soziales_kapital

soziales_kapital
wissenschaftliches journal österreichischer fachhochschul-studiengänge soziale arbeit
Nr. 16 (2016) / Rubrik "Sozialarbeitswissenschaft" / Standort Wien
Printversion: http://www.soziales-kapital.at/index.php/sozialeskapital/article/viewFile/490/866.pdf


Anna Fischlmayr, Aurelia Sagmeister & Marc Diebäcker1:

Sozialraumforschung und Institutionelle Räume

Ein Literatureinblick in Diskursfelder Sozialer Arbeit


1. Einleitung

Mit der sogenannten Raumwende in den Sozialwissenschaften hat sich im deutschsprachigen Raum in den letzten Jahren auch die Diskussion um praxisnahe Konzepte der Sozialraumorientierung in der Sozialen Arbeit intensiviert. In der begrenzten Publikationslandschaft spiegeln sich diese Schwerpunkte wider, welche sich meist auf aufsuchende Praxen im öffentlichen Raum, gemeinwesen-bezogene Aktivierungsstrategien im unmittelbaren Wohnumfeld oder auf Umstrukturierungen in der Kinder- und Jugendhilfe beziehen. Eine sozialräumliche Perspektive auf institutionelle Räume Sozialer Arbeit ist dagegen rar, obwohl viele Leistungen nach wie vor in stationären Einrichtungen oder an Orten der Tagesstrukturierung, Wohnversorgung oder Fremdunterbringung stattfinden. Institutionelle Räume, in denen sich soziale Hilfen, fachliche Unterstützungen und Alltag von Adressat*innen in hohem Maße miteinander verschränken, sind zwar eine wesentliche Organisationsform und ein strukturierender Kontext professioneller Praxis, aber kein Gegenstand der fachlichen Auseinandersetzung oder wissenschaftlichen Forschung – so unsere These zu Beginn dieses Forschungsvorhabens. Weiters waren wir der Überzeugung, dass im deutschsprachigen Raum auch keine sozialräumliche Analytik und Systematik existiert, die sozialarbeiterische Praxis mit ihren einzelfall- oder gruppenorientierten Settings im Kontext ihrer Einrichtungen und dem häufig verregelten Alltag der Nutzer*innen in den Blick nimmt.

Angesichts dieser Forschungslücke verfolgten wir mit dem knapp einjährigen, explorativen Forschungsprojekt, das aus Eigenmitteln der FH Campus Wien finanziert wurde, zwei Ziele:

Erstens galt es, den sozialwissenschaftlichen Diskurs im deutsch- und englischsprachigen Raum zu institutionellen Räumen und Sozialer Arbeit zu erfassen und zu analysieren, um zentrale wissenschaftliche Stränge nachvollziehen und sozialräumlich relevante Forschungen identifizieren zu können. Die Ergebnisse unserer Untersuchung präsentieren wir hier anhand ausgewählter Felder Sozialer Arbeit.

Zweitens zielten wir in Auseinandersetzung mit recherchierten Studien und theoretischen Grundlagenwerken darauf ab, ein sozialräumliches, institutionenbezogenes Analyseraster Sozialer Arbeit zu erstellen und dieses mittels zweier ethnografischer Fallskizzen zu kontrastieren und weiterzuentwickeln. Diese Ergebnisse finden sich in unserem Artikel „Sozialräumlich forschen in institutionellen Räumen Sozialer Arbeit“ (Diebäcker/Fischlmayr/Sagmeister 2016), ebenfalls in dieser Ausgabe von soziales_kapital erschienen.

Wir werden zunächst unser methodisches Vorgehen bei der Analyse des untersuchten Fachdiskurses offenlegen (2). Dann präsentieren wir spezifische Ergebnisse zu fünf ausgewählten Institutionen bzw. Feldern Sozialer Arbeit (3): Psychiatrische Kliniken (3.1), Strafvollzugsanstalt/Gefängnis (3.2), Hilfen für Menschen mit Behinderungen (3.3), Altenhilfe (3.4) sowie Kinder- und Jugendhilfe (3.5). Anschließend skizzieren wir handlungsfeldübergreifend einige Argumente in der Debatte um „Deinstitutionalisierungsbestrebungen“ (4), da diese einen übergreifenden Kristallisationspunkt der fachlichen Auseinandersetzung darstellt. Abschließen werden wir mit einigen weiterführenden Anmerkungen zu Perspektiven der Sozialraumforschung in institutionellen Räumen Sozialer Arbeit (5).


2. Methodisches Vorgehen

Zu Beginn wurden deutsch- und englischsprachige sozialwissenschaftliche Literaturdatenbanken geprüft und folgende für unseren Forschungszweck als relevant identifiziert: sciencedirect.com, Social Care Online, Base-search, Karlsruher Virtueller Katalog, Sowiport und Publisa. In den erweiterten Suchfeldern dieser Datenbanken wurde das jeweilige Handlungsfeld Sozialer Arbeit (z. B. „Wohnungslosenhilfe“, „Altenhilfe“, „women’s services“, „residential care“) kombiniert mit Begriffen zu „Sozialraum“ und „Institution“ bzw. mit assoziierten Begriffen (z. B. „Raum“, „sozialräumlich“, „spatial“, „Organisation“). Unter den angezeigten Werken wurden jene ausgewählt, die seit dem Jahre 2000 publiziert wurden und anhand von Titel bzw. Abstract relevante Inhalte zu unseren forschungsleitenden Kategorien2 versprachen. Wir ergänzten unsere Suche durch das Schneeballsystem und integrierten auch Veröffentlichungen aus dem Jahre 2000. Aus einer Vielzahl von Publikationen wählten wir in einem mehrstufigen Verfahren, unter Berücksichtigung der Hauptkategorien, rund 250 Fachartikel zu neun Feldern Sozialer Arbeit3 aus, die wir einer intensiveren Auswertung unterzogen.4

Die hier analysierten Studien und Fachartikel beziehen sich häufig auf regionale bzw. länderspezifische Kontexte, jedoch waren wir überrascht von den zahlreichen, länderübergreifenden Bezügen. Zwischen dem englischsprachigen und dem deutschsprachigen Fachdiskurs waren Abgrenzungen erkennbar, wenngleich sich Argumentationsmuster häufig ähnelten, weswegen wir in unserer Darlegung der Ergebnisse die Autor*innen bewusst thematisch miteinander verknüpfen. Aufgrund des explorativen Zugangs werden wir im Folgenden Besonderheiten der englisch- und deutschsprachigen Debatte betonen, die wir für die Auseinandersetzung mit Sozialraumforschung in institutionellen Räumen Sozialer Arbeit als relevant erachten.


