soziales_kapital

soziales_kapital
wissenschaftliches journal österreichischer fachhochschul-studiengänge soziale arbeit
Nr. 20 (2018) / Rubrik "Einwürfe/Positionen" / Standort Wien
Printversion: http://www.soziales-kapital.at/index.php/sozialeskapital/article/viewFile/589/1064.pdf


Marc Diebäcker & Manuela Hofer:

Zu fachlichen Kompetenzen und Tätigkeiten von Sozialer Arbeit im Arbeitsfeld Offene Kinder- und Jugendarbeit


1. Jugendarbeit und die Aufnahme in den SWÖ-Kollektivvertrag

Auslöser für diesen Artikel war die Aufnahme der Offenen Kinder- und Jugendarbeit in den Kollektivvertrag der Sozialwirtschaft Österreich (SWÖ-KV) für Gesundheits- und Sozialberufe. Nach Jahren der Vernetzung war es dem bundesweiten Netzwerk Offene Jugendarbeit (bOJA) ein Anliegen, eine gemeinsame Qualitätssicherung und leistungsgerechte Bezahlung auf Bundesebene zu erwirken, war die Offene Kinder- und Jugendarbeit (OKJA) doch zuvor in den einzelnen Bundesländern sehr verschieden gewachsen, tätig und auch anerkannt. Während die Aufnahme in den Kollektivvertrag für die Träger in einigen Bundesländern mit einer inhaltlichen und finanziellen Höherbewertung einherging, war das Ergebnis für Jugendarbeiter*innen in Wien weitgehend ernüchternd. Durch die für Wien spezifische Diversität der OKJA, von der Parkbetreuung über aufsuchende/mobile Angebote und Jugendräume bis hin zu gemeinwesenorientierten Projekten, entwickelte sich in den letzten Jahrzehnten ein breites Spektrum an Angeboten und Trägern.

Anders als beispielsweise die akademisierte Sozialpädagogik in Deutschland sind sozialpädagogische Berufstätigkeiten in Österreich – auch aufgrund eines fragmentierten, oft postsekundären Ausbildungsfeldes – üblicherweise niedriger eingestuft und entlohnt als sozialarbeiterische (vgl. SWÖ-KV, vormals BAGS-KV, SWÖ 2018). Die Differenzierung und unterschiedliche Bewertung von sozialpädagogischen und sozialarbeiterischen Tätigkeiten im SWÖ-KV führte nun in der Kinder- und Jugendarbeit teilweise zu großer Verunsicherung von Mitarbeiter*innen in Wien. Denn mit Aufnahme in den SWÖ-KV werden Jugendarbeiter*innen in Wien, auch aufgrund von Vorgaben der finanzierenden Magistratsabteilung 13 sowie Entscheidungen von Geschäftsführungen von Vereinen der Kinder- und Jugendarbeit, nur mehr in die Gehaltstufen 6 (Betreuerin in der OKJA) oder 7 (Fachkraft in der OKJA) eingeordnet. Die besser bezahlte Gehaltsstufe 8 (Fachkraft in der OKJA mit sozialarbeiterischer Tätigkeit) ist für Jugendarbeiter*innen kaum noch erreichbar, da der Verband der Sozialwirtschaft Österreich in seiner Begründung für die Zuordnung der Gehaltsstufen eine undifferenzierte und realitätsferne Trennung zwischen sozialpädagogischen und sozialarbeiterischen Tätigkeiten im Arbeitsfeld vornimmt. So sollen nur Mitarbeiter*innen, „die überwiegend sozialarbeiterisch, also im klassischen Berufsbild von Sozialarbeiter/innen, tätig sind“, nach Gehaltstufe 8 bezahlt werden. Dies umfasst Tätigkeiten wie „u.a. Beratung, Betreuung, Vertretung, Krisenintervention, Ressourcenerschließung, Sozialplanung, Soziale Diagnose und gutachterliche sowie fachliche Stellungnahmen“ (SWÖ 2017: 3). Das hier explizierte Verständnis von Sozialarbeit scheint an einem fachlich-tradierten Zugang angelehnt und ist für die professionelle Praxis Sozialer Arbeit im Arbeitsfeld Offene Kinder- und Jugendarbeit inadäquat. Die mit „überwiegend“ eingeforderte quantitative Nachweispflicht dieser unpassenden Tätigkeitsbeschreibung eröffnet Entscheidungsträgern einseitig einen großen Ermessensspielraum.

