„Ist Feminismus jetzt rechts?“ Gender, Migration und Feminismus vor dem Hintergrund der Produktionsverhältnisse

Gabriele Drack-Mayer (Standort St. Pölten)

Abstract


Der vorliegende Beitrag fokussiert die Zusammenhänge zwischen Feminismus, Gender und Migration im entgrenzten Kapitalismus. Feminismus hat Schwierigkeiten mit der Thematisierung von Frauenfeindlichkeit, wenn diese im Zusammenhang mit Migration stattfindet. Um sich den Vorwurf des Rassismus zu ersparen, bleibt feministische Kritik an Sexismus im Migrationskontext daher oft aus. FeministInnen, die sich diesbezüglich kein Blatt vor den Mund nehmen, sind sehr schnell in der Kritik, „nationalistisch“ oder „rassistisch“ zu sein: Im Zusammenhang mit den Vorkommnissen in Köln, als in der Silvesternacht hunderte Frauen von Männern, nach derzeitigem Ermittlungsstand (Jänner 2016) hauptsächlich mit Migrationshintergrund, sexuell belästigt worden waren, schrieb Alice Schwarzer, diese Täter seien geprägt von einem gewalttätigen Patriarchat, was ihr prompt den Vorwurf des Rassismus einbrachte (vgl. Schwarzer 2016). Rechte Parteien und Organisationen scheinen dagegen auf diesen Zug aufzuspringen, und ursprünglich feministische Themen für sich zu vereinnahmen, wenn sie gegen Migration argumentieren wollen.
Wie hängen Gender und Migration zusammen? Ausgehend von einer Analyse der Bedeutungsverschiebungen, die Begriffe wie Gender, Wahlfreiheit und sexuelle Selbstbestimmung von rechter Seite erfahren, wird ein Bogen über die Kulturalisierung von sexistischer und sexualisierter Gewalt gespannt, um schließlich zu einem Verständnis darüber zu gelangen, wie weibliche und männliche MigrantInnen (un-)gleich in das Produktionssystem inkludiert und exkludiert werden.

Schlagworte


Rassismus; Feminismus; Gender; Migration; Produktionsbedingungen; kulturelle Gewalt; Reservearmee

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