3. Diskursspezifika in ausgewählten Feldern Sozialer Arbeit

In dem von uns untersuchten Korpus werden mit Institutionen meist Einrichtungen oder Organisationen bezeichnet, die nach gewissen Regeln, Abläufen und Funktionen im Kontext eines sozialstaatlichen Sicherungssystems Unterstützungsleistungen zur Verfügung stellen. Bei der vielfältigen Verwendung des Begriffes Institution werden meist entweder gesellschaftliche Organisationsformen im allgemeinen Sinne (z. B. das Gefängnis) oder auch eine konkrete Einrichtung (z. B. ein bestimmtes Gefängnis) angeführt. Die meisten Autor*innen teilen ein Institutionenverständnis, das weit mehr als eine formelle Struktur ist, wobei entweder Situationen und soziale Praxen von Akteur*innen anvisiert werden oder stärker die programmatisch-strukturierenden Aspekte in den Vordergrund gestellt werden. Die Frage, wie sich soziale Ordnungen in Einrichtungen konstituieren, scheint dabei für empirische Zugänge ebenso wie für theoretische Beiträge einen gemeinsamen Nenner zu bilden.

In einer Vielzahl der untersuchten Fachartikel wird zur theoretischen Reflexion von Einrichtungen, Organisationsformen oder Institutionen auf das kritische Konzept der Totalen Institution zurückgegriffen. Zentrales Referenzwerk bildet sowohl im deutsch- als auch im englischsprachigen Raum Erving Goffmans (1973 [1961]) Studie „Asyle – Über die soziale Situation psychiatrischer Patienten und anderer Insassen“, in der er ethnografisch in teilnehmender Beobachtung die menschlichen Interaktionen und Beziehungen zwischen Patient*innen und den „helfenden Berufen“ untersucht. Offensichtlich bieten Goffmans Systematiken auch heute noch vielfältige Anknüpfungspunkte für Forschungen zum Alltag von Adressat*innen, zu Praxen des Fachpersonals oder zu organisationsbezogenen Rahmungen. Auch auf Werke von Michel Foucault z. B. wird häufiger zurückgegriffen, wenn Autor*innen eine historische, diskursive oder machtkritische Perspektive auf einschließende Organisationsformen legen. Phillip Schäfer (2014, 2015) verbindet beispielsweise in seiner Untersuchung zu Asylunterkünften in Deutschland, in der Raumaneignungskonzepte und -möglichkeiten der untergebrachten Menschen analysiert werden, Foucaultsche und Goffmansche Perspektiven.


3.1 Grenzen und Grenzziehungen in psychiatrischen Kliniken

Der Diskurs um Psychiatrien im deutschsprachigen Raum ist seit Mitte des 19. Jahrhunderts tief verwurzelt mit der Etablierung von geschlossenen Anstalten, der Herausbildung humanwissenschaftlicher Disziplinen sowie mit einer politischen Debatte, wie mit psychisch Erkrankten im Sinne der öffentlichen Fürsorge umzugehen sei. Mit der Anstaltspsychiatrie und der Ermordung von Kranken im Nationalsozialismus, den geschlossenen Anstalten der Nachkriegszeit sowie mit der Psychiatriekritik und -reform der 1970er-Jahre bilden Fragen nach der Legitimation sowie der Art und Weise der räumlichen Einschließung von erkrankten Menschen auch heute einen zentralen Diskursstrang (siehe zum Überblick Brink 2010). Insofern bilden psychologisch-biografische, geschichtswissenschaftliche und soziologische Auseinandersetzungen einen Grundstock des Fachdiskurses.

Kritische Analysen rekurrieren dabei oft auf Schriften und theoretische Bezüge von Erving Goffman (1973 [1961]), Michel Foucault [2007[1961]) oder Robert Castel (1979) und stellen einen Argumentationsstrang dar, der Entwicklungen von der „Irrenanstalt“ zur modernen Psychiatrie oder von der „totalen“ zur „durchlässigeren“ Institution“ reflektiert. In diesen Perspektiven auf psychiatrische Kliniken werden diese auch heute noch als einschließender Abweichungsraum und soziales Ordnungsgefüge im Wandel gedacht, in dem nicht das Maß der psychischen Erkrankung, sondern das „Ausmaß der Unangepasstheit“ über die Aufnahme entscheidet. (vgl. Fliedl 2008: 133) Zugleich machen historische Analysen der Techniken und Verfahren in der Psychiatrie, die auf Heilung und Verwahrung ausgerichtet waren, deutlich, wie das Ausmaß des Einschränkens oder Gewährens der Bewegungsfreiheit der Patient*innen im Inneren der „Anstalten“ den fachlichen und moralischen Entwicklungsstand und damit die „Grenzen der Behandlung“ abbilden. (vgl. Eisenbach-Stangl/Stangl 1984).

Während in literarischen oder dokumentarischen Werken durch Psychiatriebetroffene subjektive Erfahrungen des Lebens in der Psychiatrie geschildert werden, scheinen subjektorientierte oder partizipative Forschungsdesigns sehr selten, die für das Verstehen von sozialen Beziehungen und räumlichen Ordnungen in psychiatrischen Kliniken wesentlich wären. Allan Quirk und Paul Lelliot (2001) halten beispielsweise fest, dass es an ethnografischen Forschungsprojekten in Großbritannien mangelt, die die sozialen Beziehungen zwischen Personal und Patient*innen im Inneren der Psychiatrie untersuchen.