Der SWÖ-KV löste damit eine Diskussion darüber aus, was Offene Kinder- und Jugendarbeit in Wien leistet, unter welchen Bedingungen die gegenwärtige fachliche Qualität sichergestellt werden kann und welche strategischen Ziele die staatlichen Fördergeber*innen bei der Finanzierung von Jugendarbeitsprojekten verfolgen. Damit einher gehen Fragen der Gleichwertigkeit von Ausbildungen, der Sichtbarmachung fachlicher Arbeit und des Vergleichs von Qualitätsstandards und Zugängen zu öffentlichen Geldern in einem Berufsfeld, das „an der Basis“ bis dato als heterogen, divers und wenig hierarchisiert beschrieben werden kann.

Rückblickend sei angemerkt, dass die Offene Kinder- und Jugendarbeit in all ihren Facetten in den letzten Jahren von vielen Seiten diskursiv aufgewertet wurde. Hervorgehoben wurde insbesondere ihre Bedeutung für die Gestaltung des Zusammenlebens im öffentlichen Raum, ihre Zusammenarbeit mit und Unterstützung für Schulen, die Kooperation mit anderen Institutionen der Sozialen Arbeit, die kontinuierliche Unterstützung Jugendlicher bei der Arbeitssuche, die Begleitung in juristischen Fragen, die Präventionsarbeit zu Themen wie Gewalt und Radikalisierung etc. – Leistungen, die höherschwellige Einrichtungen offensichtlich nicht (mehr) in der Lage sind zu erbringen. Studiengänge Sozialer Arbeit nahmen als Folge die Offene Kinder- und Jugendarbeit verstärkt in den Fokus und unterstützten die Professionalisierung der Praxis durch die Ausbildung von Fachpersonal. Durch die Auseinandersetzung um den Kollektivvertrag und die gegenwärtige Bewertung von Kinder- und Jugendarbeit als „nur“ sozialpädagogische Tätigkeit wird die fachliche Entwicklung der letzten Jahre in Frage gestellt.

In diesem Beitrag argumentieren wir, dass eine Unterscheidung und Bewertung von sozialpädagogischen und sozialarbeiterischen Tätigkeiten grundsätzlich, und insbesondere in dem Arbeitsfeld der OKJA, nicht sinnvoll ist. Soziale Arbeit in offenen Kontexten der Kinder- und Jugendarbeit umfasst ein breites und komplexes Handlungsspektrum, das hohe fachliche Kompetenzen der Mitarbeiter*innen und fachliche Standards erfordert, um Kinder und Jugendliche in ihrer Lebensphase zu unterstützen und zu ermächtigen. Auf kompetente – und dementsprechend bezahlte – Mitarbeiter*innen ist eine professionelle Offene Kinder- und Jugendarbeit angewiesen.


2. Jugendarbeit ist Soziale Arbeit

Soziale Arbeit ist ein vielschichtiges Theorie- und Praxisfeld und „sichert und strukturiert soziale Bedingungen dort, wo die Anforderungen gesellschaftlichen Lebens die Möglichkeiten der Selbstbehauptung von Einzelnen oder Gruppen übersteigen (Bakic/Diebäcker/Hammer 2007: 1). Offene Kinder- und Jugendarbeit ist ein Arbeitsfeld der Sozialen Arbeit und hat das Ziel, Kinder, Jugendliche und junge Erwachsene in ihrer Persönlichkeitsentwicklung und Identitätsfindung, in ihrer Lebensführung und gesellschaftlichen Teilhabe zu unterstützen und dabei Bildungs- und Sozialisationsprozesse zu fördern. Sie beruht auf dem Prinzip der Offenheit, der Freiwilligkeit und der Bedürfnisorientierung und ist emanzipativ, lebensweltlich und sozialräumlich orientiert (vgl. Krisch et al. 2011: 7–8).

