Groeger-Roth 2012; Häseler 2008; Hinte 2011; Lebenshilfe Österreich 2010; Röh 2013; Sing/Heimgartner 2009; Waldvogel 2007.
5 Höllmüller kritisiert diese, seitens der Profession weitestgehend unwidersprochene, immanente Professionskritik der Sozialraumorientierung (vgl. Höllmüller 2012: 42).
6 Kritisch zu der Einschätzung, mit Sozialraumorientierung liege eine Neuorientierung oder gar ein Perspektivwechsel Sozialer Arbeit vor, äußern sich u. a. Krauskopf 1999 und Bingel 2011.
7 u. a. www.sozialraum.at; www.forum-sozialraum.at; www.sozialraum.de; www.stadtteilarbeit.de; curaviva.ch.
8 Vgl. http://www.graz.at/cms/beitrag/10133592/4194118 (13.08.2013)
9 Höllmüller kritisiert in seiner Replik auf diese Sondernummer allerdings, diese habe den Charakter einer „Jubelschrift“, die kritische Fragen ausspare (vgl. Höllmüller 2012: 42).
10 Dem gegenüber tauchen die Begriffe „Sozialraum/Sozialraumorientierung“ im 5. Jugendbericht (vgl. BMGFJ 2007) nicht einmal auf; im 4. Jugendbericht (BMSG 2003) wird – in einer Randbemerkung – unter dem Stichwort „Prävention“ „die Entwicklung von Konzepten für sozialräumlich verankerte, präventiv und partizipativ ausgerichtete Breitenarbeit mit Kindern und Jugendlichen“ gefordert (BMSG 2003: 123).
11 So äußert Pantucek den Verdacht, dass Sozialer Arbeit – vom Drang getrieben, „sich ständig neu (…) erfinden zu müssen“ – mit dem Label „Sozialraumorientierung“ schlicht ein weiteres Etikett angedient werde, hinter dem bewährte Traditionen und Entwicklungslinien Sozialer Arbeit verblassten oder verschwänden (vgl. Pantucek 2007: 40, ähnlich Brandstetter 2009: 113f).
12 kritisch zu ‚Trends‘ dieser Art vgl. Bakic et al. 2008; Bakic 2009; Dollinger/Raithel 2006; Pantucek 2007: 40
13 Sozialraumskeptisch äußern sich u. a. Diebäcker 2008; Dahme/Wohlfahrt 2010; Landhäußer 2009; Sandermann/Urban 2007.
14 So wird polemisiert gegen „akademische Selbstbezogenheit“ und „lebensweltferne, intellektuelle Gesellschaften“ (Bestmann 2013: 63); oder es wird ‚Mythenbildung' konstatiert, die „karrieristische[m] Kalkül“ entspringe (vgl. Hinte 2013: 4). Weiter komme es zu „aus der Luft gegriffenen Behauptungen, unbelegten Phantasien sowie wüsten Attacken“ (ebd.). Ähnlich die Zuspitzung, dass „[v]ornehmlich in Deutschland (...) ‚Sozialraumorientierung' publizistisch von Parzellen-Vertreter/innen unter die Lupe genommen [werde], die bisweilen vor lauter Haaren die Suppe nicht finden“ (Haller et al. 2007: 8).
15 Denken verläuft oftmals ‚abduktiv'; es orientiert sich nicht notwendigerweise an 'wissenschaftlichen Konventionen'. Auch um den ‚Reflexionscharakter' dieses Artikels nicht durch allzu akribisches ‚Belegen' unterbrechen zu müssen, platzieren wir den Verweis auf Denkangebote, die unsere Überlegungen angeregt haben, an dieser Stelle: Es zählen dazu die diskursanalytischen, historiographischen und erkenntniskritischen Studien von Bourdieu (1992), Hark (2005), Foucault (1981) und Scott (1997).


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Über die AutorInnen

M.A. Maren Schreier, Jg. 1975
schreier@bisa-bremen.de

Diplom Sozialarbeiterin/Sozialpädagogin und M.A. Social Work, Gründungs- und Vorstandsmitglied des Bremer Instituts für Soziale Arbeit und Entwicklung e.V. (BISA+E). Berufstätig von 2001-2008 als Gemeinwesenarbeiterin in Bremen-Tenever. Seither Freiberuflerin im Wissenschaftsfeld: (Praxis-)Forschung, Lehre und Fortbildung an verschiedenen Hochschulen in Deutschland und an der FHS St. Gallen/CH, am BISA+E sowie für öffentliche und freie Träger Sozialer Arbeit. Nebenberuflich promovierend an der Universität Duisburg-Essen. Arbeitsschwerpunkte: Erkenntnis- und wissenschaftskritische Soziale Arbeit, Methodologien qualitativer Sozialforschung, Foucaultsche Diskursanalyse.

Prof. Dr. phil. Habil., Dipl. Geogr. Christian Reutlinger, Jg. 1971
christian.reutlinger@fhsg.ch

Sozialgeograph und Erziehungswissenschaftler, Privatdozent an der TU Dresden (Fakultät für Erziehungswissenschaft). Er leitet die Forschungsabteilung des Instituts für Soziale Arbeit (IFSA) an der FHS St. Gallen, Hochschule für Angewandte Wissenschaften. Auch ist er dort Leiter des Kompetenzzentrums Soziale Räume. Seine Arbeitsschwerpunkte sind: Social Developement, Transnationale Soziale Arbeit, Sozialgeografie der Kinder und Jugendlichen, Europäische Jugendforschung, Sozialpädagogische Sozialraumforschung und Sozialraumarbeit.






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