Aus einer sozialräumlichen Perspektive bildet der Fachdiskurs zur Psychiatrie reichhaltige Anschlussstellen, da räumliche Relationen mit Begriffen von Innen- und Außenwelt, Geschlossenheit und Offenheit, Grenze und Schwelle oder Privatheit und Zugänglichkeit reflektiert werden. Dabei richten einige Untersuchungen den Blick auf die Frage von geschlossenen und offenen Klinikgeländen. Eine vergleichende Studie zu drei Akutpsychiatrien in London beispielsweise zeichnet einerseits die zahlreichen formellen und informellen Durchlässigkeiten der Einrichtungen nach außen nach und skizziert andererseits positive und negative Konsequenzen für das Anstaltsleben von Personal und Patient*innen. (vgl. Quirk/Lelliot/Seale 2006) In ihrer quantitativ ausgerichteten Studie zu „Locked doors in the acute psychiatry“ Großbritanniens wiederum beforschen Len Bowers und andere (2008) die Tendenz, dass seit Beginn des 21. Jahrhunderts die „Politik der offenen Türen“ in psychiatrischen Kliniken Großbritanniens rückläufig ist und Gelände zunehmend häufiger permanent abgeschlossen werden. In ihrer differenzierten Analyse über die Effekte des Öffnens bzw. Abschließens des Klinikgeländes kommen sie u. a. zum Schluss, dass Ängste und Unsicherheiten des Personals mit dem Schließen der Einrichtung reduziert werden und die emotionale Last (Wut und Depression) den Patient*innen überantwortet wird. (vgl. Bowers et al. 2008: 109ff)


3.2 Studien über die totale Institution Gefängnis

Mit einer räumlich-institutionellen Perspektive wird das Gefängnis in zahlreichen Publikationen als zentrale Referenz einer totalen Institution angeführt. In kriminologischen, architekturbezogenen oder rechtswissenschaftlichen Studien wird die Justizanstalt durchaus in Bezügen von Innen- und Außenwelt analysiert, wenngleich eine explizit raumbezogene Forschung kaum ausformuliert ist. Die meisten sozialwissenschaftlichen Studien fokussieren auf quantitative Fragestellungen und rücken ebenso wie qualitativ ausgerichtete Arbeiten spezifische Themengebiete wie Sicherheit, Gesundheit, Arbeit und Bildung, Gewalt oder Resozialisierung bzw. Rehabilitation in den Mittelpunkt. Aus einer sozialräumlichen Perspektive sind insbesondere ethnologische bzw. sozialanthropologische Zugänge zum Strafvollzug bemerkenswert, da diese vielfach die Innen- und Außenrelationen fokussieren: Anne Nurse (2002) betrachtet beispielsweise in ihrer Studie „Fatherhood arrested“ Veränderungen sozialer Beziehungen im Kontext des Elternseins und analysiert so geschlechterkritisch die Wechselwirkungen zwischen Gefängnis, Familiensystemen und Communities. Der Blick auf das Lebensende im Schweizer Strafvollzug offenbart, wie die immanenten Funktionen von Resozialisierung und Strafe durch neue Care-Logiken aufgebrochen werden. (vgl. Richter/Hostettler/Marti 2014) Marina Richter und andere (2011) beforschen Bildungsprogramme mittels der Figur der „Insel im Gefängnis“, womit Veränderungsprozesse stärker raumrelational analysiert werden.

Studien, die das Gefängnis mit ihrem sozialen Gefüge als Gesamtinstitution, in seiner Relation zur Außenwelt oder im Kontext gesellschaftlichen Wandels verstehen wollen, sind scheinbar rar. Gewinnbringend erscheint uns diesbezüglich aber eine Traditionslinie US-amerikanischer Studien zu Hochsicherheitsgefängnissen, die seit Donald Clemmers „The Prison Community“ wichtige Referenzwerke der Debatte darstellen. Clemmer (1940) argumentierte u. a., dass die soziale Hierarchie der Insass*innen im Gefängnis eng mit ihrem sozialen Status vor der Inhaftierung zusammenhängt und skizzierte, wie über soziale Interaktionen Gruppenbildungen und -schließungen verlaufen. Als Klassiker der Analyse psychologischer, sozialer und organisationsbezogener Dynamiken gilt Gresham Sykes (2007 [1958]) „The Society of Captives“. Mit seiner mikrosoziologischen Perspektive schuf er einerseits ein tieferes Verständnis vom Zusammenspiel psychologischer und strafender Praktiken gegenüber den Insassen und zeigt zugleich, dass über soziale Beziehungen zwischen den Inhaftierten Solidarität und Widerstand entsteht bzw. geradezu produziert wird, und damit die anvisierte totale Unterwerfung des Subjekts im Gefängnis scheitert. James Jacobs (1977) rekonstruierte den historischen Wandel der Strafanstalt „Stateville“ von 1925 bis 1975 und fokussierte dabei stärker auf die Leitungsebene und Administration des Gefängnisses sowie auf den Einfluss gesellschaftlicher Interessensgruppen, womit er aufzeigte, wie veränderte institutionelle Ordnungen und Praxen in der Justizanstalt mit gesellschaftlichem Wandel in Zusammenhang stehen. Mit seiner vergleichenden Untersuchung „Governing Prisons“ stellt John J. DiIulio (1990 [1987]) ebenso das Wechselspiel zwischen Gesellschaft und Gefängnis in den Vordergrund, richtet aber seinen Blick auf die sozialen Ordnungen in den jeweiligen Justizanstalten und kann so zwischen unterschiedlichen Modellen des Regierens von Häftlingen differenzieren. Mit dem enormen Anstieg der Häftlingspopulation und privatisierten Haftanstalten in den USA seit den 1990er-Jahren und den Thesen einer neuen Kultur der Kontrolle oder zunehmenden Punitivität des Staates (z. B. Garland 2008, Wacquant 2000, 2009) hat sich scheinbar der Anspruch verstärkt, Haftanstalten immer auch in ihren gesellschaftspolitischen Bezügen zu reflektieren (siehe auch Western 2007). Die hier genannten Gefängnisstudien zeigen mit ihren vielfältigen methodischen Zugängen, wie ein Gesamtbild des institutionellen Raums Gefängnis mit seinen hierarchisierten sozialen Ordnungen beforscht sowie historisch und gesellschaftlich kontextualisiert werden könnte.


3.3 Soziale Inklusion und Zwischenräume in Einrichtungen für Menschen mit Behinderungen

In der englisch- wie auch deutschsprachigen Literatur liegt sozialräumlichen Überlegungen zur Gestaltung von Hilfen für Menschen mit Behinderung die Verabschiedung der UN-Behindertenrechtskonvention (2006) zu Grunde. Die in der Inklusionsdebatte häufig gezeichnete „dual sphere“ (Hall/McGarrol 2012: 1284) von einem „Drinnen“ als gesellschaftliche Teilhabe von Menschen mit Behinderung und einem „Draußen“ als gänzliche gesellschaftliche Exklusion ist daher häufig Gegenstand theoretischer Fachartikel und empirischer Studien. Uwe Becker (2015: 10f) konstatiert im dichotomen Gesellschaftsbild von „drinnen“ und „draußen“ eine fehlende Auseinandersetzung mit Ausgrenzungsprozessen, die innerhalb der Gesellschaft stattfinden. Edward Hall und Sarah McGarrol (2012) argumentieren, dass „belonging“ als gesellschaftliche Teilhabe nicht als Status, sondern als Prozess der tätigen Auseinandersetzung und räumlichen Begegnung mit anderen verstanden werden muss.