Offene Kinder- und Jugendarbeit basiert konzeptionell und methodisch auf Prämissen und Wissensbeständen professioneller Sozialer Arbeit. In der Praxis greifen sozialpädagogische und sozialarbeiterische Zugänge kontinuierlich ineinander, ihre bildenden und helfenden Aufgaben sind in der professionellen Arbeit – in der Beratung, Betreuung, Vertretung oder Ressourcenerschließung – mit jungen Menschen nicht voneinander zu trennen. Auch aus disziplinärer und professionstheoretischer Sicht ist eine Trennung von Sozialpädagogik und Sozialarbeit nicht mehr zeitgemäß, da beide im deutschsprachigen Raum unter den Begriff Soziale Arbeit subsummiert werden (vgl. Otto/Thiersch 2011).

Das sozial- und humanwissenschaftliche, angewandte Methodenrepertoire der Offenen Kinder- und Jugendarbeit ist vielfältig. Ein Großteil der Zugänge und Techniken entspringt spezifischen Traditionen der Sozialen Arbeit, so etwa der lebensweltorientierten Arbeit mit Einzelnen und Gruppen, der Gemeinwesenarbeit, Straßensozialarbeit, Jugendkulturarbeit, soziokulturellen Animation, Medienpädagogik oder Sozialraumanalyse. In diesem Sinne operiert Soziale Arbeit in der Offenen Kinder- und Jugendarbeit methodenintegrativ, da sich in ihren offenen Settings lebensweltorientierte Zugänge der Einzel-, Gruppen- und Gemeinwesenarbeit permanent miteinander verschränken (vgl. z. B. Galuske 2011: 113–131, Krisch et al. 2011: 10–13).

Sozialraumanalytische, gemeinwesenorientierte, sozial- und erlebnis-pädagogische, lebenswelt- und aneignungsorientierte Zugänge Sozialer Arbeit sind u.a. die Basis für eine fachlich versierte Beziehungsarbeit. Diese akzeptierende, parteiliche und bestärkende Beziehung vollzieht sich in einem niederschwelligen Setting mitten in der Lebenswelt der Kinder und Jugendlichen. Die dadurch geforderte Flexibilität macht es unmöglich, Methoden, Angebote und Tätigkeiten zum Erreichen und Aufrechterhalten dieser Beziehungen in sozialarbeiterische und sozialpädagogische zu unterscheiden (vgl. Hofer 2016: 142–143).


3. Fachliche Standards und Kompetenzen im Arbeitsfeld Offener Kinder- und Jugendarbeit

Der Berufsalltag professioneller Jugendarbeiter*innen ist durch offene, heterogene und dynamische Settings in öffentlichen Räumen und/oder niederschwelligen Einrichtungen wie Jugendtreffs oder -zentren geprägt. In der beruflichen Tätigkeit verschränken sich bildende und unterstützend-helfende Interventionen der Mitarbeiter*innen permanent, um situativ auf Bedarfs- und Problemlagen der Adressat*innen reagieren zu können. Über die fachliche Auseinandersetzung mit Normen und Werten der Kinder und Jugendlichen bzw. ihres sozialen Umfelds (z.B. Familie, Schule, Peers) ermöglicht Soziale Arbeit sinngebende Zugehörigkeits- und Anerkennungserfahrungen. Diese bleibt der Zielgruppe sonst häufig verwehrt, sind Jugendliche doch schon durch ihre Lebensphase oft benachteiligt. Insbesondere Nutzer*innen der Offenen Kinder- und Jugendarbeit befinden sich zudem häufig in benachteiligenden Lebenssituationen. Daher sind die fachliche Qualität der Ausbildung, die professionelle Kompetenz der Mitarbeiter*innen als auch die organisationsbezogenen Arbeitsbedingungen wesentlich, um sowohl einer schon allein aufgrund ihrer Sozialisationsphase vulnerablen Zielgruppe als auch professionsbezogenen Ansprüchen gerecht zu werden.

