Was jetzt, was tun? - Bourdieu, Wegwerfleben, Geistesgegenwart und Sozialarbeit

Egon Christian Leitner

Abstract


Der folgende polylogische Essay stellt mit Bourdieuschen Mitteln und in Bourdieuschem Sinne einige elementare Fragen an einige Problemroutinen der Sozialarbeitswissenschaft, ihr somit Bourdieus empirische Philosophie anheim. Den bei diesem Versuch eventuell auftretenden Irritationen ist das Schlusskapitel "Bourdieu in pragmatischer Absicht" gewidmet.
Bourdieus Verständnis von eingreifender Wissenschaft, seine Sicht von gegenwärtiger Wirtschaft, des Sozialstaates und der Helferhilflosigkeit in der Sozialarbeit werden vorgestellt, ebenso Bourdieus geistesgeschichtliche Beziehungen zu Österreich, andererseits die des Neoliberalismus. Eine kurze, aber vollständige Durchsicht der "Fälle" und Lebensgeschichten in Bourdieus Elend der Welt wird auszuhändigen versucht. Die wichtigsten Bourdieuschen Gegenstrategien neben dem gemeinsamen Erzählen von Lebensgeschichten und der Zusammenarbeit innerhalb von Sozialbewegungen werden genannt. Auf Bourdieusche Auswege aus Zwangssitutionen wird aufmerksam gemacht.
Einige Hauptlinien des Bourdieuschen Gesamtwerkes werden an Beispielen aus Alltag und Politik verdeutlicht. Entsprechungen zwischen Bourdieu und dem verstorbenen Grazer Sozialforscher Hans Georg Zilian werden in Erinnerung gerufen.
Der Unterschied zwischen Bourdieus Begriff "soziales Kapital" und dem neoliberalen Begriff "Humankapital" wird erklärt und dabei die Frage gestellt, ob ein sozialer Kapitalismus sozialer Kapitalisten möglich ist und wie beschaffen er wäre. Ausschnitte aus Bourdieus breit gestreutem Wirkungsspektrum in Österreich werden sozusagen mit Namen genannt.


Bourdieu´s comprehension of interfering science and contemporary economy, the social state and the helpers´ helplessness in social work are presented as well as Bourdieu´s humanistic and social relationship to Austria and on the other hand the influence of Austrian economic scientists and intellectuals on neoliberalism. A short but complete review of the “cases” and life stories in Bourdieu´s Misery of the World is tried to be given. The most important of Bourdieu´s counter strategies beside the collective telling of life histories and the cooperation within social movements are mentioned. Attention is also put on Bourdieu´s alternatives to compulsory situations.
Some of the main ideas of Bourdieu´s complete work are illustrated with examples from everyday life and politics. Correspondent ideas between Bourdieu and the late social scientist Hans Georg Zilian from Graz are reminded of.
The difference between Bourdieu´s term “social capital” and the neoliberal term “human capital” is explained and the question is put whether a social capitalism of social capitalists is possible and what it would look like. Parts of Bourdieu´s wide range of efficacy in Austria are referred to.

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