In zahlreichen Beiträgen zur Deinstitutionalisierung und Inklusion wird die Bedeutung des sozialen Nahraums als Wohnumfeld und als Ressource für Unterstützungsleistungen thematisiert. Evaluationen zu community living im Sinne des Umzugs von stationären Einrichtungen in quartierbezogene Wohngruppen oder betreute Wohnformen, ergeben ein differenziertes Resümee. Jan Glasenapp (2010), der das Spannungsfeld zwischen Sicherheit und Freiheit in diesen Übergangsprozessen untersucht, erkennt bei Menschen, die in gemeinwesennahen Wohnkonstellationen leben, eine erhöhte Zufriedenheit und Lebensqualität sowie eine aktivere Freizeitgestaltung, während er besonders für Menschen mit einem höheren Betreuungsbedarf auch gesundheitliche Risiken, beispielsweise bei epileptischen Anfällen, feststellt. (vgl. Glasenapp 2010: 9, 245) In anderen Studien wird ebenfalls eine unabhängigere Alltagsgestaltung bei einem gleichzeitig erhöhten Risiko für Menschen mit Behinderung, von der Umgebung ausgenutzt zu werden, attestiert. Insbesondere den Beziehungen zwischen Fachpersonal und Adressat*innen kommt im Gelingen von Deinstitutionalisierungsprozessen eine Schlüsselrolle zu. (vgl. Mansell 2006: 7, 14) Edward Hall argumentiert, dass ein bloßer Umzug in das Gemeinwesen, also eine physische Inklusion in die Gesellschaft, keine automatische soziale Inklusion mit sich bringt. (vgl. Hall 2004 zit. nach Butcher/Wilton 2008: 1080)

Neben Wohnen, Bildung und Freizeit wird im Fachdiskurs der Arbeitsmarkt als bedeutender Bereich mit gesellschaftlichem Inklusionspotential diskutiert. Autor*innen erkennen eine zunehmende Schwierigkeit für Menschen mit Behinderung, in einem prekären, leistungsorientierten und Flexibilität einfordernden Arbeitsmarkt Fuß zu fassen. (vgl. Hall/McGarrol 2012, Becker 2015, Brachmann 2011) Diesbezüglich wird die Bedeutung nischenhafter, innergesellschaftlicher „Schonräume“ (Becker 2015: 13) wie Arbeitstrainings hervorgehoben. Diese Angebote, die an die Schulzeit von jungen Menschen mit Behinderung anschließen und das ökonomische Ziel eines Übergangs in den Erwerbsmarkt verfolgen, stellen für die Teilnehmer*innen wichtige „transitional spaces“ (Butcher/Wilton 2008: 1079) dar. Arbeitstrainings und andere Formen von Werkstätten werden einerseits als isolierend und segregierend von gesellschaftlichen „Normalarbeitsverhältnissen“ kritisiert, sie können allerdings auch Orte der Stabilität darstellen, die Tagesstruktur und den Aufbau von Sozialkontakten und Freundschaften ermöglichen. So werden die eigentlich als Übergänge konzipierten Angebote für Nutzer*innen zu Orten des Verweilens. Die Analyse schottischer Arbeitstrainingsprogramme für Menschen mit Lernbehinderungen von Edward Hall und Sarah McGarrol (2012) beschreibt, dass es zu einer wachsenden Anzahl von Personen kommt, die weder den unterstützten Eintritt in den Arbeitsmarkt schaffen, noch sich für Beihilfen (für Personen mit besonders hohem Unterstützungsbedarf) qualifizieren, mit dem Ergebnis, dass sich viele in einer „in-between sphere“, einem Zwischenraum mit wenig Versorgungs- oder Teilhabemöglichkeiten befinden. Die Autor*innen sehen hier ein Potenzial in der Beauftragung von „Local Area Co-Ordinators“, die Betroffene beim Zugang zu arbeitsähnlichen Settings in der lokalen Umgebung unterstützen und politische Lobbyarbeit für eine bessere Grundversorgung dieser Zielgruppe leisten sollen. (vgl. Hall/McGarrol 2012: 1276ff)


3.4 Aneignungsweisen von „letzten Lebensorten“ in der Altenhilfe

Sowohl die deutsch- wie auch die englischsprachige Literatur zu sozialräumlichen Aspekten der institutionellen Altenhilfe behandelt die Autonomie und Selbstbestimmung von älteren Menschen einerseits im Spannungsfeld mit routinisierten Abläufen in Einrichtungen, andererseits auch mit zunehmenden Einschränkungen im hohen Alter, eigene Bedürfnisse zu formulieren und durchzusetzen. Während in manchen deutschsprachigen Beiträgen Sozialraumorientierung als Fachkonzept angeführt wird, um den Herausforderungen institutioneller Altenhilfe zu begegnen (vgl. Maurer 2015, Kleiner 2005), analysieren viele englischsprachige Studien, vor allem aus Skandinavien und Nordamerika, den Ist-Stand in Alten- und Pflegeheimen, mit sehr unterschiedlichen Handlungsempfehlungen (vgl. Pirhonen/Pietilä 2015, Williams/Warren 2009, Harnett 2010, Falk et al. 2012). Eine umfangreiche Studie von Martin Heinzelmann (2004) wiederum befasst sich mit der Frage, ob Altenheime immer noch als „Totale Institutionen“ im Sinne Goffmans erachtet werden können.