In der standortbezogenen sowie aufsuchenden Sozialen Arbeit im Arbeitsfeld Offene Kinder- und Jugendarbeit sind professionelle Jugendarbeiter*innen Expert*innen für Soziale Arbeit. Sie können auf vielfältige fachspezifische Kompetenzen zurückgreifen, um in niederschwelliger Interaktion Situationen professionell zu deuten und unterstützend zu agieren. Dieser fachliche Zugang vereint in sich pädagogische und reflexiv hilfeorientierte, unterstützende und ressourcenerschließende Interventionslogiken im Sinne moderner Sozialer Arbeit. Erst mittels dieser parteilich-reflexiven, emanzipativen, diversitätsorientierten und antidiskriminierenden Haltung können soziale Dynamiken und soziale Probleme im privaten, sozialen und institutionellen Umfeld gemeinsam mit Kindern, Jugendlichen und jungen Erwachsenen erschlossen, entwickelt und verändert werden. Für eine alltagsgestützte und professionelle Soziale Arbeit im Arbeitsfeld Offene Kinder- und Jugendarbeit sind demnach hohe fachliche Standards unverzichtbar, was die hier exemplarische Skizze eines komplexen und wichtigen Handlungsfelds Sozialer Arbeit belegen soll:

  • Soziale Arbeit in der Offenen Kinder- und Jugendarbeit bietet einen Rahmen und Räume für informelle und non-formale Lernprozesse. „Non-formale Bildungsorte stellen strukturierte und rechtlich geregelte Institutionen dar, deren Nutzung und Inanspruchnahme freiwillig geschieht und die durch ein hohes Maß an individuellen Gestaltungsmöglichkeiten gekennzeichnet sind“ (BMBF 2004: 32). Diese Räume bietet die OKJA und sie dienen den Jugendlichen zur Entwicklung von Selbst- und Sozialkompetenzen wie der Ausbildung ihrer Persönlichkeit und eigener Wertehaltungen, der Verortung innerhalb der Gesellschaft und dem Entwickeln von Lebensplänen. Diese Lernprozesse zu begleiten, erfordert neben der Fähigkeit, eine professionelle Beziehung zu Kindern und Jugendlichen einzugehen, Wissen über psychologische Entwicklungsprozesse sowie rechtliche und sozialräumliche Rahmenbedingungen und Fähigkeiten im Umgang mit Unsicherheiten und Konflikten.
  • Professionelle Jugendarbeiter*innen regen im Zuge politischer Bildung Kinder und Jugendliche an, sich mit gesellschaftspolitischen Fragen auseinanderzusetzen und eigene Einstellungen zu entwickeln, sich mit neuen Sichtweisen auseinanderzusetzen und Meinungen zu schärfen oder neu zu diskutieren, um Handlungskompetenzen zu erweitern und sich zu mündigen Bürger*innen zu entwickeln (vgl. Sturzenhecker 2008: 148–163). Jugendarbeiter*innen brauchen dafür eine reflexive Haltung, um die Auseinandersetzungen, Haltungen und Handlungen der Jugendlichen professionell zu begleiten.
  • Die reflexive Analyse von sozialen Dynamiken und Machtasymmetrien sowie das methodenkompetente Interagieren in der Arbeit mit Einzelnen und Gruppen (oder auch Cliquen, Szenen oder subkulturellen Gruppen), die zu einem Großteil von Diskriminierungserfahrungen betroffen sind und unteren sozialen bzw. prekären Lebenslagen zugeordnet werden können, ist ein zentraler Bestandteil der professionellen Praxis (vgl. Hofer 2016).
  • Das Erfassen von Not- bzw. Krisensituationen bei Kindern und Jugendlichen bedarf der Kompetenz, biografisch tendenziell verfestigte Verhaltensweisen und Einstellungen, Entwicklungsmöglichkeiten sowie Strukturierungen sozialer Ungleichheit zu erkennen und kennzeichnet die fachliche Praxis in der Offenen Kinder- und Jugendarbeit. Dafür muss auf ein professionelles Handlungsrepertoire adäquater Techniken (z.B. Krisenintervention) zurückgegriffen werden.
