Mehr Bürokratie wagen? Regierung gegen Selbstverwaltung in der Sozialversicherung

Tom Schmid (Standort St. Pölten)

Abstract


Die – ehrenamtliche – Selbstverwaltung der Sozialversicherung durch Dienstgeber*innen und Dienstnehmer*innen ist die Geschäftsführung der Sozialversicherung. Sie ist derzeit politisch stark unter Druck geraten. Dabei hat sie eine lange Geschichte und ist älter als die gesetzliche Sozialversicherung. Sie ist im Rahmen der Gesetze sowohl für die strategischen Orientierungen und Personalentscheidungen wie auch für die vielen konkreten Einzelentscheidungen, vom Pensionsakt bis zu einem Rehabilitations- oder Kurverfahren, zuständig. Die Selbstverwaltung bildet eine aktive und in der täglichen Praxis bewährte Brücke zwischen den Versicherten und ihrer Sozialversicherung.
Fehler in der Vergangenheit begünstigen die gegenwärtigen Angriffe auf die Selbstverwaltung als dem Herzstück der Sozialversicherung. Da ist einerseits der geringe Bekanntheitsgrad der Selbstverwaltung und ihrer Mitglieder unter den Versicherten, eine verbesserungswürdige Qualifikation vieler Mitglieder der Selbstverwaltung, die geringe Transparenz bei der Entsendung aus – demokratisch gewählten – Körperschaften und schließlich ein in der Vergangenheit oft gelebter Trägeregoismus, der zu unverständlichen Unterschieden in den Leistungen zwischen den Trägern geführt hat. Will man die Selbstverwaltung als wesentliches Stück Demokratie in unserer Sozialpolitik erhalten, muss man wohl auch diese Probleme offensiv lösen.

Schlagworte: Sozialversicherung, Selbstverwaltung, demokratisches Potential, Demokratieabbau

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The self-administration of the Austrian social insurance, which is organized on a voluntary basis, via employers and employees is the management of the Austrian social insurance. Currently, the social insurance is politically under pressure, despite its long history. The self-administration is responsible for strategic orientation and personnel decisions as well as for many individual decisions. The self-administration is an active and practically proven bridge between the insured and their social insurance.
Mistakes of the past favor current attacks of the self-administration as the core of the social insurance. On the one hand, the self-administration and its members are little-known by the insured, the qualification level of several members is worthy of improvement and there’s sometimes a low level of transparency concerning the process of dispatch by the chamber of commerce and the chamber of labor. On the other hand, a certain amount of egotism of the individual bodies, that has lead to incomprehensible differences between the bodies concerning the respective services and benefits for the insured. If we want to maintain the self-administration of the Austrian social insurance as a crucial part of democracy in social policy, we have to solve these problems in an offensive way.

Keywords: social insurance, self-administration, democratic potential, erosion of democracy

Schlagworte


Sozialversicherung, Selbstverwaltung, demokratisches Potential, Demokratieabbau

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