Das Leben in Einrichtungen der Altenhilfe betreffend beziehen sich viele, meist qualitative Studien auf die biografische Zäsur bei alten, pflegebedürftigen Personen durch den Umzug in ein Alten- oder Pflegeheim. Mit dem Verlust der vertrauten Wohnumgebung, von sozialen Kontakten und einer mehr oder weniger unabhängigen Alltagsgestaltung geht für die Betroffenen eine Bedrohung der eigenen Identität einher. (vgl. Pirhonen/Pietilä 2015: 95, Falk et al. 2012, Depner 2015). Erschwerend für alte Menschen ist zudem die fehlende Zukunftsperspektive auf ein Leben über die Einrichtung hinaus. (vgl. Heinzelmann 2004: 233) Besonders Pflegeeinrichtungen oder Senior*innenwohnhäuser mit Pflegestationen haftet „als letzter Ort“ diesbezüglich ein Stigma an, da ein sich verschlechternder Gesundheitszustand und das Versterben anderer Mitbewohner*innen zu einer fast alltäglichen Erfahrung zählt. (vgl. Heinzelmann 2004: 155, Williams/Warren 2009: 27).

Für die Bewältigung dieser Zäsur und für die „continuity of self“ (Pirhonen/Pietilä 2015: 95) wurden in mehreren Studien Strategien von älteren Menschen angeführt, die neue Umgebung als „home“ anzuerkennen. Zu den Strategien zählen die Möblierung und Dekoration des eigenen Zimmers mit persönlichen Gegenständen, die Wahrung der eigenen Privatsphäre etwa durch versperrbare Zimmer sowie die Teilnahme an Aktivitäten außerhalb der Einrichtung. Die Fähigkeit von Bewohner*innen, mit anderen Mitbewohner*innen und dem Personal Kontakte aufzubauen, aber auch die Gelegenheiten, die ihnen gewährt werden, um Beziehungen zu gestalten, werden als ebenso bedeutungsvoll erachtet. (vgl. Falk et al. 2012: 1002ff, Theurer et al. 2015) Diese sozialräumlichen Strategien, sich die Innenwelt gegenständlich anzueignen, sich die institutionelle Kultur zu erschließen und die sozialen Beziehungen mit der Außenwelt zu verknüpfen, werden aber durch festgelegte Routinen und organisatorische Abläufe erschwert bzw. eingeengt. Diese Tendenz, dass Senior*innenwohnhäuser den Alltag von Bewohner*innen verwaltend strukturieren, wird durch institutionelle Effizienzvorgaben an das Personal sowie entsprechende Typisierungen von Bewohner*innen (vgl. Williams/Warren 2009: 30) und damit ein „standard treatment“ (Pirhonen/Pietilä 2015: 97) intensiviert, was zu einer Missachtung von individuellen Bedürfnissen führen kann.

Das asymmetrische Verhältnis zwischen Personal und Bewohner*innen kann sich in subtilen Formen der Machtausübung wie dem „Warten lassen“ von Bewohner*innen oder der Missachtung der Privatsphäre beim Eintreten in private Zimmer ausdrücken (vgl. Heinzelmann 2004: 221) und betrifft häufiger Personen, die auf Grund ihres Gesundheitszustandes, hohen Alters oder fehlenden Status stärker auf Hilfe angewiesen sind (vgl. Pirhonen/Pietilä 2015: 98). Während Tove Harnett (2010: 300) Einflussmöglichkeiten von Bewohner*innen auf institutionelle Routinen eher in subtilen Versuchen, Ausnahmeregelungen bei dafür empfänglichen Mitarbeiter*innen zu erreichen, beobachtet, führen Kristine N. Williams und Carol A. B. Warren (2009: 27ff) gelingende Einflussnahme auf das individuelle Vermögen zurück, eigenen Interessen über sozialen Status oder persönliche Beziehungen zur Außenwelt (Familie, Freunde etc.) Nachdruck zu verleihen. Die Herausforderungen der institutionellen Altenhilfe können wie folgt zusammengefasst werden:

“The struggle for recognition might be seen as a struggle for the continuity of self in a world of power relations, reliance, vulnerability, and contrasts between good intentions and limited resources“ (Pirhonen/Pietilä 2015: 96).


3.5 Stationäre und geschlossene Einrichtungen in der Kinder- und Jugendhilfe

Im Diskursausschnitt zu institutionellen Räumen der Kinder- und Jugendhilfe stammen sozialräumlich relevante Untersuchungen und Artikel vorwiegend aus spezifischen Fachzeitschriften dieses Feldes Sozialer Arbeit. Die meisten Publikationen beschäftigen sich zwar vorrangig mit der Beziehung zwischen Betreuenden und Nutzer*innen, die räumlichen Aspekte werden jedoch verhältnismäßig häufig ebenso thematisiert; mehrere qualitative Studien fokussieren insbesondere auf die Sichtweise von jungen Nutzer*innen in der Fremdunterbringung (siehe Oelkers/Gaßmöller/Feldhaus 2014, Tornow 2014, Berridge/Biehal/Henry 2012). Sowohl für die englischsprachige als auch die deutschsprachige Literatur konnten wir Beiträge identifizieren, die sich mit dem „Innenleben“ von stationären Einrichtungen, im Sinne der Wechselwirkung von räumlicher Ordnung und sozialen Beziehungen, beschäftigen (siehe etwa Bailey 2002, Oelkers/Gaßmöller/Feldhaus 2014).

Aufgrund der zentralen Zielsetzungen der Kinder- und Jugendhilfe, den Schutz sowie eine möglichst positive Entwicklung von Kindern und Jugendlichen sicherzustellen, wird an stationäre Einrichtungen der Anspruch herangetragen, den Nutzer*innen „ein Zuhause“ zu bieten. (vgl. Bailey 2002: 18ff, Berridge/Biehal/Henry 2012: 40ff) In dieser Figur des „Zuhause seins“, in der die Familie als zentrale Sozialisationsinstanz und privater Entwicklungsraum ersetzt wird, verbindet sich der Anspruch, Kindern und Jugendlichen möglichst ähnliche Sozialisationsbedingungen in der Fremdunterbringung bereitzustellen. Roger Bullock und andere (2006: 1350f) diskutieren zum Beispiel, inwiefern die Kinder- und Jugendhilfe als staatliches „parenting“ verstanden werden kann und stationäre Einrichtungen u. a. Aufgaben übernehmen bzw. delegieren, die ansonsten Eltern zugeschrieben werden. Bezugnehmend auf Bruno Bettelheim (1974) unterstreicht Keith Bailey (2002: 22), dass die grundsätzlichen baulichen und räumlichen Bedingungen, die ein „Sich-Wohlfühlen“ in der Einrichtung erlauben, sichergestellt sein müssen. Dies umfasst genügend Platz für Entfaltung, Möglichkeiten für Rückzug und Privatsphäre, kinder- und jugendspezifische Anforderungen wie „comfortable and homelike furnishings“ (Bailey 2002: 22) oder der Zugang ins Freie („the outdoors“). Die betreuenden Fachkräfte, die als Vertrauens- und Ansprechpersonen fungieren, sollen Beziehungskontinuität vermitteln und personengebundene, situationsbezogene Hilfestellungen so bereitstellen, dass professionelle und alltagspraktische Intentionen „vor Ort“ ineinandergreifen. So können Erfahrungen, Ressourcen und Konflikte der belasteten Kinder und Jugendlichen im Kontext ihrer Biografien, familiären Verhältnisse und sozialen Bezugsgruppen gestärkt werden. (vgl. Peters 2014: 45f, Berridge/Biehal/Henry 2012: 43ff, Bailey 2002) Dass diese fachlichen Zielsetzungen häufig nicht eingelöst werden, zeigt die Studie von Harald Tornow (2014) zu Abbrüchen von Aufenthalten in stationären Einrichtungen der Kinder- und Jugendhilfe, die die hierarchisierten Machtbeziehungen zwischen den Betreuenden und den jungen Bewohner*innen als wesentlichen Einflussfaktor identifiziert, der einen Verbleib in der Einrichtung verunmöglicht.