  • Ein offener und verstehender Zugang in der ressourcen- und prozessorientierten Beratung mit besonderen Anforderungen im Feld der allgemeinen, psychosozialen Beratung ist ebenfalls Teil der beruflichen Praxis (vgl. Brunner 2011). Die Kenntnis von Herausforderungen der Lebensphase Jugend, das Wissen zu jugendspezifischen Themen (z.B. Konflikte im sozialen Netzwerk, Beruf und Bildung, Straffälligkeit, Gender, Geschlecht und Sexualität, Gewalt und Aggression etc.) und eine detaillierte Kenntnis sozialer Einrichtungen ist unabdingbar, um junge Menschen individuell und bedarfsorientiert unterstützen zu können. Das Informieren und Begleiten zu spezialisierten sozialen Einrichtungen, das niederschwellige Vermitteln und Organisieren von Hilfen und Ressourcen oder die Unterstützung in belasteten sozialen Netzen sind auf Wunsch der Betroffenen Tätigkeiten in diesem Arbeitsfeld.
  • In der Aufsuchenden Sozialen Arbeit bzw. Straßensozialarbeit ist die Fähigkeit, in wenig kontrollierbaren Settings des öffentlichen oder halböffentlichen Raumes respektvoll Kontakt aufzunehmen und wertschätzend ein dauerhaftes, kooperatives, belastbares Beziehungs- und Unterstützungsangebot mit institutionell schwer erreichbaren bzw. von hochschwelligen Angeboten ausgeschlossenen Jugendlichen zu entwickeln, eine hohe fachliche Anforderung (vgl. Bimschas/Schräder 2003). Soziale Arbeit im öffentlichen Raum erfordert die Kompetenz, Konfliktkonstellationen unterschiedlicher Akteur*innen in öffentlichen Räumen in ihren raumrelationalen Bezügen zu erfassen, um darauf aufbauend passende fachliche Handlungspläne zu entwickeln und mit konfliktlösenden oder mediativen Methoden zu bearbeiten (vgl. Diebäcker 2016).
  • Professionelle Jugendarbeiter*innen unterstützen die Zielgruppe beim Erschließen von lebensweltlichen und politischen Teilhabemöglichkeiten und sind in der Lage, kinder- und jugendgerechte Partizipationsprozesse zu gestalten und umzusetzen. Sie nehmen ein kinder- und jugendpolitisches Mandat wahr und vertreten durch Lobbying die Interessen der Zielgruppe in der Öffentlichkeit oder in politischen Gremien. Politische Handlungskompetenz bezieht sich dann nicht nur auf Medien- und Öffentlichkeitsarbeit, sondern umfasst auch die Fähigkeit, professionsethische Spannungsfelder von Repräsentation und Selbstvertretung oder Partizipation und Selbstorganisation zu reflektieren (vgl. bOJA 2015).


4. Fachlich-reflexive Soziale Arbeit muss leistungsgerecht entlohnt werden

Resümierend ist festzuhalten, dass die professionelle Praxis von Jugendarbeiter*innen als Expert*innen Sozialer Arbeit fachlich äußerst voraussetzungsvoll ist. In der Offenen Kinder- und Jugendarbeit verschränkt sich das notwendige sozialarbeiterische und sozialpädagogische Know-how permanent, eine Differenzierung und quantitative Unterscheidung in überwiegende und nicht-überwiegende Tätigkeitsanteile ist daher fachlich nicht legitimierbar. Aufgrund des hohen fachlichen Anspruches an das Tätigkeitsprofil in diesem Handlungsfeld Sozialer Arbeit plädieren wir für eine leistungsgerechte Einstufung von professionell ausgebildeten Jugendarbeiter*innen in die Verwendungsgruppe 8 des Kollektivvertrags der Sozialwirtschaft Österreich.


