Die Einführung der Kindergrundsicherung in Österreich. Ein Modell der Volkshilfe
Abstract
18 Prozent aller Kinder und Jugendlichen in Österreich wachsen unter Bedingungen sozioökonomischer Benachteiligung auf. Die Kinderarmutsforschung belegt, dass materieller Mangel sich auf die gesundheitliche, soziale und kulturelle Entwicklung negativ auswirkt und sich damit in allen Dimensionen des kindlichen Lebens manifestiert. Finanzieller Mangel verhindert gesellschaftliche Teilhabe, ein Aufwachsen im Wohlergehen, das Ergreifen von Verwirklichungschancen und die Entwicklung von Selbstwirksamkeit. Engagement für Kinder bedeutet in diesem Zusammenhang, eine theoretisch fundierte und praktisch wirksame Strategie gegen Kinderarmut zur Anwendung zu bringen. Im folgenden Artikel wird ein von der Volkshilfe Österreich entwickeltes, staatlich finanzier- und leistbares Modell zur Beendigung von Kinderarmut in Österreich vorgestellt. Durch die Realisierung einer Kindergrundsicherung soll allen Kindern in Österreich unabhängig vom Einkommen ihrer Eltern ein sicheres und partizipatives Aufwachsen ermöglicht werden, das sie in die Lage versetzt, ihre Potenziale zu entwickeln. In Zusammenarbeit mit Bürger*innen, die dieses Anliegen teilen und dafür spenden, wird die Volkshilfe in einem Projekt für einen Teil der konkret von Armut betroffenen Kinder deren sozioökonomische Benachteiligung aufheben. Die Umsetzung des Projekts wird sozialwissenschaftlich beforscht, wobei die daraus gewonnenen validen Erkenntnisse dabei unterstützen sollen, eine mehrheitliche Zustimmung der Bevölkerung zu gewinnen und in Folge eine österreichweite Umsetzung zu ermöglichen. Schlagworte: Chancengerechtigkeit, Kinderarmut, Kindergrundsicherung, Selbstwirksamkeit, sozioökonomischen Benachteiligung, Partizipation, Teilhabe, Verwirklichungschancen - 18 percent of all children and adolescents in Austria grow up under conditions of socio-economic disadvantage. Research on child poverty shows that material shortcomings have a negative impact on health, social and cultural development and therefore manifest themselves in all dimensions of the child's life. Financial deficiency prevents participation in society, hinders growing up in well-being, taking chances to develop one’s own potential and self-efficacy. Commitment to children means applying an effective and sustainable strategy – both in theory and practice – against child poverty. The following article presents a fundable and affordable model, developed by the Volkshilfe, to end child poverty in Austria. In addition, the realization of a basic child protection (Kindergrundsicherung) guarantees all children in Austria, regardless of the income of their parents, a secure and participative upbringing, which enables them to develop their potential. Through concrete financial means, existing child poverty will be eliminated over a longer period, and the concept will be monitored by sociological research. The thereby verified results should help to gain majority approval and, as a result, to enable the Austria-wide implementation of the concept. Keywords: equal opportunity, child poverty, basic child security, self-efficacy, socio-economic disadvantage, participation, community, opportunities for developmentSchlagwörter
Chancengerechtigkeit, Kinderarmut, Kindergrundsicherung, Selbstwirksamkeit, sozioökonomischen Benachteiligung, Partizipation, Teilhabe, Verwirklichungschancen
Autor/innen-Biografie
Erich Fenninger
Direktor Mag. (FH) Erich Fenninger, DSA erich.fenninger@volkshilfe.at Sozialarbeiter (Bundesakademie für Sozialarbeit in Wien), Magister der Sozialarbeitswissenschaften (FH Sankt Pölten), Diplom Sozialmanagement und Organisationsentwicklung (Akademie der Sozialarbeit Wien). Seit 2003 Bundesgeschäftsführer der Volkshilfe Österreich, Vorsitzender der Sozialwirtschaft Österreich, Mitglied des wissenschaftlichen Beirats der FH St. Pölten, nebenberuflich Lehrender an der Fachhochschule FH Campus Wien, Dozent an der FH Burgenland.
Judith Ranftler
Mag.a (FH) Judith Ranftler, MA judith.ranftler@volkshilfe.at Sozialarbeiterin und Mediatorin, Masterstudium für Interkulturelle Kompetenz (Donau Universität Krems) und Intercultural Conflict Management (Alice Salomon Hochschule Berlin), berufliche Erfahrung im Flüchtlingsbereich und in der Kinder- und Jugendhilfe, aktuell beschäftigt bei der Volkshilfe Österreich, Fachbereich Kinder und Jugend, Fachbereich Asyl und Integration und als nebenberuflich Lehrende am FH Campus Wien.
Dagmar Fenninger-Bucher (Standort St. Pölten)
Dagmar Fenninger-Bucher, MA dagmar.fenninger-bucher@edu.fh-campuswien.ac.at Sozialarbeitswissenschafterin, Gruppenleiterin der Kinder- und Jugendhilfe Magistrat Wiener Neustadt, Projektleiterin „Kinderzukunft Wiener Neustadt“, Literaturschaffende, nebenberuflich Lehrende an den Fachhochschulen FH Campus Wien und FH Burgenland.