Seit den 1980er-Jahren wird in Deutschland um das Für und Wider der Geschlossenen Unterbringung (GU) als freiheitsentziehende Maßnahme in der Kinder- und Jugendhilfe gestritten. Während in den 1980er- und 90er-Jahren Fachpositionen überwogen, die GU abzuschaffen, und zugleich die Fallzahlen sanken, sind seit Mitte der 1990er-Jahre wieder ansteigende Zahlen sowie fachliche Pro-Argumentationen zu verzeichnen. (vgl. IGfH 2013: 5-15, Rätz 2014) Befürworter*innen argumentieren für stationäre, intensivtherapeutische Betreuungseinrichtungen aus erzieherischen Zielsetzungen, da sie in Abgrenzung zum Jugendstrafvollzug und der Jugendpsychiatrie als letzte fachliche Maßnahme für besonders „schwierige“ Jugendliche zu favorisieren sei. Im Zentrum der Argumentationslinie gegen GU steht dagegen der Zwangscharakter bzw. die Freiheitsberaubung der untergebrachten Kinder und Jugendlichen, die dadurch in ihren Rechten verletzt werden – dies ist nicht durch erzieherische Motive zu rechtfertigen. (vgl. IGfH 2013: 63-66, Lindenberg/Lutz 2014a: 50, Peters 2014: 46) Aus einer sozialräumlichen Perspektive fällt beispielsweise auf, dass die Massivität des Einschlusses häufig durch zeitliche Abstufungsgrade des „Eingesperrtseins“ relativiert wird, sodass sie als teilgeschlossene Sonderformen in der Sozialen Arbeit positioniert werden können. Michael Lindenberg und Tilman Lutz weisen kritisch darauf hin, dass es mit Begrifflichkeiten wie „Time-out-Räume“ oder „Chill-out-Räumen“ Befürworter*innen gelingt, isolierende, strafende Maßnahmen zu verharmlosen und unterdrückende, repressive Anteile pädagogischer Praxis zu verschleiern. (vgl. Lindenberg/Lutz 2014b: 139f) In ihrer qualitativen Studie zum „Innenleben“ von GU untersuchen Nina Oelkers, Annika Gaßmüller und Nadine Feldhaus (2014, 2015) bauliche und sozialräumliche Komponenten (z. B. Privatsphäre, Zugänge zu Zimmern und Gemeinschaftsräumen), wie auch Wünsche und Vorstellungen der (in dieser Studie ausschließlich männlichen) Bewohner (z. B. Wünsche nach mehr Kontaktmöglichkeiten zu Freund*innen und Verwandten) und benennen damit zentrale Problemlagen der stationären Kinder- und Jugendhilfe, die durch die Geschlossenheit von Einrichtungen verstärkt werden können. (vgl. Oelkers/Gaßmöller/Feldhaus 2014: 42)


4. Die Debatte um Deinstitutionalisierung im sozialen Feld

Bestrebungen sozialstaatlicher Fürsorgeleistungen der Pflege, der Hilfen für Menschen mit Behinderungen, der Wohnungslosenhilfe oder der Jugendhilfe, weniger über stationäre Einrichtungen, sondern in kleineren, offenen und weniger verwaltenden Organisationsformen zu erbringen – also Prozesse der Deinstitutionalisierung zu fördern – finden sich in unterschiedlichen internationalen Konventionen (z. B. UN-Behindertenrechtskonvention) und nationalen Gesetzen wieder. Häufig sind diese mit fachlichen Paradigmen und Arbeitsprinzipien wie „Inklusion“ oder „ambulant vor stationär“ verknüpft. Während die Ziele, die diese Normen und Leitbilder verfolgen – mehr Autonomie, Selbstbestimmung und gesellschaftliche Teilhabe „institutionalisierter“ und von Ausgrenzung betroffener Gruppen zu ermöglichen –, unumstritten sind, weist die fachliche Diskussion u. a. auf Umsetzungsschwierigkeiten, widersprüchliche Entwicklungen oder fachliche Skepsis hin.

Ein Großteil der Autor*innen, die sich mit Deinstitutionalisierungsprozessen auseinandersetzen, thematisieren, dass in Zeiten angebots-, wettbewerbs- und wachstumsorientierter Sparpolitiken, die Prämisse einer sozialen Inklusion bisher institutionalisierter Gruppen häufig Kostenkalkülen untergeordnet wird. (vgl. Becker 2015: 15) Ausdruck findet dies in einer zunehmenden Ökonomisierung des sozialen Sicherungssystems, was z. B. an einer wachsenden Anzahl an gewinnorientierten, miteinander konkurrierenden Betreuungsangeboten zu beobachten ist. Im Sinne des New Public Management soll Bedarfsgruppen als Kund*innen eine Wahlmöglichkeit zwischen Anbieter*innen ermöglicht werden. Diese können jedoch kaum auf unabhängige Beratung zurückgreifen, oder sind häufig mit Entscheidungen hinsichtlich ihrer Betreuungsstrukturen überfordert. (vgl. Schneiders 2015: 159ff) Weitere Befürchtungen sind, dass die bisherige Versorgungsqualität der Hilfen von kostengünstigeren Leistungen schlechter Qualität verdrängt werden (vgl. Mansell 2006: 9f), dass Personen mit hohem Betreuungsbedarf und geringen finanziellen Mitteln im marktförmigen, privatisierten Versorgungssystem benachteiligt werden (vgl. Heinzelmann 2004: 251), oder dass Beihilfen für jene Personengruppen eingeführt werden, die einen besonders hohen Bedarf aufweisen – also eine Schlechterstellung derzeitiger Leistungsbezieher*innen. (vgl. Hall/McGarrol 2012: 1276) Zudem werden Verdrängungstendenzen von Care-Aufgaben in den informellen Bereich konstatiert, wobei der Staat seine Leistungsangebote reduziert und sich auf eine überwachende Rolle, vorgeblich um missbräuchlichem Verhalten vorzubeugen, zurückzieht. (vgl. Powell 2012: 1)