Literatur

Bakic, Josef/Diebäcker, Marc/Hammer, Elisabeth (2007): Wiener Erklärung zur Ökonomisierung Sozialer Arbeit. www.sozialearbeit.at (15.01.2018).

bOJA (2015): Die Entwicklung des Eigensinns… Politische Partizipation in der offenen Jugendarbeit. http://www.boja.at/fileadmin/download/Projekte/Partizipation_Web.pdf (09.09.2018).

Bimschas, Bärbel/Schräder, Achim (2003): Beziehungen in der Jugendarbeit: Untersuchungen zum reflektierten Handeln in Profession und Ehrenamt. Wiesbaden: VS Verlag für Sozialwissenschaften.

BMBF – Bundesministerium für Bildung und Forschung (2004): Konzeptionelle Grundlagen für einen Nationalen Bildungsbericht – Non-formale und informelle Bildung im Kindes- und Jugendalter. https://d-nb.info/971374708/34 (11.09.2018).

Brunner, Alexander (2011): Jugendberatung. Eine Aktuelle Standortbestimmung. In: Forum für Kinder- und Jugendarbeit. Verband Kinder und Jugendarbeit (1). 50–52.

Diebäcker, Marc (2016): Aufsuchende Soziale Arbeit als sozialraumbezogenes Handlungsfeld. In: Kessl, Fabian/Reutlinger, Christian (Hg.): Handbuch Sozialraum. Wiesbaden: Springer VS. https://link.springer.com/referenceworkentry/10.1007/978-3-531-19988-7_33-1 (09.09.2018).

Galuske, Michael (2007): Methoden der Sozialen Arbeit. Eine Einführung. Weinheim/München: Juventa.

Hofer, Manuela (2016): Niederschwelligkeit und Diskriminierung. In: Bakic, Josef/Diebäcker, Marc/Hammer, Elisabeth (Hg.): Aktuelle Leitbegriffe der Sozialen Arbeit. Ein kritisches Handbuch. Band 3. Wien: Löcker. S. 134–148.

Krisch, Richard/Stoik, Christoph/Benzrazougui-Hofbauer, Evelyn/Kellner, Johannes (2011): Glossar Soziale Arbeit im Öffentlichen Raum. https://www.wien.gv.at/gesellschaft/soziale-arbeit/pdf/glossar.pdf (15.01.2018).

Otto, Hans-Uwe/Thiersch, Hans (2011): Handbuch Soziale Arbeit. München/Basel: Ernst Reinhardt.

Sturzenhecker, Benedikt (2008): Zum Bildungsanspruch von Jugendarbeit. In: Otto, Hans Uwe/Rauschenbach, Thomas (Hg.): Die andere Seite der Bildung. Zum Verhältnis von formellen und informellen Bildungsprozessen. 2. Auflage. Wiesbaden: VS Verlag für Sozialwissenschaften. S. 147–166.

SWÖ – Verband für der österreichischen Sozial- und Gesundheitsunternehmen (2017): Stellungnahme der Sozialwirtschaft Österreich zur Einstufung der offenen Jugendarbeit sowie der Lern- und Freizeitbetreuer/innen gemäß § 28 SWÖ-KV. Unveröffentlicht.

SWÖ – Verband für der österreichischen Sozial- und Gesundheitsunternehmen (2018): SWÖ-KV 2018. http://www.bags-kv.at/1001,4102,0,2.html (09.09.2018).


Über die AutorInnen

FH-Prof. Dr. Marc Diebäcker
marc.diebaecker@fh-campuswien.ac.at

Lehrt und forscht am Department Soziale Arbeit der FH Campus Wien. Arbeits- und Forschungsschwerpunkte: Sozialer Raum und Institutionelle Räume, Stadtforschung und Stadtteilarbeit, Öffentliche Räume und Aufsuchende Soziale Arbeit, Wohnungslosigkeit und Wohnungslosenhilfe.

Mag.a Manuela Hofer BA
manuela.hofer@fh-campuswien.ac.at

Lehrt am Department Soziale Arbeit der FH Campus Wien. Arbeitsschwerpunkte: Diskriminierungskritische und queer-feministische Soziale Arbeit, Offene Jugendarbeit, Selbstorganisation und politisches Handeln, Migrationspädagogik.






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