Die fachliche Debatte zum Gelingen oder Scheitern der unterschiedlichen Deinstitutionalisierungsvorhaben, die hier nur angerissen werden kann, ist durchaus divers. Laut Jim Mansell (2006: 12) fehle es z. B. an einer konsequenten Umsetzung von Deinstitutionalisierungsprozessen; u. a. würde es an politischem Interesse und damit an den nötigen Investitionen mangeln. Uwe Becker (2015: 8) problematisiert wiederum den Umstand, dass gerade Politik sich der „Aura utopischer Heiligkeit“, die dem Begriff der „Inklusion“ anhaftet, bediene, um eigene Agenden durchzusetzen. Zugleich erschwere eine Verklärung des Begriffes eine kritische Auseinandersetzung mit gesellschaftlichen Ausschlussprozessen, sodass die Frage, welche normativen Anforderungen eine Person zu erfüllen habe, um inkludiert zu werden, tabuisiert werde. (vgl. Becker 2015: 8ff) Gegenläufig wiederum argumentiert Andreas Brachmann (2011: 304f), der das Erreichen von Autonomie, Selbstbestimmung und gesellschaftlicher Teilhabe in der Re-Institutionalisierung in grundlegend um- und neustrukturierte Einrichtungen sieht, die Menschen bei der Gestaltung eines selbstbestimmten Lebens unterstützen sollen. Die Deinstitutionalisierung von Hilfen würde seines Erachtens Menschen verstärkt „den fremdbestimmenden Einflüssen der unterschiedlichsten Institutionen des Nationalstaates“ aussetzen.

Das Gelingen eines Deinstitutionalisierungsprozesses ist laut Jim Mansell (2006: 6) in hohem Maße von der Fachlichkeit des Personals und den professionellen, qualitätsvollen Beziehungen zu den Nutzer*innen abhängig. Zugleich sind die Fachkräfte in ihren institutionellen Praxen oft mit wenig differenzierten gesellschaftlichen Erwartungen und gesetzlich verankerten Vorgaben nach Inklusion und Partizipation der Betroffenen, bei gleichzeitiger Einhaltung von Effizienzanforderungen, konfrontiert. (vgl. Brachmann 2011: 302, Becker 2015: 9f) Ebenso kann das Verändern und Umorganisieren von Arbeitskontexten und -abläufen bei Mitarbeiter*innen und Leitung zu einem Festhalten an institutionen-zentrierten Strukturen und unprofessionellen Haltungen führen. (vgl. Pirhonen/Pietilä 2015: 95, Mansell 2006: 6) In diesem Spannungsfeld schreiben Jari Pirhonen und Ikka Pietilä dem Personal die Rolle des „ethical buffer“ (Pirhonen/Pietilä 2015: 100) zu, die zwischen den widersprüchlichen Anforderungen stehen und vermitteln sollen.

Dem sozialen Nahraum als Wohn- und Lebensumfeld von Nutzer*innen wird bei der Deinstitutionalisierung eine bedeutende Rolle zugewiesen, soziale Inklusion und gesellschaftliche Teilhabe zu ermöglichen. Denn eine „Öffnung von Heimen“ soll nicht nur segregierende Einrichtungen und soziale Isolation der Nutzer*innen auflösen, sondern auch gesellschaftliche Verantwortung für soziale Ungleichheiten, die mit Alter, Behinderung, psychischer Erkrankung oder Delinquenz u. a. verbunden sind, einfordern. (vgl. Bahr 1998: 366f) Im Feld der Hilfen für Menschen mit Behinderungen sind z. B. gemeinwesenorientierte Unterstützungen und Infrastrukturverbesserungen zentrale Forderungen, damit Personengruppen ihre Wohnform so wählen und die lokale Infrastruktur so nutzen können, wie es auch der Mehrheitsgesellschaft möglich ist. (vgl. Mansell/Beadle-Brown 2010: 2f, Glasenapp 2010: 25f) Zu den in der Literatur angeführten Aufgaben der Sozialen Arbeit zählen u. a. die direkte Unterstützung von Nutzer*innen vor Ort, die Koordinierung von Hilfsmaßnahmen, die Bildung sozialer Netzwerke und die Aktivierung lokaler Ressourcen. (vgl. Kleiner 2005, Maurer 2015, Fesca 2015: 76) Letzteres weist auf eine normative Funktionalisierung des sozialen Nahraums hin, da potenzielle Ressourcen der Nachbarschaften „aktiviert“ werden sollen, um professionelle Hilfen durch ehrenamtliche Unterstützungsleistungen zu ergänzen. (vgl. Maurer 2015: 147, Hall/McGarrol 2012: 1276).

Hier setzt auch die vielschichtige Kritik an der Verlagerung von Hilfen in den sozialen Nahraum an: Es wird erstens befürchtet, dass nichtprofessionelle Tätigkeiten die professionellen Leistungen ersetzen könnten. Für Nutzer*innen ist eine solche Verlagerung staatlicher Hilfen in den ehrenamtlichen Sektor häufig mit weitreichenden Qualitätsverlusten verbunden. (vgl. Müller-Forwergk 2015: 135, Powell 2012: 1) Zweitens wird vor dem Trugschluss gewarnt, dass eine physische Integration von bisher marginalisierten Personengruppen in ein Wohnumfeld noch keine soziale Teilhabe bedeutet. Marc Fesca (2015: 70, 80-83), für den die Förderung ehrenamtlicher, sozialräumlicher Hilfen Ausdruck einer zunehmenden Ökonomisierung Sozialer Arbeit ist, weist beispielsweise darauf hin, dass Nachbarschaft nicht alleine das Ergebnis räumlicher Nähe, sondern vor allem sozialer Homogenität ist – also immer Ergebnis von Gruppenbildungs- und Schließungsprozessen.


5. Perspektiven einer Sozialraumforschung für institutionelle Räume Sozialer Arbeit

Unsere Analyse der Fachbeiträge zu Sozialem Raum in institutionellen Kontexten Sozialer Arbeit kann für die deutsch- und englischsprachige Publikationslandschaft grundsätzlich als begrenzt bezeichnet werden. Wir kommen zum Schluss, dass eine Organisations- oder Institutionenforschung im Feld Sozialer Arbeit kaum existiert, eine spezifische sozialräumliche Perspektive ist abseits einzelner Werke nicht ausformuliert. Insofern kann von einer institutionenbezogenen Raumwende in den Sozialwissenschaften unserer Meinung nach keine Rede sein, womit sich auch die angenommene Forschungslücke einer fehlenden fachlichen und wissenschaftlichen Auseinandersetzung zu Sozialraumforschung in institutionellen Räumen im Feld Sozialer Arbeit bestätigt.

Allerdings vermitteln zahlreiche Publikationen der hier skizzierten Diskursausschnitte vielfältige Anregungen für eine sozialräumliche Institutionenforschung, die sowohl eine situativ-institutionalisierende Dimension, die die Praxen von Akteur*innen anvisiert, als auch eine diskursive, institutionelle Dimension, die programmatisch-strukturierende Aspekte untersucht, in den Blick nimmt. (vgl. Aeby/Berthod 2011: 11f) Einige der hier behandelten Forschungsprojekte vermitteln durchaus innovative Forschungszugänge, wie soziale Beziehungen und Praxen innerhalb einer Einrichtung analytisch erschlossen, ein Gesamtbild des institutionellen Raums mit seinen meist hierarchisierten sozialen Ordnungen gezeichnet oder wie dieser Raum in seiner historisch gesellschaftlichen Transformation abgebildet werden kann.

Mit Blick auf die erfassten forschungsmethodischen Zugänge sind Studien äußerst selten, die die Interaktionen und das soziale Gefüge in kleinteiligen räumlichen Wechselbeziehungen „vor Ort“ untersuchen. Wir sind aber überzeugt, dass es gerade für Soziale Arbeit als personenbezogene Interventionsweisen essenziell ist, sich auf die institutionalisierten Praxen und sozialen Dynamiken innerhalb der Einrichtungen zu fokussieren. Ethnografisch qualitative Zugänge scheinen uns für dieses Anliegen besonders gewinnbringend. Zugleich ist es bedeutsam, dass dieser „innere Blick“ mit einer stärker programmatisch-diskursiven Perspektive im Sinne eines „äußeren Blicks“ verschränkt wird, um den strukturierenden Rahmen, gesellschaftliche Ansprüche sowie politische Anforderungen und Strategien, z. B. mit programm- oder diskursanalytischen Verfahren, zu erheben. Dabei gilt es, die Wechselwirkungen zwischen der institutionalisierenden und institutionellen Dimension fassen zu können, um Regelhaftigkeit und Widersprüchlichkeiten aufzeigen zu können.

Für eine institutionenbezogene sozialräumliche Forschung scheint es uns von besonderer Bedeutung, einen theoretischen Bezugsrahmen zu nutzen, der die „wissenschaftliche Brille“ in und auf die „Orte“ der Tagestrukturierung, Wohnversorgung oder Fremdunterbringung Sozialer Arbeit richtet. Basierend auf theoretischen Auseinandersetzungen mit hier genannten und anderen wissenschaftlichen Studien sowie theoretischen Referenzwerken, stellen wir unseren analytischen Zugang im Kontext zweier ethnografischer Fallskizzen zu einem Frauenhaus und einem Tageszentrum für wohnungslose Menschen gerne zur Verfügung (siehe Diebäcker/Fischlmayr/Sagmeister 2016).


Verweise
1 In unseren Veröffentlichungen rotieren wir aus Repräsentationsgründen die Reihenfolge der Autor*innen.
2 Diese waren folgende: Soziale Arbeit, Profession, Fachkräfte, Adressat*innen, Beziehungen, Macht, Strukturen, Regeln und Normen, Normalität und Abweichung, physisch-räumliche und sozialräumliche Aspekte, historische Entwicklungen von De- bzw. Institutionalisierungsaspekten.
3 Wir gruppierten die Publikationen entlang folgender Felder: Altenhilfe, Flucht und Migration, Frauen- und Männerspezifische Arbeit, Hilfen für Menschen mit Behinderungen, Kinder- und Jugendhilfe, Psychiatrie, Straffälligenhilfe, Suchthilfe, Wohnungslosenhilfe.
4 Der Korpus erweiterte sich im Laufe der Analyse kontinuierlich, da wir auf neue Publikationen stießen, die wir als relevant einstuften, wenngleich nicht alle Werke für uns zugänglich waren.


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Über die AutorInnen

Anna Fischlmayr, BA MA
fischlmayr@hotmail.com

Bachelorstudium Sozialer Arbeit an der FH Joanneum in Graz sowie Masterstudium Sozialer Arbeit mit Ausbildungsschwerpunkt Sozialraumorientierung an der FH Campus Wien. U. a. in den Feldern der Gemeinwesenarbeit, Konfliktvermittlung, Krisenintervention und im Gewaltschutz in Wien und Sheffield tätig.

Aurelia Sagmeister, BA BA
aurelia.sagmeister@reflex.at

Bachelorstudium der Sozialen Arbeit an der FH Campus Wien und Bachelorstudium der Geschichte an der Universität Wien. Ist beim Kritischen Netzwerk Aktivistischer Studierender der Sozialen Arbeit (KNAST) aktiv.

Prof. Dr. Marc Diebäcker
marc.diebaecker@fh-campuswien.ac.at

Studium der Politikwissenschaft, Geschichte und Sozialen Arbeit in Duisburg, Edinburgh und Wien. Lehrt, forscht und publiziert an Studiengängen Sozialer Arbeit an der FH Campus Wien.
Forschungsinteressen: Politische Theorien, Sozialraum, Institutionelle Räume, Sozialpolitik und soziale Ausschließung, Wohnungslosigkeit, Aufsuchende Soziale Arbeit und Gemeinwesenarbeit.






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